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TAGBLATT: Der Mann am Mikro


Volleyball:Ingo Pufke - Arzt, Familienvater und Hallensprecher

Seit drei Jahren ist Ingo Pufke (45) bei Heimspielen die Stimme des TV Rottenburg. So manche Idee hat er seither umgesetzt. Auch am Sonntag (17 Uhr) beim Heimspiel in den Pre-Playoffs gegen den VC Dresden wird er das Mikrofon wieder in der Hand halten. Doch nach dieser Saison ist wohl Schluss damit.

Rottenburg.Ingo Pufke war nicht mehr zu halten. Gerade hatte Thomas Zass von Rekordmeister VfB Friedrichshafen den Matchball ins Aus geschmettert - und Rottenburg erstmals das Schwaben-Derby gewonnen. "Zum Glück war das Mikro aus, sonst hätte es ganz schön gepoltert", sagt Pufke und schmunzelt. Das war Anfang Februar 2013 - einer der Höhepunkte in den drei Jahren für Pufke als TVR-Hallensprecher.

Es war eine der wenigen Ausnahmen, in denen Pufke so impulsiv abgegangen ist. Schließlich erfordert sein Job Contenance. Darauf achtet auch die Deutsche Volleyball-Liga. Vor jeder Saison treffen sich die Hallensprecher zu einem Workshop, um Tipps und Anweisungen mitzunehmen. "Es gibt klare Richtlinien", sagt Pufke. Ironische Sprüche wie sie sich Pufkes Bühler Kollege mal erlaubte ("Leider schießt Rottenburgs René Bahlburg den Ball ins Aus!"), stehen auf den Index.

Doch die Zurückhaltung fällt Pufke nicht immer leicht. "Manchmal bitzelt es und ich würde gerne zum Schiedsrichter gehen und ihm die Meinung sagen." Doch Pufke ist sich seiner Verantwortung bewusst. "Man könnte sicher den einen oder anderen Tumult auslösen." Umso wichtiger ist für ihn, die Regeln genau zu kennen. Bei strittigen Entscheidungen kann er so beruhigend auf das Publikum einwirken. "Das nimmt das Gift ein bisschen raus."

Mit seiner Ehefrau Daniela und den vier gemeinsamen Kindern Saskia (16), Larissa (11), Elias (10) und Emma (7) geht Ingo Pufke seit Jahren zum TVR. Am Rande eines Spiels fragte ihn Rottenburgs Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger, ob Pufke sich nicht vorstellen könnte, Hallensprecher beim TVR zu werden. Pufkes Bruder ging mit Müller-Angstenberger einst zur Schule. Nach zwei Wochen sagte Pufke zu.

Manager Papenheim:

"Einer der Besten der Liga"

Erste Erfahrungen als Moderator hatte er schon bei "Al Dente" gesammelt, einer achtköpfigen Sänger-Formation, die aus den Domsingknaben hervorgegangen war. Als Sprecher setzt er auf Authentizität. "Ich versuche es, auf die schwäbische Art zu machen." Das ging allerdings auch mal schief. Pufke regte die Fans an, den Schlachtruf "Raudaburg" - also die schwäbische Version von "Rottenburg" - als Anfeuerung zu rufen. Daraufhin gab es bitterböse E-Mails. Das sei ja wie an der Fasnet, echauffierten sich einige. Vereinzelt drohten Zuschauer gar mit der Rückgabe ihrer Dauerkarte.

Die meisten anderen Vorschläge von Pufke kamen deutlich besser an. Ein Beispiel: Beim Einlaufen der TVR-Spieler ruft Pufke den Vornamen, das Publikum den Nachnamen. Oder: Anders als in den meisten Volleyball-Hallen ertönt nach einem Blockpunkt aus den Lautsprechern nicht "Mein Block", sondern "Hub-, Hub-, Hubschraubereinsatz" - und dazu kreisen Pufke und die TVR-Fans ihre Fanschals überm Kopf. Und Pufke war es auch, der den Begriff "Tollhaus der Liga" für die Paul-Horn-Arena erfand. "Ein Lob an unser Publikum", sagt Pufke.

Rottenburgs Manager Jörg Papenheim sagt über Pufke: "Er ist für mich einer der besten Hallensprecher der Liga." Papenheim beschreibt Pufke als akribischen Arbeiter. Nur zwei Heimspiele hat er in den vergangen drei Jahren verpasst.

So langsam jedoch kommt das Ende als Hallensprecher für Ingo Pufke näher. Zwei, vielleicht drei Spiele noch in den (Pre-)Playoffs. Dann war's das wohl. "Prinzipiell macht es Riesenspaß", sagt Pufke über sein Ehrenamt. "Aber es ist zu viel Stress." Viele Stunden steckt er jedes Mal in die Vorbereitung. Nicht immer bekommt er die Unterstützung, die er sich wünscht. Und als niedergelassener Arzt mit eigener Praxis in Hechingen hat er schließlich einen zeitaufwendigen Beruf mit Bereitschaftsdiensten und Hausbesuchen - und seine sechsköpfige Familie. Mit ihr wird er auch künftig die TVR-Spiele besuchen. Und bei Siegen gegen Friedri chshafen unbeschwert auf der Tribüne jubeln.

Vincent Meissner

Handballer beim Volleyball

Mit Volleyball hatte Ingo Pufke ursprünglich wenig zu tun. Er war als Handballer beim TV Rottenburg aktiv. Nur für die Schulmannschaft des Eugen-Bolz-Gymnasiums stand er mal am Netz. "Als Kanonenfutter", wie Pufke rückblickend sagt. "Die ganzen Aufschläge kamen immer auf mich. Das war nicht so prickelnd."


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16.03.2014 : 17:00 Uhr

Volleyball Bundesliga (Herren): TV Rottenburg - VC Dresden (Pre-Playoffs, Spiel 1)



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