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TAGBLATT: Es siegt nur die Ratlosigkeit


Volleyball: TV Rottenburg verliert Bundesliga-Derby gegen Angstgegner TV Bühl klar mit 0:3

"Das war unser schlechtestes Heimspiel der Saison", urteilte TVR-Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger. Und in der Tat: Außer im zweiten Satz hat der TV Rottenburg die 2100 Zuschauer in der Paul Horn-Arena kaum verwöhnt - in jenem Satz gerieten die Schiedsrichter in den Mittelpunkt. Für Rottenburg geht mit der 0:3 (21:25, 23:25, 13:25)-Derbyniederlage eine schlechte Serie weiter.

Tübingen.Hans Peter Müller-Angstenberger musste überlegen. Der Trainer des TV Rottenburg suchte nach Worten. Warum es seinem Team erneut nicht gelungen ist, gegen den badischen Rivalen TV Bühl etwas Zählbares zu erringen. "Ich bin ein wenig ratlos", sagte der Coach. Seit der TVR am 28. November 2012 mit 3:1 im Pokal gegen Bühl gewann, hat Rottenburg nicht einmal mehr einen Satz gegen den badischen Widersacher gewonnen. "Weil wir einfach gut waren", sagte Bühls Trainer Ruben Wolochin nach dem 3:0 seines Teams vom Samstag.

Bühl erwischte dabei den besseren Start und profitierte von einigen Leichtsinnsfehlern des TVR. Sinnbildlich war bereits das 0:2, als Diego Ferreira einen harmlosen Ball nicht annahm. Auch wenn Rottenburg kämpfte, bis zum 19:19 seinen Rückstand gar kompensiert hatte - es half nichts: Der kongolesische Mittelblocker Magloire Mayaula verwertete den ersten Bühler Satzball zum 21:25 aus TVR-Sicht.

Doch Rottenburg drehte die Partie. Im zweiten Durchgang diktierte der TVR das Geschehen, jetzt unterliefen Bühl die leichten Fehler. Aus einem 9:8-Vorsprung schaffte sich Rottenburg ein komfortables 20:13-Polster. Fast alle der 2100 lautstarken Zuschauer sehnten den ersten Satzgewinn seit mehr als zwei Jahren gegen die Bühler herbei. Dass es diesen nicht gab, hatte zwei Gründe. Der eine: Paul Buchegger, Bühls 18-jähriger Österreicher. "Er war überragend, auch in den spielentscheidenden Situationen", musste Müller-Angstenberger anerkennen: "Ihn haben wir einfach nicht in den Griff bekommen." Doch da war auch noch der zweite Grund: die Schiedsrichter. Die pfiffen bei drei strittigen Entscheidungen zum Satzende drei Mal zu Ungunsten des TVR. Müller-Angstenberger betonte mehrmals, dass sein Team das Spiel zwar nicht wegen der Schiedsrichter verloren habe, "aber dass sie uns im zweiten Satz gekillt haben, steht außer Frage." Mit 23:25 ging der verloren.

Die Moral war in der Folge dahin - Bühl hatte leichtes Spiel und Paul Buchegger die Bühne. Gemeinsam mit Richard Mauler schmetterte er in Durchgang drei um die Wette. Immer wieder schlug es im Rottenburger Feld ein. Der TVR ergab sich dann auch seinem Schicksal - der deutliche 13:25-Satzendstand spiegelt dies wider. "Wir waren in allen Belangen überlegen", sagte Buchegger, der zum besten Bühler Spieler gekürt wurde. Mit intensiven Videostudien habe Trainer Wolochin den TVB auf die Aufgabe in Tübingen vorbereitet: "Wir wussten, was uns erwartet", erklärte Buchegger.

Die Bühler haben ihren Schlüssel für die Partien gegen den TV Rottenburg gefunden. Und sie scheinen immer wieder auch verloren geglaubte Sätze noch zu drehen. Bereits bei der 0:3-Pokalniederlage in Bühl in dieser Saison verspielte der TVR einen 19:11-Satzvorsprung. "Irgendetwas passiert dann bei den Bühlern immer", erklärte Müller-Angstenberger und suchte mit Blick zur Decke nach der Antwort: "Wenn ich nur wüsste, was." Am Samstag jedenfalls beeindruckte Bühl mit einer stabilen Annahme. "Wir haben wirklich sehr, sehr wenig zugelassen", erklärte Buchegger.

Als Dank für die etwa 60 mitgereisten Fans posierte die komplette Bühler Mannschaft vor diesen zum Gruppenbild. Und stieg dann mit der Erkenntnis in den Bus, dass 3:0-Siege gegen den TV Rottenburg seit jenem November 2012 wie selbstverständlich geworden sind.

moritz hagemann

Nur der Nagel weg: Entwarnung bei Tom Strohbach

Tom Strohbach war für Bühls Trainer Ruben Wolochin der beste Rottenburger. Dabei spielte Strohbach nur bis 23:24 aus TVR-Sicht im zweiten Satz. Dann knickte am linken Daumen beim 22-Jährigen der Nagel weg - es blutete. Strohbach verschwand in der Kabine, kam aber nur kurze Zeit später zurück. "Tape drauf", sagte er, "dann kann ich morgen schon wieder trainieren." Das war noch die beste Erkenntnis an einem bitteren Abend für den TVR und seine Anhänger. Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger appellierte an die Fans: "Ich hoffe, ihr alle entschuldigt das!" Das Publikum applaudierte - den TVR schockt so schnell nichts.

Drei Entscheidungen bis zum Frust
Volleyball: Schiedsrichter Jörg Kellermann sorgt für Unmut bei TVR-Fans und -Team

Pfiffe von den Rängen. Erboste Rottenburger Spieler und Trainer gegen Ende des zweiten Satzes. Mit drei umstrittenen Entscheidungen fast in Serie sorgte Schiedsrichter Jörg Kellermann für einen prompten Wechsel von Fasnets-Stimmung zu Frust-Atmosphäre in der Paul-Horn-Halle.

Tobias Zug

Tübingen. Weil sportdeutschland.tv das Spiel live und mit viel Aufwand (drei Kameras, Kommentator) auf seiner Internetseite übertrug, hatten die Rottenburger nicht mal die Gelegenheit, in der Kabine ihren Frust zu entladen und ihren Kopf zu kühlen. Denn die sonstige Zehn-Minuten-Pause nach dem zweiten Satz entfiel; der Internet-Sportsender weiß nicht, wie er die Pause überbrücken soll. Deshalb ballerten die Spieler noch drei Minuten rum, regten sich auf, dann ging's schon wieder weiter. "Klar hätte uns die Pause vielleicht gut getan", sagte Rottenburgs Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger, "aber es ist halt so. Fernsehen ist da, das Spiel wird übertragen - ist doch prima!"

Doch seine Mannschaft war nach den Ereignissen zuvor so entnervt, dass sie den dritten Satz fast schon demotiviert und willenlos über sich hergehen ließ. "Schuld" daran war Schiedsrichter Jörg Kellermann. Erst sah er beim Stand von 22:21 für den TVR Rottenburgs Diego Ferreira Guardiano in des Gegners Hälfte stehen. Beim nächsten Ballwechsel drückte Rottenburgs Tom Strohbach den Ball übers Netz - nach Kellermanns Ansicht hatte dieser den Ball geführt; technischer Fehler, Punkt für Bühl. Etwa 2000 Zuschauer pfeifen, buhen oder murren. Rottenburgs Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger wirft seine Jacke weg. 23:22 für Bühl. "Das ist der einzige technische Fehler im gesamten Spiel, den er gepfiffen hat", schimpfte Müller-Angstenberger später, "wenn er das pfeift, dann muss er bei Bühl noch zig andere solche Szenen ahnden!"

Felix Isaak glich aus für Rottenburg. Bühls Paul Buchegger punktete zum Satzball. Dann musste Rottenburgs Tom Strohbach verletzt raus. Bühls Fans johlen - weshalb ihnen TVR-Zuspieler Federico Cipollone später höhnisch applaudierte. "Da verletzt sich einer, und die klatschen - das macht man nicht!", sagte Cipollone.

Mut kann Schiedsrichter Jörg Kellermann jedenfalls nicht abgesprochen werden: In dieser aufgeheizten Atmosphäre unterbricht er das Spiel, während Bühls Paul Buchegger im Netz hängt - mit einiger Verzögerung entscheidet Kellermann auf einmal auf Doppelfehler: kein Punkt für beide, Aufschlagswiederholung. Und Bühl verwandelt den Matchball.

Befragt nach seiner Doppelfehler-Entscheidung, war Kellermann erst wortkarg und abweisend. Und verwies dann auf den zweiten Schiedsrichter Martin Tischhäuser: "Er hatte zu früh abgepfiffen", sagte Kellermann, "und deshalb habe ich auf Doppelfehler entschieden - was richtig war! Ich habe die Entscheidung von ihm übernommen." Buchegger verwies darauf, dass er im Netz hing, aber das Feld nicht verbotenerweise übertreten habe.

Rottenburgs Spieler, Trainer und Fans waren jedenfalls aufgebracht. In der Pause zeigte Kellermann Rottenburgs Coach Hans Peter Müller-Angstenberger noch die gelbe Karte. Was diesen vollends erregte: "Ich habe kein Problem mit Schiedsrichtern, wenn sie nach Fehlentscheidungen demütig sind", sagte Müller-Angstenberger, "aber mir Minuten später noch die gelbe Karte zu geben, um zu sagen, dir zeig ich's - da geht man mit den eigenen Fehlern nicht demütig um!"

TVR-Geschäftsführer Norbert Vollmer erinnerte sich schon während der Partie an ein Spiel der zweiten Mannschaft, bei der Kellermann als Schiedsrichter ebenfalls recht umstrittene Entscheidungen zuungunsten der Rottenburger getroffen habe. Aber, auch wenn es für den Mann jetzt ganz arg schwer werden wird, die Ehrenbürgerschaft von Rottenburg zu erlangen: Alleinige Schuld an der TVR-Niederlage hatte Kellermann nicht. Sagte Müller-Angstenberger. Sagte Bühls Trainer Ruben Wolochin. Sagten wohl alle.

Tiger und Blasmusik

Rottenburg als katholische Fasnetshochburg transportierte am Samstag den närrischen Frohsinn ins protestantische Tübingen: Auf der Gegentribüne musizierte die Blaskapelle "LGZ". Und zur kurzen Pause nach dem zweiten Satz zog sich Hallensprecher Ingo Puffke schnell als "Cindy von Marzahn" um. Per Applaus kürte er einen Vater und seine beiden Kinder zu den schönsten Kostümträgern des Abends, die als Tiger verkleidet kamen.

Kein Unterschied

Bühls Magloire Mayaula Nzeza ist der einzige Volleyball-Bundesligaspieler aus der Demokratischen Republik Kongo. Deutsch spricht der 21-jährige Mittelblocker nicht. Sein französisch sprechender Mitspieler Kristen Cléro übersetzt für ihn. Ob Nzeza schon was von der Rivalität zwischen Baden und Württemberg wusste. "Baden?" fragte Bühls Kongolese irritiert. Nein, wusste er nicht. "Für mich macht's keinen Unterschied, gegen wen wir spielen - ich will immer gewinnen." Aber während des Spiels habe er schon gemerkt, dass es was Besonderes sei. "Das war schon eine sehr tolle Atmosphäre!"


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07.02.2015 : 18:00 Uhr

Volleyball Bundesliga (Herren): TV Rottenburg - TV Ingersoll Bühl



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