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TAGBLATT: Kein "Boah"


Volleyball: Deutscher Meister zu stark für TV Rottenburg

Erstmals hat der TV Rottenburg in dieser Bundesliga-Saison verloren. Die Überraschung gegen den Deutschen Meister Berlin Volleys ist gestern Abend ausgeblieben: Vor 2000 Zuschauern in Tübingen gewannen die Berliner mit 3:1 (25:18, 25:17, 21:25, 25:14). Gefeiert haben die TVR-Fans einen Satz, gepfiffen nach dem Spiel gegen die Berliner.

Rottenburg. Wenn sie die Euphorie mitgenommen hätten nach diesem dritten Satz. Nachdem Federico Cipollone auf Tom Strohbach zugespielt und dieser den Ball zum 25:21 und Satzsieg den Berlinern ins Feld gedonnert hatte. Minutenlang waren da die Fans schon gestanden, hatten geklatscht, gejubelt. Hatten die Mannschaft gefeiert, den Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger, der mit aufgerissenen Augen ums halbe Feld gerannt war. Dann, ja dann hätten die Rottenburger vielleicht die Überraschung schaffen können und den Deutschen Meister besiegen.

Doch sie schafften das nicht. Die für den TVR viel zu großen Berliner wuchteten im nächsten Satz die Bälle nur so übers Netz. Nach dem 0:4 bat Müller-Angstenberger schnell um eine technische Auszeit. Er habe fast befürchtet, dass es nicht so weiter ging wie zuvor: "Nach dem dritten Satz war schon zu spüren, dass wir nicht mit einem 'Boah' in den vierten reingehen", sagte er, "einige waren physisch durch." Sein Mittelblocker Felix Isaak widersprach: "Das fand ich nicht so. Aber wenn du bei den ersten drei Bällen falsche Entscheidungen triffst, dann hat das halt extreme Auswirkungen." Fraglich war in der Folgezeit jedenfalls nur noch, ob Rottenburg wenigstens zweistellig punktet. Und wer noch alles spielen durfte. Erste Antwort: ja, Zweite Antwort: am Ende alle, denn Müller-Angstenberger brachte außer Diego Ferreira auch den zweiten Libero, Johannes Elsäßer, wenn auch nur für fünf Sekunden.

Denn in dieser Zeit haute sein Mitspieler Oliver Staab den Aufschlag ins Netz, Stamm-Libero Willy Belizer kehrte zur Annahme schwups wieder zurück. Insgesamt 15 Aufschlagfehler leisteten sich die Rottenburger. Und fast immer, wenn sie dran waren an den Berlinern. So kämpften sie sich im zweiten Satz auf 6:7 heran. Dann schlug Tom Strohbach den Aufschlag ins Netz. Dirk Mehlberg punktet zum 7:8 , Berlin kontert, Rottenburg punktet wieder zum 9:7,Rottenburg punktet - Aufschlag Staab ins Netz. Friederich Nagel schafft das 8:9 - Dirk Mehlberg übertritt die Linie beim Aufschlag. "Wir mussten bei unseren Aufschlägen auch Risiko spielen", erläuterte Felix Isaak, "wenn wir den Ball nur auf Sicherheit übers Netz gespielt hätten, hätten die uns die Bälle um die Ohre gehauen." Müller-Angstenberger wechselte viel, insgesamt spielten drei verschiedene Anfangsformationen in den vier Sätzen. Im zweiten begann Zuspieler Federico Cipollone, der mit variablem und überraschendem Spiel überzeugte. Doch das für Rottenburg beste Mittel lieferte eher Berlins Trainer Mark Lebedew, wenn er wie geschehen beispielsweise den starken Mittelblocker Rob Bontje mal länger draußen ließ. Was der TV Rottenburg vor allem im dritten Satz dann ausnutzte.

"Danach haben wir einen Restart gemacht", sagte Berlins Sportdirektor Roko Sikiric. Und holten sich am Ende doch noch souverän den Sieg. Fast schon bezeichnend der Matchball: Rottenburgs Philipp Jankowski hatte Aufschlag - und schlug diesen weit ins Aus. "Wir hatten im vierten Satz viele Annahmeprobleme, das ging durch die ganze Reihe", sagte Müller-Angstenberger, der Berlins US-amerikanischen Außenangreifer Scott Touzinsky hervorhob: "Der hat für mich den vierten Satz alleine gewonnen. Da merkt man, dass er dieses Olympiasieger-Gen hat." Die Rottenburger haben gestern Abend erstmals in dieser Saison das Gefühl des Nichtsiegens kennengelernt. "Da brauchen wir uns jetzt aber keinen Kopf zu machen", sagte Müller-Angstenberger. "Berlin spielt halt schon auf einer anderen Etage als wir", sagte Felix Isaak.

Tobias Zug

Berlins Sportdirektor: "Publikum wurde manipuliert"

Stolz machte Rottenburgs Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger, wie gewissenhaft und konzentriert der Deutsche Meister aus Berlin sich auf das Spiel gegen seinen TVR vorbereitet hatte. "Der Trainer hatte am Montag seinen Spielern sogar Ausgangssperre erteilt, Spieler wurden geschont - dass wir so im Fokus stehen, spricht für uns", sagte Müller-Angstenberger. Es sei eben immer schwer, in Tübingen gegen den TV Rottenburg zu spielen, sagte Berlins Sportdirektor Roko Sikiric: "Ihr Trainer mobilisiert immer die Fans, es ist immer große Stimmung hier." Die Pfiffe gegen sein Team (siehe Artikel "Berliner Mauer") erbosten Sikiric aber: "Wir haben fair gewonnen. Dass der Hallensprecher aber so das Publikum manipuliert, das ist nicht fair!"

Die Berliner Mauer

Die Berliner Mauer ist gefallen - nur nicht im Volleyball. Am Bollwerk der Hauptstädter mit zehn Zweimeter-Männern im Kader kam der TV Rottenburg gestern nicht vorbei.

Tübingen.Rob Bontje ist früh ergraut. Doch der 120fache niederländische Nationalspieler beeindruckte gestern in der Paul-Horn-Arena nicht deswegen, sondern mit seiner unglaublichen Reichweite. Wenn der 2,06 Meter große Mittelblocker seine Arme ausfährt, agiert er locker einen Meter über den 2,43 Meter Netzhöhe. Da wird die Luft dünn - auch für die Rottenburger Volleyballer. Lars Wilmsen, der längste Spieler im TVR-Trikot, misst 2,03 Meter, Felix Isaak und Friderich Nagel bringen es jeweils auf zwei Meter. Auf der anderen Seite des Netzes tummelten sich dagegen fast ausschließlich Zweimetermänner: Zehn Berliner messen 2,00 Meter oder mehr.

Da hat der Trainer die Qual der Wahl: Christian Dünnes beispielsweise, immerhin 60facher Nationalspieler, kam gestern überhaupt nicht zum Einsatz. Berlins Coach Mark Lebedew schonte auch den Slowaken Tomas Kmet und seinen etatmäßigen Libero Martin Krystof. Lebedew glaubt ans Rotationsprinzip, zumal sein Team auf drei Hochzeiten tanzen muss: "Wir haben in Champions League, Pokal und Bundesliga zur Zeit fast immer zwei Spiele in der Woche - da ist es wichtig, dass wir unser Team verändern können, ohne dass man einen Qualitätsverlust erkennt." Den hatte auch Daniel Mey nicht gesehen. Den TVR-Manager freute, "dass wir zumindest phasenweise auf Augenhöhe gespielt haben." Denn das will schon etwas heißen gegen dieses Berliner Ensemble.hdl

Eklat nach dem Spiel

Pfeifkonzert nach der Partie, ein verärgerter Berliner Trainer, Diskussionen am Spielfeldrand - was war da los nach einer fairen Begegnung? Berlins Trainer Mark Lebedew hatte sich geweigert, Fragen zur Wahl des Wertvollsten Spielers zu beantworten. Er habe schon vor dem Spiel betont, kein Interview zu geben, sagte der 47-Jährige Australier und war sauer auf den Hallensprecher: "Es ist ein total unfaires Verhalten, mich vor 2000 Zuschauern zu beleidigen." Rottenburgs Manager Daniel Mey war bemüht, die Stimmung zu beruhigen: "Das war ein Missverständnis, wir haben es geklärt - und schon abgesprochen, dass es nächstes Jahr ein Interview gibt."

Fast ausverkauft

Die Stimmung in der Paul-Horn-Arena war trotz der ersten Saison-Niederlage des TVR prächtig. "Die Zuschauer haben absoluten Spitzensport gesehen", sagte Rottenburgs Manager Daniel Mey. Er freute sich über "rund 2000 Zuschauer" und versprach, dass die Hütte noch voller wird: "Ein paar Plätze waren noch frei, die wollen wir auch noch wegbekommen."

Werbung für Berlin

Vor der Halle hatte die Frau auf ihrem Rad und der großen Litfass-Säule auf dem Gepäckträger noch Probleme, einen Weg durch die parkenden Autos zu finden. Sie gehörte einer Agentur an, die gestern in Tübingen Werbung für Berlin machte. Die "visitBerlin-Herbsttour" informierte mit einem mobilen Stand über geschickte Bahntickets in der Hauptstadt und sonstige günstige Gelegenheiten wie Rabatte bei touristischen Partnern. In diesem Sinne: Schwaben, auf nach Berlin - Schrippen statt Weckle.!


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Veranstaltung(en) zu diesem Bericht

26.11.2014 : 19:30 Uhr

Volleyball Bundesliga (Herren): TV Rottenburg - BERLIN RECYCLING Volleys



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