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TAGBLATT: Gepatzt, gebangt, geschafft!


Volleyball: TV Rottenburg biegt Partie gegen CV Mitteldeutschland um - und ist in den Playoffs
Die direkte Playoff-Qualifikation war eigentlich abgeschrieben: Vor 2100 Zuschauern lag der TV Rottenburg am Samstagabend gegen den CV Mitteldeutschland bereits mit 0:2-Sätzen zurück. Doch mit dem Rücken zur Wand drehte der TVR auf und feierte einen 3:2-Sieg für Platz sechs.

Tübingen. Hans Peter Müller-Angstenberger ging demonstrativ in die Knie. Seine Spieler lagen sich in den Armen und herzten ihren Coach. Szenen, die sich normalerweise nach wichtigen Siegen abspielen. Oder, wenn man ein großes Ziel erreicht hat. So wie der TV Rottenburg am Samstagabend, als der vierte Satz gewonnen und der nötige Punktgewinn für die Playoff-Qualifikation besiegelt war.

Dass es noch so weit kam, damit hatte in der Paul-Horn-Arena schon fast niemand mehr gerechnet. Der Tabellenneunte vom CV Mitteldeutschland aus Spergau spielte in den ersten beiden Sätzen frech auf und profitierte von vielen leichten Fehlern des TVR. Alleine sechs Punkte schenkten die Rottenburger im ersten Durchgang durch direkte Aufschlagfehler her. Mitteldeutschland führte den gesamten Satz - zwar knapp, aber es reichte für das 21:25 aus TVR-Sicht.

Dann schien Rottenburg das Spiel besser in den Griff zu bekommen. Der TVR setzte sich im zweiten Abschnitt zwar früh mit 6:3 ab, doch Mitteldeutschland kam schnell zurück. Immer wieder stand es Unentschieden - bis zum 23:23. Dann konnte Dirk Mehlberg einen Aufschlag von Jan Król, später zu Mitteldeutschlands bestem Spieler gekürt, nicht annehmen. Als im nächsten Ballwechsel Oliver Staab in Mitteldeutschlands Spielhälfte trat, war der Satz mit 23:25 verloren. Und die Rottenburger Mannschaft kurz davor, ihr großes Saisonziel zu verspielen.

"Doch dann ging ein richtiger Ruck durch die Mannschaft", sagte TVR-Mittelblocker Friederich Nagel. Trainer Müller-Angstenberger hatte seinem Team gesagt, dass die Taktik jetzt nicht mehr zähle und sie spielen sollen, als sei es eine Trainingseinheit. In der Folge machte Mitteldeutschland die Fehler und hatte sichtlich Probleme in der Annahme. Im dritten Satz erspielte sich Rottenburg schnell eine komfortable Führung (5:2, 16:7, 24:14) und gab diese bis zum 25:16-Satzgewinn nicht mehr her. "Wir haben einfach aufgehört Volleyball zu spielen", sagte Phillip Trenkler, der Ex-Rottenburger in Mitteldeutschlands Reihen. "Wenn ich zwei Sätze so dominant spiele", erklärte auch ein angefressener CV-Trainer Ulf Quell, "dann darf ich nicht so einbrechen."

Der TVR ließ sich in der Phase vom Gefühl beflügeln, mit dem 2:2-Satzausausgleich die direkte Playoff-Qualifikation geschafft zu haben. "Ich habe mich von außen zurückgehalten", sagte Müller-Angstenberger, "weil ich wusste, dass die Mannschaft das jetzt macht." Und das tat sie: Strohbach eröffnete Durchgang vier mit einem Ass und der Verlauf glich dem des dritten Satzes. Der TVR dominierte nach Belieben, das klare 25:15 drückt dies aus.

Der letzte Satz war nur noch für die Zuschauer. "Aber dafür, dass es eigentlich um nichts mehr ging", fand Mehlberg, "war das Niveau noch sehr gut." Bis zur Rottenburger 12:10-Führung waren die Spergauer zumindest in Reichweite, doch ein Angriffsball von Mehlberg, ein Fehler von Trenkler und ein Block von Kapitän Philipp Jankowski besiegelten das 15:10. Jankowski, so CV-Trainer Quell, "hat seine Angreifer so eingesetzt, dass wir sie nicht kontrollieren konnten". Deshalb wählte der den TVR-Zuspieler zum besten Rottenburger, die den elften Sieg im 20. und letzten Spiel der Hauptrunde feierten.


moritz hagemann

Müller-Angstenberger: ein Sieg des Kopfes

"Wir haben nicht nur gegen Mitteldeutschland gespielt", sagte Rottenburgs Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger nach dem Spiel und begann, die weiteren Gegner des TVR aufzuzählen: die hohe Erwartungserhaltung, die eigenen Ambitionen und das große Saisonziel.

In wenigen Sportarten sei der mentale Bereich so entscheidend wie beim Volleyball, wenn sich die Gegenspieler am Netz in die Augen blicken. "Und wenn zwei Teams so ausgeglichen spielen", sagte der Coach, "dann entsc heidet der Kopf." So wie am vergangenen Samstag: Sein Team sei nach dem 0:2-Satzrückstand eigentlich schon raus gewesen, "aber genau das hat uns frei und stark gemacht."


Rückkehr nach Hause

Phillip Trenkler suchte nach Spielende erst einmal den Weg auf die Tribüne. Seine Freundin saß dort - und bekam ein Küsschen. Spiele in Tübingen sind für Trenkler die Rückkehr in die Heimat. Der 21-Jährige ist ein Eigengewächs des TV Rottenburg, spielte bis 2011 und nochmals kurz 2013 für den TVR. Und hätte diesem am Samstag fast ein Bein gestellt, denn im zweiten Satz war Trenkler der beste Mann beim CV Mitteldeutschland. Am Ende kam er auf zwölf Punkte. "Es ist jedes Mal ein Erlebnis hier zu spielen", sagte Trenkler, der erst am heutigen Montag die Rückreise nach Sachsen-Anhalt antreten wird. Seine eigene Leistung sah Trenkler am Samstag wie die seines Teams: "Zwei Sätze haben wir sehr gut gespielt. Und danach war's gar nichts mehr." In den Pre-Playoffs trifft Mitteldeutschland auf den TSV Herrsching.

War es Schiebung?

Es hat Tradition beim TV Rottenburg, dass die jeweils besten Spieler jeder Mannschaft einen Sieger des Gewinnspieles ziehen. Und dann stand da also Mitteldeutschlands Jan Król und sollte einen Glücklichen herauspicken. Doch als der Pole den Zettel an Hallensprecher Ingo Puffke übergab, sagte der erst einmal: "Ich weiß gar nicht, ob ich das wirklich vorlesen will." Puffkes Sohn Elias hatte gewonnen. "Das riecht schon nach Schiebung", scherzte TVR-Eventmanager Philipp Vollmer. Tatsächlich lief aber alles mit rechten Dingen ab. Und Puffke junior darf sich auf einen Kochkurs mit der Rottenburger Mannschaft freuen.

Kaum Kenntnis

Das Parallelspiel zwischen den Netzhoppers KW-Bestensee und dem TSV Herrsching wurde am Samstagabend wichtiger als gedacht. Es lief gerade der zweite Satz in der Paul-Horn-Arena, als Hallensprecher Ingo Puffke die 1:0-Satzführung der Netzhoppers verkündete - um anschließend zu verstummen. Erst als Rottenburg in der eigenen Partie zum 2:2-Satzausgleich kam, ließ Puffke verlauten, dass die Netzhoppers mit 3:0 gewonnen haben - da war der TVR aus eigener Kraft schon für die Playoffs qualifiziert. "Ich wusste nie, wie es im anderen Spiel steht", sagte Rottenburgs Dirk Mehlberg. Auf der Tribüne glühten die Smartphones. Gerade als Satz vier in der Paul-Horn-Arena begann, hatten die Netzhoppers ihr Spiel mit 3:0 gewonnen.

Spätes Geschenk

TVR-Manager Daniel Mey feierte unter der Woche seinen 40. Geburtstag. Neben einem Applaus vom Publikum bekam der Nachfolger von Jörg Papenheim zum Ende seiner ersten Hauptrunde als Manager nochmals einen Krimi zu sehen. "Die Mannschaft hat das Spiel in einer beeindruckenden Art und Weise noch gedreht", freute er sich. Natürlich könne er sich von der Mannschaft kein schöneres Geschenk vorstellen, als die nun geschaffte Direktqualifikation für die Bundesliga-Endrunde. "Dafür muss ich allen ein großes Kompliment aussprechen", sagte Mey.


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21.02.2015 : 19:30 Uhr

Volleyball Bundesliga (Herren): TV Rottenburg - CV Mitteldeutschland



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