Homepage präsentiert von Tagblatt

News 1. Bundesliga Herren 1

0 Kommentare

TAGBLATT: Auf die Mütze bekommen


Volleyball: Keine Chance für Bundesligist TV Rottenburg beim 0:3 gegen den Deutschen Meister Berlin

Nach etwas mehr als einer Stunde war die Sache durch. Der Deutsche Meister Volleys Berlin hat am Samstag vor 1850 Zuschauern beim TV Rottenburg mit 3:0 (25:13, 25:16, 25:14) gewonnen.

Tübingen.Die rüstigen Herren der Rottenburger Bürgerwache auf der Haupttribüne hatten ihre Freude, denn sie hatten für ihren Pausenauftritt vom Verein Freibier bekommen, mit dem sie sich freudig zuprosteten. Manche von ihnen waren das erste Mal bei einem Volleyballspiel. Da die Verantwortlichen des TV Rottenburg um jeden Fan bemüht sind, werden sie den Premierengästen versichern müssen, dass es nicht immer so zugeht bei den Heimspielen ihrer Volleyballer wie diesmal: Freibier gibt's im Normalfall nicht. Und genauso selten - zumindest in der jüngeren Vergangenheit - solche Auftritte des Rottenburger Teams.

"Wir hatten hier nie ein einfaches Spiel erlebt", sagte Berlins Trainer Mark Lebedew, "hier war immer eine heiße und gute Atmosphäre." Doch am Samstag war alles anders. Obwohl Lebedew mit dem Satzbeginn nicht zufrieden war ("wir haben viele Ausbälle und Danke-Bälle gespielt"): Sorgen musste er sich selten machen, dass es hier wieder kein einfaches Spiel mit heißer Atmosphäre geben würde. "Wir haben den Meister nicht gestellt", sagte Rottenburgs Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger, "sobald Druck auf die Annahme gekommen ist, war's vorbei."

Nach anfänglichem Mithalten verlor Rottenburg mehr und mehr die Kontrolle über das Spiel. Berlin punktete mit seinen turmhohen Spielern wie Robert Kromm (2,12 Meter) oder Paul Carroll (2,04) über die Mitte, über außen - von überall eben. Zu Beginn des zweiten Satzes wirkten die Berliner etwas zerzaust, nahmen die Bälle schlecht an, und Rottenburg führte gar mit 5:2. Dann punktete Tomas Kmet zum 3:5, und Robert Kromm schlug auf. Und mit dessen strammen Keulen hatten die TVR-Annahmespieler wie Dirk Mehlberg allergrößte Probleme, so dass sie nie ein druckvolles Angriffsspiel durchziehen konnten. "Berlin schlug sehr gut auf", konstatierte TVR-Zuspieler Federico Cipollone, "wir dagegen haben in unsere Aufschläge zu wenig Druck gebracht."

Müller-Angstenberger jedesmal war's zu viel des Schlechten: Nach dem 5:7 nahm er das erste Mal eine Auszeit. Nach dem 5:8 trafen sich die Rottenburger zur technischen Auszeit wieder neben dem Feld. Als TVR-Kapitän René Bahlburg den nächsten Ball zum 5:9 ins Aus drosch, holte der Coach seine Spieler erneut zur Kurzbesprechung und brachte Michael Neumeister für Cipollone. Brachte alles nicht großartig viel. Berlin baute den Vorsprung stetig aus. Nach dem 14:21 saß der sonst stets umtriebige und motivierende Trainer nur noch auf der Bank, redete lange mit Cipollone und seinem Co-Trainer Oliver Heiming. Aus dem Augenwinkel vernahm er noch, wie sein Mittelblocker Canca Fernandez seinen Aufschlag weit ins Aus zum Berliner Satzgewinn haute.

"Gegen eine solch starke Mannschaft kann man nur gewinnen, wenn man in einen "Flow" kommt und alles läuft", sagte Rottenburgs Mittelblocker Felix Isaak. Rottenburg kam aber auch im dritten Satz weder in irgendwelche "Flows" noch richtig ins Spiel. Fast schon symptomatisch: Da schließt Friederich Nagel einen starken Angriff zum 6:7 ab - und schlägt den anschließenden Aufschlag ins Netz. Was wenig später folgte, war ein kurzes Aufschlagfehler-Festival: Berlins Srecko Lisinac schlägt auf - Netz, 9:12. Rottenburgs Niko Rukavina schlägt auf - Netz, 9:13. Berlins Roko Sikiric schlägt auf - Netz, 10:13. Rottenburgs Felix Isaak schlägt auf - Aus, 10:14. Dann brachte der Deutsche Meister sein Aufschlagsspiel durch, und nach etwas mehr als einer Stunde hatte er auch den 3:0-Sieg vollendet.

Berlins Trainer Mark Lebedew sprach zwar nicht davon, dass das Spiel so einfach und schnell wie's Brezelnbacken für sein Team lief, aber er habe Rottenburg schon "viiiiiiel stärker eingeschätzt". "Wir haben heute einfach einen auf die Mütze bekommen", sagte Rottenburgs Trainer Hans Peter Mü ller-Angstenberger, "irgendwann sind die Spieler verzweifelt, die Köpfe sind immer tiefer nach unten gegangen." Das, sagt Federico Cipollone, solle sein Team aber ändern: "Wir dürfen die Köpfe nicht hängen lassen." Sonst kommt von der Bürgerwache vielleicht nicht mal bei Freibier jemand mehr.

Tobias Zug

TVR-Trainer: "Sind da angekommen, wo wir hingehören"

Es war das letzte Heimspiel des Jahres für den TV Rottenburg. Sechs Punkte hat der Volleyball-Bundesligist in acht Spielen geholt. Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger sagt: "Wir sind jetzt da angekommen, wo wir hingehören - wir sind eine Mannschaft der unteren Tabellenhälfte." Und sieht im Rückblick das erste Spiel beim CV Mitteldeutschland als Knackpunkt, warum seine Mannschaft nicht besser da steht. Als Rottenburg eine 2:0-Führung noch verspielte und 2:3 verlor. "Das hat uns wohl so geschadet, dass wir auch bei unseren anschließenden Siegen nie das Vertrauen und die Konstanz in unser Spiel bekamen." Ohne sie direkt beim Namen zu nennen, sprach der Trainer auch von den Formtiefs der Spieler wie Dirk Mehlberg oder Markus Pielmeier. "Spieler, die im letzten Jahr Leistungsträger waren, rätseln selbst über ihre Leistung, vielleicht auch über ihre neue Rolle im Team." Jedenfalls: "Wir müssen versuchen, den letzten Platz zu verhindern - das muss man jetzt so sagen!"

Angebaggert - Randnotizen zum Spiel

Auszeiten-Hattrick

Das kommt nicht gerade häufig vor: Drei Ballwechsel hintereinander - und auf jeden folgt eine Auszeit. So geschehen im zweiten Satz am Samstag. Rottenburg führte 5:2, dann kam der deutsche Nationalspieler Robert Kromm zum Aufschlag für Berlin. Als Berlin wenig später 7:5 führte formte Rottenburgs Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger seine Hände zu einem "T" und signalisierte dem Zweiten Schiedsrichter Harald Rieger damit den Wunsch, eine Auszeit einzulegen. Doch die brachte brachte Kromm nicht aus dem Rhythmus. Berlin punktete wieder - 8:5. Das bedeutet Technische Auszeit, wie immer wenn die erste Mannschaft acht Zähler erreicht hat. Als Berlin auf 9:5 erhöhte, nahm TVR-Trainer Müller-Angstenberger aus die zweite ihm zustehende Auszeit in diesem Satz. Und diesmal half's - zumindest kurzzeitig: Ein Missverständnis von Berlins Zuspieler Kawika Shoji und Mittelblocker Tomas Kmet beendete die Kromm'sche Aufschlagserie mit sieben Zählern in Serie.

Schwindelig gespielt

Es war einer von ganz wenigen Fehlern des Berliner Spielmachers. Rottenburgs Trainer Müller-Angstenberger wählte Kawika Shoji (26) nach der Partie zum besten Berliner und adelte ihn mit den Worten: "Er hat uns heute schwindelig gespielt." Shoji war vor Spielfreude kaum zu stoppen. "Ich habe mich auf das Spiel gefreut", sagte er Schließlich war er zwei Wochen mit dem US-amerikanischen Nationalteam beim Champions-Cup in Japan unterwegs und verpasste zwei Spiele seiner Berliner. "Wir hatten viel Respekt vor Rottenburg", sagte Shoji. "Aber wir haben die Konzentration während des Spiels immer hoch gehalten." Federico Cipollone, Shojis Gegenüber beim TVR, war beeindruckt: "Ich bin ja einer der unerfahrensten Zuspieler der Liga. Da schaut man sich dann schon mal was ab."

Trauriger Geburtstag

Für zwei Rottenburger war der Samstag ein besonderer Tag: Libero Willy Belizer und Mittelblocker Aitor Canca hatten Geburtstag. Canca, der älteste im Team, wurde 31, Belizer 28. Dennoch war die Stimmung bei Canca gedrückt: "Ich bin traurig wegen der Niederlage", sagte er. Eine kleine Feier wollte er dennoch nicht ausschließen: "Vielleicht trinken wir nachher noch was gemeinsam mit dem Team."

Bei Auswechslung Ärger

Das war ein kurzer Arbeitstag für Rottenburgs Außenangreifer Dirk Mehlberg. Zu Beginn des zweiten Satzes kam er aufs Feld. Beim Stand von 6:11 musste er schon wieder runter. Bei einigen Annahmen sahen er und seinen Kollegen nicht besonders gut aus. Doch Berlin glänzte auch im Aufschlag. "Die Flatteraufschläge haben fast alle die Netzkante rasiert und wenn die aus 3,50 Metern Höhe beim Sprungaufschlag schmettern, wird's auch schwierig", erklärte Mehlberg. Deshalb war Mehlberg auch sauer, dass er raus musste und pfefferte das Auswechsel-Täfelchen auf den Boden. Wenig später saß er mit leerem Blick neben den stehenden Wechselspielern auf dem rosafarbenen Hallenboden. Noch immer ist Mehlbergs Knieverletzung nicht ganz ausgeheilt. Vor dem Spiel schluckte er eine Schmerztablette, um beschwerdefrei spielen zu können. Doch beim täglichen Training behindert die Entzündung ihn immer noch.

In den Bart genuschelt

Wie üblich ging Hallensprecher Ingo Pufke nach dem Spiel zuerst zum Gästetrainer, um ihn zu fragen, wer in seinen Augen bester Rottenburger war und warum. Doch was Mark Lebedew ins Mikrofon, beziehungsweise in seinen Vollbart nuschelte, verstand weder das Publikum auf den Tribünen noch Pufke selbst. Deshalb musste er noch mal nachfragen, um wenigstens einen Namen zu bekommen. Lebedew strengte sich an und sagte "Isaak" - Rottenburgs Mittelblocker mit Vornamen Felix.

Nachwuchs-Hoffnung

Ruhm und Ehre für Sandra Weiss und Jonas Kuhn: Ein Gro&am p;sz lig;teil der 1850 Zuschauer applaudierte, als die beiden TVR-Nachwuchsspieler des Monats vorgestellt wurden. Weiss (Jahrgang 1994) spielt als Libera für das Regionalliga-Team des TV Rottenburg. Kuhn (Jahrgang 1998) trainiert unter dem einstigen Rottenburger Erstliga-Kapitän Thomas Welz und hat bereits 25 Einsätze in der Auswahl des württembergischen Verbands absolviert und ist zudem vierfacher Württembergischer Meister.

VINCENT MEISSNER


Bildergalerie zu diesem Bericht




Veranstaltung(en) zu diesem Bericht

30.11.2013 : 19:30 Uhr

Volleyball Bundesliga (Herren): TV Rottenburg - Berlin Recycling Volleys



Weiterführende Links



VBL Logo KSK Tübingen Volleyballdirekt