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TAGBLATT: Nur mithalten reicht nicht


Volleyball: Erneute 0:3-Niederlage gegen Düren bedeutet Saisonaus für den TV Rottenburg
Wieder hat der TV Rottenburg zwei Sätze mit den SWD powervolleys Düren mitgehalten. Doch vor 2600 Zuschauern in der ausverkauften Paul-Horn-Arena bekam der TVR auch in Spiel zwei des Playoffs-Viertelfinals die Effizienz eines Spitzenteams aufgezeigt. Am Ende feierten die TVR-Fans aber trotz der 0:3 (24:26, 21:25, 19:25)-Niederlage.

Tübingen.Für einen Moment hatten die 20 mitgereisten Fans aus Düren die Oberhand in der Paul-Horn-Arena übernommen. Es lief der dritte Satz, ihr Team führte 12:7, als sie skandierten: "Jetzt geht's los" - es war der Zeitpunkt, als es für den TVR endgültig zu Ende ging.

Wie auch in Spiel eins der Playoff-Serie war der Unterschied zwischen beiden Teams in zwei Sätzen nur minimal. Doch immer, wenn es in die entscheidende Phase eines Satzes ging, wirkte Düren abgeklärter, schlicht besser. "Wir wussten, dass der Druck bei Rottenburg liegt, das spielt dann eine Rolle", sagte Düren Sebastian Gevert. Der chilenische Nationalspieler war nicht nur ob seiner 14 Punkte am Samstag der Mann der Serie. Der 26-Jährige war es auch, der Düren beim 24:23 im ersten Satz die erste Führung nach langer Zeit einbrachte. Der TVR war zwischenzeitlich bereits auf 15:12 und später 19:16 davongezogen. Als ausgerechnet TVR-Topscorer Tom Strohbach zwei Fehler unterliefen, ging Satz eins mit 26:24 an Düren.

TVR bringt Führung nicht ins Ziel - Moral ist weg

Ein ähnliches Bild bot sich dem lautstarken Publikum in Durchgang zwei. Rottenburg kontrollierte über weite Strecken den Satz (4:1, 14:12, 18:16), doch je näher es den entscheidenden Szenen ging, desto mehr häuften sich die Fehler beim TVR. Bis zum 20:20 herrschte Gleichstand. "Aber wir haben es nicht geschafft, die wichtigen Punkte zu machen", sagte TVR-Kapitän Philipp Jankowski. Der machte auch die Unfahrenheit dafür verantwortlich. Es sei gegen Topteams halt selten so eng. Zum Ende des zweiten Satzes hatte Sven Metzger zunächst ins Aus geschlagen, ehe Dirk Mehlberg im Netz hängen blieb. 0:2 - der TVR hätte nun ein Wunder fürs Halbfinale gebraucht.

Doch der klare Rückstand war spürbar die Entscheidung. "Da war ihre Moral gebrochen", fand auch Dürens Trainer Michael Mücke. Und tatsächlich: Es sollte der einzige Satz am Samstagabend werden, der auch wirklich nur einen Sieger verdient hatte. Das Publikum trieb zwar weiter an, doch Düren dominierte - und profitierte auch davon, dass der TVR im dritten Satz nur 22 Prozent seiner Angriffe in Punkte ummünzte. Auf der anderen Seite verwertete Düren mehr als die Hälfte seiner Möglichkeiten.

Besonders in langen Ballwechseln machte sich der Qualitätsunterschied beider Teams bemerkbar. Während der TVR immer wieder auf die schnellen Punkte ging, spielte Düren geduldiger. Zu lernen, "in schweren Situationen einfach cleverer zu sein", urteilte TVR-Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger, sei eine wichtige Erkenntnis, die vom klaren Playoff-Aus geblieben ist. Dürens Gevert hatte neben dem Druck des TVR eine zweite Erklärung für den zweiten 3:0-Erfolg seines Teams: "Wir wollten einfach gewinnen, wollten das unbedingt klarmachen." Der Druck, so Gevert, spiegle sich in den zwölf Aufschlagfehlern des TVR wider. "Mit den Aufschlägen wollten sie uns Probleme machen", sagte der Chilene, "aber das hat nicht funktioniert."

Dürens Fans wussten jedenfalls, warum sie den Weg nach Tübingen auf sich genommen haben. Ihre Mannschaft steht erstmals seit der Saison 2010/11 wieder im Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft. Das hat der TVR noch nie geschafft. "Wir sind noch nicht soweit, das mussten wir feststellen", sagte TVR-Trainer Müller-Angstenberger ob der Dürener Überlegenheit. Und gab den Zuschauern zum Saisonende ein Versprechen mit nach Hause: "Aber wir werden soweit sein!".

moritz hagemann

 

Wilmsen fehlt krank, Zugang Schippmann debütiert

Lars Wilmsen saß mit einer Trainingsjacke in der Paul-Horn-Arena. Der 21-jährige Mittelblocker war die komplette letzte Woche von einem grippalen Infekt geplagt und hatte kurz vor dem Spiel sogar noch Fieber. Ein Einsatz war nicht möglich. Dafür bekam Timon Schippmann seinen ersten Auftritt im TVR-Trikot - wenn auch nur für einen Aufschlag. Ob Schippmann auch in der nächsten Saison eine Option ist, ließ er selbst offen und schmunzelte: "Ich weiß ja gar nicht, ob Rottenburg daran interessiert ist." TVR-Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger lobte den 19-jährigen Junioren-Nationalspieler für seine Trainingsleistungen. Schippmann sei unter der Woche zwei Mal der Mann mit der besten Angriffsquote im TVR-Training gewesen.

 

Renate Riek als Stargast

Eine prominente "Patin" hatten die zu den jeweils besten Spieler ihres Teams gewählten Sven Metzger (TV Rottenburg) und Sebastián Gevert (TV Düren): Deutschlands Rekord-Nationalspielerin Renate Riek stand mit TVR-Schal da, posierte mit den Beiden und zog das Los mit dem Sieger des Gewinnspiels. Weitere prominente Gäste waren unter den 2600 Zuschauern bei einem erstmals seit dem Pokal-Halbfinale 2012 gegen Moers ausverkauften Heimspiel des TVR: unter anderem die Oberbürgermeister Stephan Neher (Rottenburg) und Boris Palmer (Tübingen) sowie Landessportbund-Präsident und Rottenburgs Ex-Oberbürgermeister Klaus Tappeser.

Zwischen Liebe und Hass

Ein wenig musste er schon lachen. Sebastian Gevert als er über die Stimmung in der Paul-Horn-Arena plaudern sollte. Er liebe es hier zu spielen, sagte der Chilene, "das Publikum ist fantastisch", um etwas scherzhaft nachzuschieben: "But I hate the caller" - er hasse also Rottenburgs Hallensprecher Ingo Puffke. Der beste Mann der Playoff-Serie hatte jedoch auch eine Erklärung für diese Aussage parat: "Er ist anders als die Sprecher in anderen Hallen", sagte Gevert. Puffke pusht das Publikum beinahe vor jedem Ballwechsel aufs Neue. "Das ist manchmal für uns schon unangenehm", erklärte Gevert.

Dank und Lob an Fans

Das Saisonende kam für den TV Rottenburg vielleicht nicht erhofft, aber zumindest auch nicht unerwartet: Sofort nach Spielschluss verteilte Pressechef Philipp Vollmer rote T-Shirts an alle Spieler, Trainer und Betreuer mit der Aufschrift "Die RottenBURG steht". Mit einem Transparent bedankte sich das Team bei den Fans. Vor der Halle drückte eine örtliche Brauerei jedem, der erwachsen aussah, eine Flasche Bier in die Hand. Auch Dürens Trainer Michael Mücke, der interessiert die Flasche betrachtete und daraufhin mit den exakt 24 mitgereisten Dürener Fans, wie einer berichtete, auf den Halbfinaleinzug anstoß. TVR-Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger zeigte sich kurz nach dem Spiel angetan von den Fans: "Zeigt mir das Publikum in Deutschland, dass bei einem 0:2 noch so dabei ist und mitgeht. Zeigt mir das!" Und Mücke zeigte dabei schmunzelnd auf den Dürener Fanblock.


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Veranstaltung(en) zu diesem Bericht

21.03.2015 : 19:30 Uhr

Volleyball Bundesliga (Herren): TV Rottenburg - SWD powervolleys Düren Playoff Viertelfinale 2. Spiel



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