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TAGBLATT: Arbeiten wie die Schweine


Volleyball: Der Ex-Rottenburger Phillip Trenkler kehrt heute kurz zurück

Acht Spiele - und alle von Anfang an: Phillip Trenkler (20) hat sich bei Volleyball-Erstligist Chemie-Volleys Mitteldeutschland zum Stammspieler gemausert. Dennoch ist er unzufrieden vor dem Spiel heute (19.30 Uhr) in der Tübinger Paul-Horn-Arena gegen den TV Rottenburg.

von Vincent Meissner

Spergau.Phillip Trenkler hat resigniert. "Da kommt nichts mehr", sagt er entmutigt. "Da habe ich die Hoffnung aufgegeben." Trenkler ist mit 1,90 Meter der kleinste Spieler im Kader der Chemie-Volleys Mitteldeutschland. Nur Libero Dennis Hefter ist noch drei Zentimeter kleiner. Mit seinen bald 21 Jahren ist Trenkler ausgewachsen - und bleibt damit ein gutes Stück entfernt vom Gardemaß eines Außenangreifers. Doch Trenkler weiß sich zu helfen: "Ich habe genügend Sprungkraft." Etwa 1,05 Meter hoch springt er mit ausgestreckten Beinen. Das reicht für so manchen druckvollen Angriffsschlag.

Trenkler hat das Volleyball-Spielen in seiner Heimatstadt beim TV Rottenburg gelernt. Gemeinsam mit seinem gleichaltrigen Wegbegleiter Jan Zimmermann, der inzwischen beim VfB Friedrichhafen ist, wechselte er vor zweieinhalb Jahren in die 2. Bundesliga zum TSV GA Stuttgart und anschließend zum deutschen Junioren-Nationalteam VCO nach Berlin.

Ende der vergangenen Saison holte ihn Rottenburg für einige Wochen zurück. Doch Trenkler kam im Bundesliga-Team des TVR kaum zum Zug. Das Rottenburger Angebot für die aktuelle Saison schlug er aus. "Die Zeit in Berlin war ein erster Schritt in die Selbstständigkeit", sagt Trenkler. "Und ich wollte einfach noch etwas anderes erleben." Seine Bilanz gibt ihm recht: In allen acht Bundesliga-Spielen bislang stand Trenkler bei Mitteldeutschland in der Startformation.

Eine wichtige Rolle bei seiner Entscheidung spielte auch Trainer Ulf Quell. Im Jugend-Nationalteam lernten sich die beiden kennen. Vor der Saison gab Quell seinen Wechsel bekannt: Vom Co-Trainerposten bei Rekordmeister Friedrichshafen zog es ihn auf den Stuhl des Cheftrainers in Spergau. "Er ist ein Trainer, der sich viel Zeit nimmt für uns junge Spieler", sagt Trenkler.

Nicht mal die finanziellen Probleme der Chemie-Volleys vor der Saison schreckten Trenkler ab: Nachdem er seinen Wechsel schon bekannt gegeben hatte, starteten die Verantwortlichen der "Piraten", wie sich der Verein nennt, die Aktion "Rettungsanker" - ähnlich der Mission "K(l)assenerhalt" beim TV Rottenburg. Es folgten bange Wochen, doch am Ende bekamen sie die Lizenz. "Ich hatte nie Angst, dass das hier nicht klappen könnte", sagt Trenkler. "Denn ich habe dem Trainer vertraut, der gesagt hat, das wird laufen." Sein Gehalt hat er bislang stets bekommen.

Nur mit dem sportlichen Saisonverlauf hadert Trenkler: "Wir sind alle unzufrieden mit den bisherigen Leistungen." Warum nach dem 3:2-Auftaktsieg gegen Rottenburg nur noch ein Erfolgserlebnis gegen die VSG Coburg/Grub folgte, dafür fehlen ihm die Erklärungen. "Wir arbeiten im Training wie die Schweine", sagt Trenkler. "Aber dann haben wir in den Spielen immer wieder Blackouts und kacken uns in die Hose." Für ihn persönlich begann die Saison ganz gut. Aktuell ist er mit seinen Leistungen jedoch nicht mehr ganz so zufrieden. "Dadurch, dass ich Stammspieler bin, ist der Druck schon ziemlich hoch. Damit muss ich noch lernen umzugehen."

Das Hinspiel in Spergau gegen Rottenburg war für ihn so etwas wie das Spiegelbild dieser Vorrunde. Nur umgekehrt. Der TVR nahm Trenkler in der Annahme ins Visier und der hatte massive Probleme. Der TVR führte 2:0, doch dann drehte Trenkler im Angriff auf - und siegte mit Mitteldeutschland 3:2. Da bin ich irgendwie heiß gelaufen", sagt Trenkler fast entschuldigend.

Gemeinsam mit drei etwa gleichaltrigen Team-Kollegen wohnt Trenkler in einer Wohngemeinschaft in Leuna. Einer davon ist Libero Dennis Hefter (20), den er aus dem Vorjahr beim VCO Berlin kennt. Mit ihm teilt er sich auch ein Auto vom Verein. Zum Training in Spergau sind es damit fünf Minuten.

Vergangene Saison lebte er noch in der Millionen-Metropole Berlin, nun in der sachsen-anhaltinischen Provinz - gleich neben einem der größten Chemie-Parks der Republik. "Das war eine riesenkrasse Umstellung", sagt Trenkler. Um der Trostlosigkeit zu entfliehen, geht Trenkler hin und wieder ins nahe gelegene Halle (Saale) oder nach Leipzig. Oder dieses Wochenende eben in die schwäbische Heimat. "Ich freue mich riesig, wieder in Tübingen zu spielen", sagt Trenkler. Schließlich kommen hier ein paar Hundert Zuschauer mehr zu den Heimspielen als in der heimischen Jahrhundert-Halle.

Zwei Außenangreifer fraglich bei Mitteldeutschland

Beim TV Rottenburg sind die Erinnerungen an das 2:3 zum Saisonauftakt bei den Chemie-Volleys Mitteldeutschland noch immer präsent. "Die Hinspiel-Niederlage hat uns lange wehgetan", sagt Rottenburgs Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger über die 2:3-Niederlage nach 2:0-Satzführung. "Wir sind also vorgewarnt und wollen uns mit einem Sieg revanchieren." Bei Mitteldeutschland ist der Einsatz der angeschlagenen Außenspieler Enrico Ehrhardt (Ellenbogen) und Casper Munk (Rücken) fraglich.


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11.01.2014 : 19:30 Uhr

Volleyball Bundesliga (Herren): TV Rottenburg - CV Mitteldeutschland



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