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TAGBLATT: Wenn beide Teams feiern


Volleyball: Bundesliga-Saisonauftakt geglückt: TV Rottenburg gewinnt spannendes Match mit 3:1

Nahezu enthusiastisch gefeiert hat der TV Rottenburg vor 1750 Zuschauern seinen 3:1 (18:25, 25:18, 25:23, 25:19)-Bundesliga-Auftaktsieg gegen Aufsteiger TSV Herrsching. "Die Jungs haben das genial gemacht", sagte TVR-Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger, "ich weiß, dass ich mich auf jeden Spieler verlassen kann."

Tübingen. Es gibt Spiele, nach denen weinen die Einen und tanzen die Anderen. Oder es weint und tanzt keiner. Oder beide Mannschaften singen und tanzen. Wie am Samstag Abend gegen 21.50 Uhr in der Tübinger Paul-Horn-Halle. Die Rottenburger, weil sie gewonnen haben. Weil sie "geduldig geblieben sind und nicht auseinandergefallen", wie deren Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger sagte. Und die Herrschinger? Die freuten sich in ihrem Tanzkreis des Lebens und wohl, weil sie in Herrsching Volleyball spielen. Dem "geilsten Klub der Welt", wie sie gröhlen.

Wäre nicht ganz so abwegig gewesen, dieser Klub hätte sich auch noch über einen Sieg freuen dürfen. Wenn sie sich am Ende vielleicht "nicht so deppert angestellt" hätten, wie es TSV-Libero Sebastian Prüsener formulierte. Im ersten Satz gelang dem TVR nämlich wenig, den Hünen aus Herrsching dagegen viel. Kaum einer der TSV-Spieler hatte weniger als zwei Meter Körpergröße, so guckten diese fast schon herab auf ihre Gegner vom TVR. Die Rottenburger brachten kaum einen geschlossenen Block gegen das stete Mitte-Außen-Spiel des TSV zustande. Beim 9:13 fühlte sich Hallensprecher Ingo Pufke sogar berufen, um Entschuldigung bei den Zuschauern zu bitten: "Das ist eine komplett neue Mannschaft", sprach er, "die brauchen noch Zeit für den Block."

Der Aufsteiger gewann den Satz relativ problemlos. Was den in dieser Phase für seine Verhältnisse recht unaufgeregten Müller-Angstenberger anscheinend auch tatsächlich nicht aufregte. "Ich hätte meinen Hintern vorher verwetten können, dass das so laufen wird", sagte der TVR-Coach. Weil halt vier neue Spieler zum Einsatz kamen, "die müssen das Feeling erst bekommen, was hier abgeht".

Lange setzte sich im zweiten Satz kein Team ab. Doch schon das Blockspiel war weitaus besser beim TVR als im ersten Satz. So besorgte ein Dreierblock mit Dirk Mehlberg, Friederich Nagel und Sven Metzger die 8:5-Führung. Von nun an flutschte es beim TVR. Bei Herrsching kam fast nur noch der starke Außen und australische Nationalspieler Luke Smith effektiv durch, mit 15 Punkten auch bester Herrschinger Scorer. Rottenburg schaffte den Ausgleich.

Und hatte spätestens jetzt das Fanvolk auf seiner Seite. Zumal die folgenden Sätze noch enger wurden, der Schiedsrichter bei engen Situationen fast immer zuungunsten Rottenburgs entschied, was zumindest die Lautstärke in der Halle förderte. Nach der Rottenburger 15:13-Führung im vierten Satz musste eine Mutter gar ihren an der Seitenecke der Tribüne stehenden Bub runterholen, weil dieser entgeistert und dort doch arg gefährlich wild mit seinem TVR-Schal rumgewedelt hatte.

16:19 lag Rottenburg im dritten Satz zurück und 17:20. Dann drosch Smith, der sich insgesamt sechs Aufschlagsfehler leistete, seinen Aufschlag ins Netz. Und die TVR-Aufholjagd begann. 21:21, 21:22, 21:23, 22:23. Dann blockte Felix Isaak gegen Roy Friedrich - Ausgleich. Tom Strohbach punktet zum 24:23. Müller-Angstenberger steht auf dem Stuhl. Dirigiert die Menge. Hält beide Hände an seine Ohren. Und dreht ab, als Herrschings Daniel Malescha den Ball ins Aus haut. 2:1 für Rottenburg.

Vierter Satz. Rottenburg liegt 17:18 hinten. Schafft den Ausgleich. Dann schlägt Frederico Cipollone ein Ass - und springt Müller-Angstenberger in die Arme. Bis zum 23:18 zog Cipollone sein Aufschlagsspiel durch. Den Satz gab der TVR nicht mehr her. Und den Sieg auch nicht. "Ohne die Zuschauer hätten wir es wohl nicht geschafft", sagte Cipollone. Und fügt hinzu: "Es ist einfach geil, hier zu spielen." Irgendwie fanden alle etwas "Geiles" an diesem Abend.

Geködert beim Oktoberfest

Volleyball: Mit Herrsching und Luke Smith hat die Liga eine Attraktion bekommen

Mit dem TSV Herrsching ist ein neuer Klub im deutschen Oberhaus. Der 24-jährige Australier Luke Smith ist dabei nicht nur sportlich ein interessanter Typ. Alleine schon, wie er nach Herrsching kam, spricht für sich.

Tübingen.Irokesenschnitt, die Socken bis ans Knie gezogen, ein verschmitztes Lächeln schon beim Aufwärmen. Luke Smith musste am Samstagabend in der Tübinger Paul Horn-Arena einfach auffallen. Dass der australische Nationalspieler mit einem wuchtigen Schmetterball den ersten Punkt in der Herrschinger Bundesliga-Historie erzielte, passte ins Bild. Die Volleyball-Bundesliga ist um eine Attraktion reicher.

Dass der 24-Jährige in Herrsching beim selbst ernannten Geilsten Club der Welt (GCDW) spielt, hat eine Vorgeschichte. Smith sagte dazu: "Deutschland war auf meinem Radar ganz oben." Er sei einer, der das Leben genießen wolle und das könne er in diesem 10000-Seelen-Örtchen am Ammersee. Zuletzt spielte Smith im schwedischen Linkoping. Mit seinem Team war er dabei im letzten Jahr in München - und besuchte das Oktoberfest. "Da hat er ein paar Mädels kennengelernt", erzählte Herrschings Trainer Max Hauser. Smith bat die Damen, ihn zu einem Volleyball-Spiel in der Münchner Region zu führen. Also ging's nach Herrsching. Damals noch zweite Liga.

Smith war angetan von der Atmosphäre in der Herrschinger Nikolaushalle. Bevor er dann mit der australischen Nationalmannschaft zur WM nach Polen vor wenigen Monaten aufbrach, ging Smith den ersten Schritt. "Er hat sich bei mir gemeldet und gesagt, dass er bei uns spielen möchte", sagte Hauser. Für einen Aufsteiger eine großartige Möglichkeit. Und auch Smith sagt: "Das Umfeld, die Stadt, dass gefällt mir wunderbar hier!" Obwohl es finanziell lukrativere Ziele gegeben habe, zog es ihn ins Münchner Umland. Dort wohne er in einem Appartement, "und ich habe alles, was ich brauche".

Zumal Smith auch sportlich einiges mitbringt. Trainer Hauser sprach im Vorfeld bereits von einem "echten Hochkaräter, einem Rohdiamanten, der noch viel mehr kann" als er bisher gezeigt habe. Hauser sprach nach dem Spiel am Samstag davon, dass er mit seinen Annahmespielern nicht ganz zufrieden gewesen sei. Da war auch Smith gemeint, dessen Schmetterbälle zwar immer wieder einschlugen, der aber in der Annahme Schwächen offenbarte. Und dennoch haben sie den 24-Jährigen beim Aufsteiger schon knapp einen Monat nach seiner Verpflichtung ins Herz geschlossen. Smith ist einer, der den Clubslogan "Geilster Club der Welt" verkörpert. Einer, der in sozialen Netzwerken auch gerne Bilder von vollen Maßkrügen und anderen Dingen hineinstellt, die für Profisportler eigentlich tabu sind. "Wir nennen uns nicht nur den geilsten Club der Welt, wir sind es auch", scherzte Smith, "da passe ich hin!".

Herrschinger Fans singen in heimischer Wirtschaft

Das erste Spiel der Herrschinger Bundesliga-Geschichte war nicht nur in der Paul Horn-Arena ein stimmungsvolles. Im heimischen "Gasthof zur Post" hatten sich die Fans des Aufsteigers zum Public Viewing eingefunden. "Die Stimmung bei uns war herausragend", sagte Herrschings PR-Manager André Bugl. Auf einer Großbildleinwand hatten die Fans das Spiel geschaut, der Herrschinger Fanclub, knapp 70 Anhänger, sang ununterbrochen. "Wir machen das jetzt bei jedem Auswärtsspiel, wenn es übertragen wird", sagte Bugl. Immerhin fünf Herrschinger Fans fanden trotzdem den Weg in die Paul Horn-Arena. Herrschings Thomas Ranner, einst in Rottenburg, erklärte seinen Klub: "Bei uns geht halt vieles lockerer zu. Man kann das ein bisschen mit dem TVR vergleichen."

Angebaggert - Randnotizen zum Spiel

Ranners Rückkehr

Bis Sommer 2012 spielte Mittelblocker Thomas Ranner für den TVR. Dann riss bei einem Spiel in Friedrichshafen die Patellasehne. "Ich wusste gar nicht, ob es noch weiter geht", sagte der 27-Jährige am Samstag. Er ging erst mal in seinen Geburtsort München, kümmerte sich um das Studium und spielte bei Zweitligist ASV Dachau. "Das war vom Trainingsumfang her genau richtig, damit das Studium nicht zu kurz kam." Doch dann fragte im Sommer Max Hauser, der Herrschinger Trainer, an. Beide kennen sich schon länger. "Er hat mich gefragt, ob ich noch eine Saison in den Knochen habe", erzählte Ranner. Er hat. Und kehrte so in die Paul Horn-Arena zurück. "Das war natürlich ein tolles Erlebnis, obwohl wir verloren haben, haben wir das fürs erste Spiel nicht schlecht gemacht."

Papenheims Rückkehr

Rottenburgs ehemaliger Manager Jörg Papenheim wurde nach dem zweiten Satz ebenso wie auch der ehemalige Beiratsvorsitzende Michael Wöllermann offiziell verabschiedet. Der 40-jährige Papenheim übernahm am 1. Juli die Leitung des Volleyball-Stützpunktes des VCO Berlin und zeigte seine Verbundenheit, indem er einen TVR-Schal trug. Papenheim hatte aber auch seinen Anteil, dass der TSV Herrsching in der Horn-Arena spielte: Als der Aufsteiger Spenden sammelte, um im Oberhaus anzutreten, zückte auch Papenheim das Portemonnaie und gab 100 Euro.

Überraschende Wahl

Zum Spieler des Spiels bei Rottenburg wählte Herrschings Trainer Maximilian Hauser Zuspieler Federico Cipollone: "Das mag zwar überraschend sein", sagte Hauser, "aber er hat das Spiel zwei Mal gedreht." In der Tat: Cipollone kam später ins Spiel, spielte dann auch erst recht unglücklich, als er beispielsweise im ersten Satz bei Herrschings Matchball diesen völlig ins Leere spielte. Und danach außen immer wieder das Team anfeuerte, sich selbst emotional pushte - um am Ende, unter anderem mit einem Ass, noch entscheidend zum Sieg zu verhelfen. "Klar war ich enttäuscht, dass ich nicht von Anfang an gespielt habe", sagte Cipollone, "aber wir sind ein Team. Wir waren am Anfang nervös, ich auch - aber wir haben uns aufgerafft." Müller-Angstenberger wählte auf TSV-Seite Libero Sebastian Prüsener zum besten Spieler. Beide kennen sich seit den Allstars-Days. "Und fanden uns auf Anhieb sympathisch", sagte Prüsener.

Spende aus Haching

Das passte nicht zu den Rottenburgern: Unter den rot-weißen Trommeln der TVR-Fans auf der Gegentribüne befand sich auch eine schwarz-weiße Pauke. Grund: Die haben Fans der Hachinger, die sich aus der Bundesliga zurückgezogen haben, den Rottenburgern gespendet. Der "dritte Zugang" des Klubs nach Tom Strohbach und Philipp Jankowski. "Zwei Spieler, eine Trommel - was will man mehr?!", sagte Hallensprecher Ingo Pufke süffisant.

Gewichtsverlust

Nach dem Spiel und den Feierlichkeiten ging's auf die Waage. Rottenburgs Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger und Libero Johannes Elsäßer hatten nämlich vor der Saison gewettet: Wer von beiden würde es schaffen, an Gewicht abzunehmen? Elsäßer hatte gewettet, er schaffe es auf 81 Kilogramm runterzukommen, der Coach setzte sich 92,2 als Ziel. Resultat: Bei Elsäßer zeigte die Digitalwaage 80,9 Kilo an. Bei Müller-Angstenberger sogar 91,8. Saalwette gewonnen.


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Veranstaltung(en) zu diesem Bericht

18.10.2014 : 19:30 Uhr

Volleyball Bundesliga (Herren): TV Rottenburg - TSV Herrsching



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