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TAGBLATT: Ein selbst verhängter Maulkorb


Volleyball: Rottenburgs heutiger Heimgegner Haching steht trotz großer Erfolge vor dem Aus


Hohe Belastung für die Rottenburger Bundesliga-Volleyballer: Nur vier Tage nach dem Spiel in Bühl kommt heute Abend (19.30 Uhr, Paul-Horn-Arena Tübingen) der aktuelle Pokalsieger aus Haching. Auch dort ist die Belastung hoch. Probleme macht jedoch weniger die sportliche als vielmehr die finanzielle Planung.

Rottenburg.Die Stimmung ist angespannt in Unterhaching. Seit vielen Jahren zählt die Gemeinde südlich von München zu den Top-Standorten des deutschen Volleyballs. Doch damit ist nach dieser Saison wohl Schluss. Der Grund: Der Versicherungskonzern "Generali" beendet sein Engagement als Haupt- und Namenssponsor. Damit fehlt rund eine Million Euro im Hachinger Etat. Und da sich die Suche nach einem neuen Großsponsor auch bei einem Spitzenteam wie Haching schwierig gestaltet, droht nun das Ende.

Wie angespannt die Atmosphäre ist, zeigt ein Anruf bei Hachings Trainer Mihai Paduretu. Der ist neben seiner Trainer-Tätigkeit auch noch Geschäftsführer des TSV Unterhaching, des Muttervereins der Bundesliga-Volleyballer. Ruft man auf der Geschäftsstelle im Utzweg1 an, geht der Vater des Hachinger Volleyball-Projekts an den Apparat. Über seine Mannschaft redet er gerne. Wie sie nach elf Abgängen und neun Zugängen im Sommer schon jetzt gut harmoniert und auch außerhalb des Feldes viel zusammen unternimmt. Über Prominente wie die Bayern-Fußballer Diego Contento und Rafinha oder Ministerpräsident Horst Seehofer, die hin und wieder in der Hachinger Halle vorbeischauen. Und auch über die "sympathische Mannschaft" aus Rottenburg. Doch damit ist es dann auch gut: "Über alles andere sprechen wir nicht", sagt Paduretu. Die Verantwortlichen haben sich selbst einen Maulkorb verhängt.

Auch Hachings Manager Josef Köck windet sich, lässt dann allerdings doch ein wenig raus. Ein neuer Großsponsor ist noch nicht gefunden. Doch es laufen noch Gespräche. Köck bemüht eine alte Floskel: "Die Hoffnung stirbt zuletzt."

In einem Artikel in der "Süddeutschen Zeitung" war Trainer und Geschäftsführer Paduretu Anfang November noch auskunftsfreudiger: Wenn bis Weihnachten kein neuer Sponsor gefunden ist, wird in Haching kommende Runde kein Erstliga-Volleyball mehr gespielt, sagte er da. Und: "Im Januar werden wir mit der gesunden Abwicklung beginnen." Denn das ist ihnen wichtig in Unterhaching: Der Hauptverein soll unbelastet bleiben. Schulden würden nicht gemacht. Und die Finanzierung der aktuellen Saison sei ebenfalls nicht in Gefahr.

Manager Köck betont seit Wochen immer wieder die Titel und Verdienste der Hachinger: 15 deutsche Nationalspieler haben sie in den vergangenen Jahren beschäftigt, allein fünf in dieser Saison, vier Pokalsiege gefeiert und sie standen drei Mal im Finale um die deutsche Meisterschaft. Doch all das interessiert nun keinen Großsponsor. "Wir versuchen alles Mögliche", sagt Köck.

In Rottenburg kennen sie diese Probleme. Auch hier suchen die Verantwortlichen seit Jahren nach großen Geldgebern - vergeblich. "Es ist nicht leicht, einen Hauptsponsor zu finden. Ich kann davon ein Lied singen", sagt Rottenburgs Manager Jörg Papenheim. Er bedauert die Probleme des Konkurrenten. Das Aus würde die Liga treffen: "Das wäre extrem schade", sagt er.

Ganz nachvollziehen kann er die Entweder-oder-Situation allerdings nicht: "Ich glaube schon, dass Haching auch ohne Hauptsponsor einen spielfähigen Etat für die Bundesliga zusammenbekommen würde." Doch das Image einer grauen Maus scheuen die Hachinger: "In München bist du im Mittelfeld ein Niemand", sagt Manager Köck. "Wenn du da mal raus bist." Er lässt den Satz unvollendet. "Wie sollen wir uns da vorkommen?!", entgegnet Papenheim. Seit Jahren arbeitet er jedes Jahr eifrig an seinem mittleren sechsstelligen Etat.

Doch in solchen Kategorien denken die Hachinger nicht: "Das Schlimmste wäre, wenn wir Meister und Pokalsieger werden würden und keinen Sponsor hätten", sagt Köck.

Vincent Meissner

Fünf deutsche Nationalspieler im Hachinger Kader

Sieben Siege in Serie: Hac hing hat zuletzt wettbewerbsübergreifend sieben Mal gewonnen. Rottenburgs Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger sagt bewundernd: "Haching hat ein tolles Team mit großer individueller Klasse. Sie sind derzeit der schwerst mögliche Gegner." Mit Tom Strohbach, Simon Hirsch und Konstantin Shumov sind nur noch drei Spieler aus dem Kader der Vorsaison dabei. Mit Hirsch, Strohbach und den Neuzugängen und Rückkehrern Marcus Böhme, Ferdinand Tille und Sebastian Schwarz hat Haching fünf deutsche Nationalspieler. Schwarz war einst in der Jugend beim TVR.

Haching, die Zweite: Déjà-Vu-Potenzial in der Tübinger Arena: Heute Abend spielt der TV Rottenburg in der Liga gegen Haching und kommenden Mittwoch (ebenfalls 19.30 Uhr) schon wieder im Viertelfinale des DVV-Pokals. Tickets hierfür sind bereits erhältlich - unter anderem in den Geschäftsstellen des TAGBLATTs. Die Bundesliga-Dauerkarten gelten auch im Pokal.


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20.11.2013 : 19:30 Uhr

Volleyball Bundesliga (Herren): TV Rottenburg - Generali Haching



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