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TAGBLATT: Die neue Philosophie des TV Rottenburg


Volleyball: Beim 3:1 gegen den CV Mitteldeutschland besteht der Erstligist den System-Test

Trainer Hans Peter Müller Angstenberger nannte die Partie gegen den CV Mitteldeutschland eine Bewährungsprobe für das neue Spielsystem des Volleyball-Erstligisten. Nach dem 3:1-Erfolg waren die 1900 Zuschauer überzeugt.

Tübingen. Es gibt Menschen, die nicht gerne zum Männer-Volleyball gehen. Zu viel Athletik, zu viel Hau-Drauf, zu wenige Ballwechsel. Diesen Menschen kann geholfen werden - mit einem Besuch beim TV Rottenburg. Denn bei den Heimspielen des Erstligisten sind lange Ballwechsel garantiert. Erst recht nach der Radikalkur, die Trainer Hans Peter Müller Angstenberger in der fünfwöchigen Länderspiel-Pause nach Weihnachten verordnet hat. "Wir haben unsere Philosophie komplett verändert", sagte Hans Peter Müller Angstenberger nach dem 3:1 am Samstag über die Chemie-Volleys Mitteldeutschland. "Heute war die Bewährungsprobe", sagte der TVR-Trainer - die hat sein Team mit Bravour bestanden. "Ich gönne es der Mannschaft nach diesen fünf intensiven Wochen", sagte Müller-Angstenberger - und deutete an, dass die Neuorientierungsphase nicht immer nur harmonisch verlaufen ist. "Wir haben jedem einzelnen hart und klar gesagt, was wir erwarten und was wir nicht mehr akzeptieren werden", sagte Müller-Angstenberger.

Der Trainer setzt neue Reize, die Mannschaft zeigt die entsprechende Reaktion - das war auch am Samstag zu beobachten. Etwa bei Zuspieler Michael Neumeister. Der Routinier erhielt zwar zunächst den Vorzug vor dem Youngster Federico Cipollone, wurde aber nach dem 6:12-Fehlstart ausgewechselt. Neumeister war bedient, klatschte bei seiner Auswechslung nicht mal mit dem Trainer ab. Dennoch verzog sich der 28-Jährige nicht in den Schmollwinkel, sondern kehrte hochmotiviert zurück. Dieselbe Reaktion bei Dirk Mehlberg: Auch das Geburtstagskind startete schwach, ließ sich aber nach seiner Auswechslung nicht hängen und avancierte im dritten und vierten Satz zum entscheidenden Faktor, mit dem verwandelten Matchball als Sahnehäubchen.

Zurück zur neuen Philosophie des TV Rottenburg - wie sieht die denn nun aus? "Wir wollen schwierige Situationen einfach lösen", erklärt Müller-Angstenberger. Das bedeutet: Keine Schmetterschläge in prekären Situationen erzwingen, sondern den Ball auch mal ganz simpel übers Netz passen oder pritschen - am besten auf den gegnerischen Zuspieler, um den Aufbau des Gegners zu stören. "Und dann müssen wir die Elemente Block und Verteidigung stärken", sagt der Trainer. Seine Vorgabe: In die Rallyes (Ballwechsel) kommen, keinen Fehlerschlag riskieren - und damit umgekehrt gegnerische Fehler provozieren.

Vorbild für das neue Rottenburger Volleyball-Verständnis ist übrigens die deutsche Nationalmannschaft. Gegen Friedrichshafen am Mittwoch griff das neue Konzept noch nicht, der Serienmeister gewann 3:1. "Aber heute war das ungleich wichtigere Spiel", sagte Müller-Angstenberger nach dem Erfolg über die Chemie-Volleys. Am Samstag mussten sich die Rottenburger gleich in mehreren Krisensituationen bewähren: Der erste Satz schien praktisch verloren, nach dem 6:12 aber gelang die Wende, der TVR gewann noch sicher mit 25:19. "Wir haben da 19:7 Punkte gemacht, das muss man sich mal geben", sagte Müller-Angstenberger. "Sensationell" fand er in dieser Phase den Auftritt von Zuspieler Federico Cipollone, auch mit der Einwechslung von Niko Rukavina gelang dem Trainer ein weiterer Glücksgriff.

Dieses Niveau konnten die Rottenburger im zweiten Durchgang aber nicht halten, der 11:20-Rückstand war eine zu hohe Hypothek. Der CV Mitteldeutschland steigerte sich, entschied auch den spektakulärsten Ballwechsel der Partie für sich, als der Niederländer Jairo Hooi eine Fußabwehr zeigte. Erinnerungen ans Hinspiel wurden wach, als Rottenburg eine 2:0-SatzFührung abgab.

Nach der Zehn-Minuten-Pause entwickelte sich eine umkämpfte Partie. In der die Rottenburger allmählich die Oberhand gewannen - dank stabiler Annahme und verbessertem Blockspiel. Mit einem 5:0-Zwischenspurt vom 16:13 zum 21:13 schaffte Rottenburg die Vorentscheidung im dritten Satz. Doch die Chemie-Volleys kämpften, wollten wenigstens einen Punkt mitnehmen. Zuspieler Florian Völker holte sich wegen Reklamierens eine gelbe Karte ab, Mitteldeutschland führte 9:8. Es sollte der letzte Rottenburger Rückstand bleiben, Isaak und Canca initiierten einen 7:1-Zwischenspurt des TVR. Beim 18:12 durch Rukavina schien die Vorentscheidung gefallen, doch mit Leichtsinnsfehlern (Pielmeier vergab unbedrängt) brachte sich Rottenburg wieder selbst in Not.

"In den Spielen davor haben wir so etwas noch verspielt, aber das Team festigt sich in Krisensituationen", sagte Müller-Angstenberger. Nach einer Auszeit war sein Team wieder auf Kurs - und der System-Test bestanden. "Die neuen Inhalte sind uns im zweiten Satz weg geschwommen", sagte Hans-Peter Müller-Angstenberger, "aber wenn wir am Ende so spielen, haben wir vieles richtig gemacht".

hansjörg lösel

Die Bank macht den Unterschied: Rottenburg rotiert

Der Schlüssel zum Sieg für den TV Rottenburg war die bestens besetzte Bank: Elf Spieler rotierten, bis auf Hans Cipowicz und Nico Zager bekam am Samstag jeder Rottenburger längere Einsatzzeiten. "Das war ein Mannschaftssieg, jeder hatte heute gute Phasen", freute sich der Trainer Hans Peter Müller Angstenberger. Sein Kollege Ulf Quell hatte dagegen deutlich weniger Variationsmöglichkeiten - den CV Mitteldeutschland plagen Verletzungssorgen. So war das Spiel einfach auszurechnen: Über Philipp Trenkler und Joren Zeeman liefen 81 der 119 Angriffe - und auf dieses Duo stellten sich die Rottenburger im Lauf der Partie immer besser ein.

Angebaggert - Randnotizen zum Spiel

An alter Wirkungsstätte

"Ich war schon nervöser als sonst vor Auswärtsspielen", gab Philipp Trenkler nach der Partie zu. Der 20-jährige Außenangreifer vom CV Mitteldeutschland hat das Volleyball-Spielen in seiner Heimatstadt Rottenburg gelernt, auch in der letzten Saison war er für einige Wochen beim TVR. Am Samstag traf er auf einige frühere Teamkollegen - und auf Freunde: Mit Federico Cipollone hat er gemeinsam Silvester gefeiert. Auch Trenklers Familie und seine Freundin leben noch in der Region und kamen am Samstag geschlossen, um ihn anzufeuern. Auch sportlich war es für den Rückkehrer ein guter Tag: Er stand von Anfang bis Ende auf dem Feld, seine Schmetterbälle waren mehrfach erfolgreich. "Nachdem ich zuletzt mit meinen Leistungen nicht so zufrieden war, bin ich heute zumindest nicht schlechter geworden", formulierte Trenkler selbst es bescheiden. Rottenburgs Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger sah die Leistung seines ehemaligen Schützlings noch deutlich positiver. Er wählte Trenkler zum besten Spieler der Gäste und sagte über ihn: "Philipp hat sich schön entwickelt. Es freut mich, dass er sich bei Mitteldeutschland so etabliert hat. Er bleibt für mich ein guter Freund und ein guter Spieler."

Ein schönes Geschenk

Zunächst sah es so aus, als würde sich Rottenburgs Dirk Mehlberg selbst kein Geburtstagsgeschenk machen können. Einen Tag vor der Begegnung war er 28 Jahre alt geworden, im ersten Satz wurde er beim Stand von 6:11 ausgewechselt. "Das war mir klar, ich bin ja selbst zur Auswechselbank gegangen. Ich habe am Anfang einfach schlecht gespielt", gab der Außenangreifer selbst unumwunden zu. Im dritten Satz kam Mehlberg dann wieder aufs Feld - und lief richtig heiß. Er machte mehrere wichtige Punkte, am Schluss sogar den entscheiden letzten im vierten Satz zum 25:19. "Das war das schönste Geschenk, das ich mir und der Mannschaft machen konnte", meinte Mehlberg. Seinen Anteil am Erfolg hatte die Nummer 1 der Rottenburger auch als Motivator: Immer wieder trieb er seine Teamkollegen nach vorne und sorgte für gemeinsame gute Laune nach Punkterfolgen. Ohnehin sei die Stimmung in der Mannschaft gut, sagte Mehlberg: "Auch wenn es zuletzt nicht so gut lief: Wir zerfressen uns nicht. Es ist richtig schön, dass wir heute zeigen konnten, was wir als Mannschaft können."

Gemeinsame Urlauber

Freunde auf der anderen Seite des Netzes hatte am Samstag nicht nur Philipp Trenkler. Auch Rottenburgs Niko Rukavina verbindet mit einem Mitteldeutschen eine gemeinsame Vergangenheit: Mit seinem kanadischen Landsmann Joren Zeeman spielte er einst an der Universität in Queens, über Weihnachten waren die Kumpels zehn Tage gemeinsam im Skiurlaub. "Wir haben da sehr viel über Volleyball geredet", erzählte der nach dem Sieg sehr glückliche Rukavina. "Wir wussten beide, dass wir schon bald gegeneinander spielen werden - und haben das Spiel mit großer Spannung erwartet."


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11.01.2014 : 19:30 Uhr

Volleyball Bundesliga (Herren): TV Rottenburg - CV Mitteldeutschland



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