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TAGBLATT: Für die Geschichte und Psyche


Volleyball:TV Rottenburg holt gegen Dresden seinen ersten Dreier in der Bundesliga


Ein klein wenig Vereinsgeschichte haben die Volleyballer des TV Rottenburg gestern vor 1600 Zuschauern in Tübingen geschrieben. Beim 3:1 (25:17, 21:25, 25:15, 25:22)-Sieg gegen den VC Dresden haben sie nämlich erstmals in der Bundesliga drei Punkte auf einmal geholt.

Tübingen. Der TV Rottenburg kann nicht nur gewinnen. Er kann's auch mit drei Punkten, die es seit dieser Saison für Siege mit mindestens zwei Sätzen Differenz gibt - was dem TVR gestern im vierten Versuch erstmals gelungen ist. "Das ist für die Psyche wichtig", sagte Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger.

Die Psyche, die Prozesse, die in den Gehirnen der TVR-Spieler ablaufen - wenn's nach Libero Willy Belizer geht, sollten sie diese gar nicht beachten: "Wir sollten vielleicht den Kopf ausschalten und einfach nur spielen!" So, sagt er, hätten sich Leistungen wie im zweiten und teilweise vierten Satz vermeiden lassen. Nach einem recht überzeugenden 25:17-Sieg im ersten Satz hatte Hans Peter Müller-Angstenberger im zweiten schon nach wenigen Minuten seine zweite Auszeit genommen. 1:6 stand's da. Geklappt hatte beim TVR wenig bis fast gar nichts. Dresdens Eric Grosche donnerte seine Aufschläge ins Rottenburger Feld, die zu Assen oder unbrauchbar angenommen wurden. "So kann man nicht spielen wie wir im zweiten Satz", kritisierte Belizer, "wir hatten einen Bewegungsradius von einem Meter."

7:17 stand es, als Müller-Angstenberger nach und nach fast alles ins Spiel brachte, was von seinen Spielern draußen im Eck stand. Niko Rukavina kam für Dirk Mehlberg, Sven Metzger für Markus Pielmeier, Aitor Canca für Friederich Nagel. Zuvor schon war auf der Zuspielerposition Michael Neumeister für Federico Cipollone gekommen. Und siehe da: Plötzlich lief es wieder besser. Sven Metzger spielte überragend auf der Diagonalposition, Mittelblocker Canca fügte sich gleich mit einem starken Blockpunkt gegen Alan Wasilewski ein. Rottenburg kam auf 18:21 wieder heran. Zum Satzgewinn reichte es jedoch nicht.

Aber Müller-Angstenberger vertraute den Eingewechselten, ließ die auch den dritten Satz beginnen. "Jeder ist wichtig für das Team", sagte Canca, "der Trainer wechselt ja auch viel." Müller-Angstenberger begründet dies mit einem breiteren Kader gegenüber der Vorsaison: "Wir haben ja immer gesagt, dass wir aus diesem breiten Kader mehr herausholen müssen. Jeder Spieler ist sich bewusst, dass, egal was passiert, er eine Verantwortung hat, wenn er ins Spiel kommt."

Rottenburg begann stark, führte mit 12:4, brachte seine Aufschläge meistens sicher durch. Ein Annahmefehler von Dresdens Libero Georg Zobel nach Aufschlag von Felix Isaak bescherte den 25:15-Sieg. "Wir haben das Spiel aus der Hand gegeben", sagte Dresdens Trainerin Sylvia Roll, "wir haben nicht mehr so druckvoll angegriffen."

Der Trainer wie beim Radetzky-Marsch

Doch im vierten Satz sah es so aus, als ob der VC Dresden wieder zurück ins Spiel kommen würde. 14:8 führte er. Dann punktete René Bahlburg für Rottenburg, und sein Team kämpfte sich erneut zurück. Nachdem der angeschlagene Dirk Mehlberg von außen zum 15:14 eingeschlagen hatte, stand sein Trainer auf den Plastikstühlen für die Betreuer und gestikulierte vor den mit Schals wedelnden oder in die Hände klatschenden TVR-Fans - als ob er den Radetzky-Marsch, die traditionelle Schlussnummer des Wiener Opernballs, einleiten würde. Denn sein Team zog jetzt davon. Auch dank Dresdner Mithilfe: Mit Aufschlags- und Angriffsfehler sorgten die Gäste für Punkte ohne großartiges Rottenburger Zutun. Als Thomas Schober den Ball ins Aus schlug, war das der 25:22- und 3:1-Sieg für den TVR. "Am Schluss waren wir erleichtert", sagte Rottenburgs Libero Willy Belizer. Erleichtert über die ersten drei Punkte in der Bundesliga-Geschichte des TV Rottenburg.

Eine Bildergalerie vom Spiel gibt es auf www.tagblatt.de im Internet.

Tobias Zug

Knieprobleme bei Dirk Mehlberg

Nach seine r Auswechslung war Dirk Mehlberg zeitweise gar nicht mehr zu sehen. Grund: Hinter der Werbebande verarztete ihn die Physiotherapeutin. Erst gegen Ende des vierten Satzes kam der Außen wieder rein. "Arg viel länger hätte ich aber nicht mehr spielen können", sagte er. Eine Blockade im Knie habe ihm mächtig zu schaffen gemacht. "Das ist wie eingerostet." Am Mittwoch (19.30 Uhr) spielen die Rottenburger wieder im Pokal-Achtelfinale gegen den Moerser SC. Ob mit oder ohne Mehlberg, ist noch fraglich: "Meine Gesundheit setze ich deshalb nicht aufs Spiel", sagte er.

Von Luxusproblemen und Inkonstanz


Volleyball: Beim TV Rottenburg teilen sich die beiden Zuspieler momentan die Arbeit


Die Rottenburger Mannschaftsaufstellung bietet den Zuschauern diese Saison immer wieder Überraschungen. Unter anderem auf der Zuspieler-Position. Das birgt Chancen und Risiken.

Vincent Meissner

Tübingen.Im zweiten Satz lief lange Zeit nicht viel zusammen beim TV Rottenburg. Dresden dominierte das Geschehen und führte 10:3. Rottenburgs Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger reagierte daher und brachte in Michael Neumeister einen neuen Zuspieler für Federico Cipollone. Der Ausgewechselte war darüber nicht gerade begeistert: "Ich musste ihm die Situation erst mal erklären", sagte Trainer Müller-Angstenberger nach dem Spiel. Neumeister konnte den zweiten Satz zwar nicht mehr retten, doch den dritten Abschnitt holte der TVR dann unter seiner Regie.

Umgekehrtes Spiel dann im vierten Durchgang beim Stand von 10:5 für Dresden: Für Neumeister, dem nun die Spielkontrolle verloren gegangen war, kam Cipollone zurück aufs Feld - und führte den TV Rottenburg zum Sieg.

Einiges ist diese Saison anders beim TV Rottenburg im Vergleich zu den Vorjahren. Die Stammplätze sind längst nicht so klar verteilt. Freute sich etwa Talent Cipollone (19) vor einem Jahr noch darüber, ab und an für einen Aufschlag aufs Feld zu dürfen, ist er mittlerweile eine zentrale Figur beim TVR und war in den ersten vier Saisonspielen als Spielgestalter stets erste Wahl.

Michael Neumeister (28) spürt diesen gestiegenen Druck aus den eigenen Reihen. Weil er in der Vorbereitung ein Praktikum absolvierte, verpasste er viele Übungseinheiten. "Ich habe es selbst gemerkt", sagt Neumeister, "ich brauche eben viel Training." Auch weil Coach Müller-Angstenberger dieses Jahr schneller spielen lässt, ist eine ganz exakte Feinabstimmung zwischen Zuspieler und Angreifern nötig. Und eben die konnte sich Neumeister in der Vorbereitung nicht erarbeiten.

Sauer ist Neumeister nicht über seine Degradierung, sagt er: "Ich bin mir meiner Rolle bewusst." Gefühle wie Neid oder Missgunst gegenüber Cipollone verneint er: "Das ist ja das Besondere an diesem Team. Wir sind uns nicht böse, wenn der andere spielt." Die Mannschaft profitiert jedenfalls vom ausgeglichenen und breiten Kader, sagt Trainer Müller-Angstenberger: "Wenn im Moment eine Auswechslung kommt, verstehen das alle in der Mannschaft als Verstärkung."

Neumeister hat sich zurückgemeldet

Deshalb freut sich der Trainer auch über die Möglichkeiten, die er dank zweier Zuspieler auf Augenhöhe hat: "So stelle ich mir das vor - es soll ein heißer Wettkampf sein." Für den etatmäßigen Stammzuspieler Neumeister freilich keine leichte Situation: "Von eins auf zwei zu rutschen ist nicht einfach", sagt Müller-Angstenberger. "Da lernt er gerade." Doch Neumeisters Auftritt gestern beeindruckte den Coach: "Micha hat sich heute zurückgemeldet."

Neumeister selbst verteilte dagegen Komplimente an Kollege und Konkurrent Cipollone: "Fede macht es gerade richtig gut. Es war für mich auch nicht schlimm, das Spiel nicht zu Ende gespielt zu haben." Dass dies nicht bloß Lippenbekenntnisse sind, zeigte Neumeister in der entscheidenden Phase des Spiels: Während Cipollone spielte, stand Neumeister abseits bei den Auswechselspielern. Dort hüpfte er wie ein kleines Kind auf der Stelle und klatschte die Hände über dem Kopf zusammen, um sein Team anzufeuern.

Für die Rottenburger Gegner ist es durch die Variabilität auf der Zuspieler-Position mitunter tatsächlich schwerer, sich auf das Angriffsspiel einzustellen. "Wir ergänzen uns gerade gut", sagt Neumeister. Allerdings können die häufigen Wechsel auch zu Unruhe führen. "Das ist mit ein Grund, dass wir noch nicht so konstant sind bis jetzt", sagt Müller-Angstenberger. Auch Neumeister gibt zu: "Es läuft noch nicht rund."

Wer im Pokal am Mittwochabend gegen Moers als Spielgestalter beginnt, weiß Trainer Müller-Angstenberger noch nicht. "Das müssen wir jetzt analysieren - und ist auch vom Gegner abhängig." Das nennt man wohl Luxusproblem. Müller-Angstenberger formuliert es so: "Wichtig ist: Jeder kann beginnen."

Angebaggert - Randnotizen zum Spiel

Der Größte im Team

Auf Englisch unterhält er sich mit seinen Rottenburger Mitspielern, der Spanier Aitor Canca. Gestern hatte der Mittelblocker auch etwas mehr zu erzählen, nachdem er erstmals in dieser Saison zu längeren Einsatzzeiten gekommen ist. "Ich bin immer bereit für den Einsatz, aber wirklich glücklich bin ich, dass wir gewonnen haben", sagte der mit 2,04 Metern größte TVR-Spieler.

Legende an der Linie

Dresdens Trainerin Sylvia Roll (40) ist zugleich Volleyball-Legende und Ausnahme-Erscheinung: Als zweite Frau überhaupt - nach Heike Flockert Ende der 1990er Jahre in Schüttorf - trainiert die 250-fache deutsche Nationalspielerin einen Männer-Bundesligisten. Das Aufhebens darüber geht ihr allerdings schon ein wenig auf die Nerven. Sie redet nicht gerne über das Thema. "Der Alltag holt einen relativ schnell wieder ein", sagt sie lapidar. Mit dem Schweriner SC gewann Roll vier Mal die deutsche Meisterschaft und drei Mal den Pokal. Als Außenangreiferin war sie zudem bei Spitzenvereinen in Brasilien, Italien und der Türkei unter Vertrag. Vergangene Saison hatte sie ihre Trainerkarriere bei Männer-Zweitligist SVG Lüneburg begonnen.


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Veranstaltung(en) zu diesem Bericht

10.11.2013 : 17:00 Uhr

Volleyball Bundesliga (Herren): TV Rottenburg - VC Dresden



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