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TAGBLATT: Viertes Gold für Rottenburg


Volleyball: Vor 1800 Zuschauern besiegt der TVR die SGV Lüneburg nach dem Tie-Break

Viertes Saisonspiel, vierter Sieg für den TV Rottenburg in der Volleyball-Bundesliga. "Spitzenreiter, Spitzenreiter", wie die Spieler skandierten, waren sie zumindest am Samstag. Nach einem spannenden 3:2 (17:25, 25:23, 25:16, 20:25, 15:8)-Sieg gegen die SVG Lüneburg mit fast schon traditionell schwachem Beginn.

Tübingen. Gummibärchen verteilte Dirk Mehlberg lange nach dem Spiel an alle, die ihm auf dem sich langsam leerenden Spielfeld noch in die Quere kamen. Goldbären nennen sich diese klebrigen Dinger, weshalb der Außenangreifer sie marktschreierisch mit "Gold, Gold, Gold."-Rufen an den Mann oder Frau warf.

Wieder hatte ein Spieler seiner Mannschaft, der TV Rottenburg, Gold gewonnen. Eine Goldmedaille, die immer der vom gegnerischen Trainer zum "wichtigsten Spieler" (most valuable Player) gewählte Spieler des Siegerteams erhält. Eine Anhäufung jener Gedenkprägungen ist es, was Rottenburgs Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger schon vor der Saison als großes Ziel ausgegeben hat. Da sei es ihm auch "wurstegal", wie er sagte, ob es drei Punkte oder "nur" zwei Punkte sind, wie am Samstag: "Wir sind bisher vier Mal als Sieger vom Platz gegangen - das ist es, was zählt!"

Dazu brauchte es wie in jetzt drei der vier Saisonspielen erst einmal einen schlechteren ersten Satz. 4:10, 5:11 lagen die Rottenburger hinten, kamen auf 12:13 wieder heran. Doch hernach verteidigte der TVR kaum noch die Angriffsschläge von Tijmen Laanen oder Falko Steinke. Dazu kamen Annahmefehler wie von Dirk Mehlberg zum 16:24, viele Aufschlagfehler - da passte es fast ins Bild, als Hallensprecher Ingo Puffke in der zweiten technischen Auszeit im Schnelldurchlauf fast an die 20 Kennzeichen von Autos runterratterte, welche alle wegen eines Verstoßes bitteschön wegfahren sollten.

"Der erste Satz war vielleicht zu einfach für uns", sagte Lüneburgs Diagonalspieler Falko Steinke, der zwei Jahre beim TV Rottenburg gespielt hatte. "Ich verstehe es auch nicht, warum wir so einen schlechten ersten Satz spielen", sagte Rottenburgs Mittelblocker Felix Isaak, "das nervt mich extrem, wenn wir so Sätze einfach aus der Hand geben." Erklärungsversuche hat der 25-Jährige dennoch: "Wir sind als Mannschaft noch nicht so gefestigt, denken vielleicht zu viel nach."

Ob sie das Denken danach bleiben ließen? Jedenfalls baute das Team mehr Druck auf. Und der Block funktionierte auf einmal passabel. Allen voran: Felix Isaak, der drei Mal hintereinander zum 5:1 blockte. 6:2 und 13:8 führte der TVR. Erst nach der 22:17-Führung machte er es wieder ein bisschen spannend. Auf 20:22 und 21:23 kam Lüneburg wieder heran. Es war ein fast über einminütiger Ballwechsel erfolgt, bis letztlich Falko Steinke zum 22:23 punktete. 24:23 führte Rottenburg. Bis der starke Steinke tatsächlich auch mal nicht durchkam mit seinen Angriffsschlägen und mit einem Fehler an der Antenne scheiterte.

Rottenburg schien die Wende herbeigeführt zu haben. Denn im dritten Satz lief es noch besser, die Angriffe wurden variabler, auch durch die Mitte (Isaak, Friederich Nagel) punkteten die Rottenburger öfter. Nach einem Blockpunkt durch Nagel stand's 16:7. Lüneburg kam nie mehr ernsthaft ran an den TV Rottenburg. Den Satzball donnerte Dirk Mehlberg zum 25:16 ins gegnerische Feld.

Doch im vierten Satz zog Lüneburg gleich mal davon, punktete immer wieder durch Tijmen Laane. Und durch Steinke auf der Diagonalposition. So ging's in den Tie-Break in einem "nicht guten, weil zerfahrenen Spiel", wie Rottenburgs Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger sagte. "Da waren viele Fehler im Spiel", sagte Lüneburgs Coach Stefan Hübner. Aber wenigstens: "Für die Zuschauer war's interessant."

Denn im letzten Satz blieb's auch spannend. 1:1, 2:2, 3:3, 4:4, 5:5, 6:6. Dann kam Sven Metzger zum Aufschlag. Und punktete nach einem Annahmefehler der Lüneburger. Sein nächster Aufschlag landete direkt im Feld - ein Ass! Satzwechsel, alle Rottenburger tätscheln und herzeln Sven Metzger. Ein wuchtiger Angriffsschlag von Tom Strohbach - 10:7. Nochmal Strohbach - 11:7. Alle 1800 Zuschauer (aus dem 680 Kilometer entfernten L& ; ; ; ;uum l;neburg war kein Fan mitgereist) stehen und klatschen im Rhythmus. Falko Steinke schlägt den Ball ins Aus, es steht 12:7. Auf 8:14 kommt Lüneburg nochmal heran. Dann schlägt Friederich Nagel auf, unter dem Gebrüll der Menge macht Stefan Köhler einen Annahmefehler, und der TV Rottenburg hat gewonnen. Das Spiel. Die Goldmedaille: Tom Strohbach bekam die, weil Stefan Hübner fand, der Außen habe die wichtigsten Punkte gemacht. Und die Erkenntnis: "Wir machen vieles falsch und gewinnen", wie Müller-Angstenberger sagte, "und was Schöneres gibt es nicht." Goldene Tage in Rottenburg.

Angebaggert - Randnotizen zum Spiel

Sven Metzgers Zeit

Es war bis dahin nicht das Spiel des Sven Metzger. Der Diagonalspieler war die meiste Zeit draußen, durfte immer nur für die Aufschläge ins Spiel. Und die brachte er zu Beginn auch nicht durch, so dass Metzger in der Rotation schnell wieder für Oliver Staab raus musste. Doch im Tie-Break kam sein großer Moment: Beim Stand von 6:6 holte er zwei Punkte in Serie, den letzten gar mit einem Ass. "Ich habe Sven vorher schon gesagt: 'Irgendwann kommt heute deine Zeit, in der du was reißt!'", sagte Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger. Und Sven Metzger war überglücklich. "Es ist immer schwer, von draußen reinzukommen", sagte er, "aber umso wichtiger ist es, zum richtigen Zeitpunkt da zu sein, und dem Team helfen zu können. Bei uns kann jeder zu jeder Zeit entscheidend helfen."

Sakralgelenk blockiert

Die Bedeutung der Auswechselspieler betont auch TVR-Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger stets. Und zeigt dies auch auf seine Art: In jedem Spiel begann bisher jeweils eine andere Sechs. "Der Gegner weiß nie, wie und mit wem wir spielen", sagt Müller-Angstenberger. Sven Metzger sagt dazu: "Das ist definitiv unser Prunkstück diese Saison. Und es passt bei uns menschlich auf allen Ebenen, so dass alle diese Rotation akzeptieren und damit umgehen können." Nur von einem hatte Müller-Angstenberger sich mehr erhofft, als er von der Bank kam: Zuspieler Federico Cipollone. Sonst stets adrenalinbeladen, wenn er reinkam, spielte der 20-Jährige diesmal recht verhalten, teilweise auch unglücklich. Müller-Angstenberger erfuhr später den Hauptgrund: "Sein Sakralgelenk war blockiert. Ich hatte das auch später erst erfahren. Das erklärt im Nachhinein dann einiges." Zum Sieg hat es dennoch gereicht. Müller-Angstenberger: "Das war das schwerste unserer bisher vier Spiele."

Zwei Rückkehrer

Bis vergangene Saison war René Bahlburg noch Kapitän beim TVR. Bei seiner Rückkehr durfte der Lüneburger Außenangreifer nur bis zum zweiten Satz mitspielen - danach brachte ihn Trainer Stefan Hübner nicht mehr. Einer der stärksten SGV-Spieler war dagegen der zweite Ex-Rottenburger, Falko Steinke. Der war nach der Niederlage freilich erst mal verärgert, kritisierte, dass "die Schiedsrichter auch nicht den besten Tag hatten". Um gemeinsam mit Bahlburg den Abend vollends bei den alten Bekannten in Rottenburg zu verbringen.

Sofa versteigert

Das Fan-Sofa hat seinen Dienst in der Paul-Horn-Arena getan - und steht künftig bei Uli und Christine Bertram. Für 1710 Euro bekam das Ehepaar den Zuschlag bei der Versteigerung. Der Betrag geht an die DKMS und die Typisierungsaktion für Berat Güney.

Tobias Zug


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01.11.2014 : 19:30 Uhr

Volleyball Bundesliga (Herren): TV Rottenburg - SVG Lüneburg



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