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TAGBLATT: Rottenburg statt Rio


Volleyball: Rottenburgs Tom Strohbach zwischen Nationalteam-Enttäuschung und Bundesliga-Alltag.


Der 23-jährige Tom Strohbach hat gerade die größte Niederlage seiner bisher noch jungen Volleyball-Karriere erlebt. Er verpasste mit der deutschen Nationalmannschaft die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro. Und ist entsprechend geknickt vor dem Bundesliga-Spiel seines TV Rottenburg in Friedrichshafen (Samstag, 19.30 Uhr).

Rottenburg. Verarbeitet? Hat er das Ganze noch nicht. Den Frust, den Ärger, die Enttäuschung. "Wenn man vier Jahre lang von nichts anderes redet", sagt Tom Strohbach, "dann ist das für einen Sportler die größte Enttäuschung, bei diesen Olympischen Spielen nicht dabei zu sein." Noch dazu nach solch einem dramatischen entscheidenden Spiel um Platz 3 gegen Polen, das der Außenangreifer des TV Rottenburg mit der deutschen Nationalmannschaft trotz eines Matchballs zum 3:1 gegen Polen noch verloren hatte.

Strohbach stand bei diesem Qualifikationsturnier zwar nie in der Startformation, kam aber zu seinen Einsätzen, spielte unter anderem beim Vorrunden-Sieg gegen Polen länger. "Für mich persönlich war es der größte Traum überhaupt, bei den Spielen dabei zu sein", sagt Strohbach. Aus der Traum. Stattdessen bekommt der Weltmeister und Turnierdritte Polen noch die Chance, beim endgültigen Qualifikationsturnier in Japan im Mai nach Rio zu den Spielen zu können. Lukas Kampa, aktueller "Volleyballer des Jahres", kritisierte den Modus für die Olympiateilnahme, nachdem für Europa nur vier der zwölf Teilnehmerplätze vergeben: "Ich glaube kaum, dass es in Rio viele solcher Spiele geben wird. Hier waren Top-Teams, aber nicht alle können nach Rio." Tom Strohbach sagt, er finde das Zitat "treffend". Aber: "Über den Modus entscheiden wir nicht."

Die nächsten zwei Tage verbrachte der 23-Jährige in München bei seiner Freundin. Seit gestern hat ihn der Bundesliga-Alltag wieder, da stieg er beim TV Rottenburg ins Training ein. Und morgen spielt er mit seinem Klub beim VfB Friedrichshafen. Da blieb ihm nicht mal viel Zeit, sich Gedanken über die Nationalmannschaft zu machen. Denn da weiß nach dem Olympia-Aus auch noch keiner genau, wie es weiter geht. Georg Grozer, wegen seiner Schlaghärte auch "Hammer-Schorsch" genannt, wird zumindest die nächsten zwei Jahre pausieren, einige andere ältere Spieler wie Sebastian Schwarz (39 Jahre alt) könnten aufhören.

Ungewisse Zukunft der Nationalmannschaft

Und: Trainer Vitali Heynen wollte noch bis nach den Olympischen Spielen bleiben. Jetzt ist auch sein Verbleib bei der Nationalmannschaft ungewiss. "Ich würde mich freuen, wenn er bleibt", sagt Tom Strohbach, "denn unter ihm habe ich schon noch mal entwickelt."

Seine Teamkollegen vom TV Rottenburg hatten Strohbach keine verbale Unterstützung in Berlin geben können, denn diese mussten trainieren. Immerhin waren ein paar TVR-Fans dort wie unter anderem "Edelfan" Axel Schunack und Timo Kehler. Es sei sowieso "ein schmaler Grat", auf dem er sich bewege, sinniert Strohbach. Mal ist er länger bei der Nationalmannschaft, dann wieder bei seinem Bundesligaverein. "Der Verein hat von so einem Turnier an sich ja wenig", sagt Strohbach. Von der Vorbereitung seines Klubs auf die anstehenden letzten Saisonspiele nach der Winterpause weiß er nur vom Hörensagen. "Aber der Verein ist mein Arbeitgeber, dort wollen wir einen eindeutigen Schritt nach vorne machen."

Weitere zurück machen kann der TV Rottenburg auch kaum: Tabellenvorletzter ist der TVR. Und spielt jetzt beim VfB Friedrichshafen, dem Rekordmeister und Tabellenzweiter. Der hat diese Saison zwar auch viel von seiner alten Souveränität verloren, aber: "Friedrichshafen ist immer noch Friedrichshafen." Da sei es für Rottenburg vor allem mal wichtig, eine gute Leistung zu bringen. Dass diese dann trotzdem nicht immer zum Erfolg führt, hat Strohbach jüngst wieder erfahren müssen.

Schwabenderby als "super Einstieg" für den TVR

"Das ist ein super Einstieg in die Wettkampfphase", sagt Rottenburgs Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger vor dem Spiel des Vorletzten beim Zweiten. Und verspricht: "Wir werden komplett be freit aufspielen." Die TVR-Spieler hatten nun vier Wochen Zeit, um die Horror-Vorrunde hinter sich zu lassen und neuen Mut sowie neues Selbstvertrauen zu schöpfen. "Wir haben zwei Wochen hart gearbeitet, um eine gute Rückrunde zu spielen", sagt Müller-Angstenberger vor dem Duell beim Champions League-Teilnehmer VfB Friedrichshafen. Der TVR, so der Trainer mit einem Augenzwinkern, stehe in der Treppe ganz unten: "Es kann nur besser werden." Die Partie beim Meister ist das letzte Duell, in das der TVR ohne Druck gehen kann. Danach kommen die Schlüsselspiele im Abstiegskampf. Und die mentale Blockade aus dem alten Jahr soll gelöst sein. Wie gut, dass Müller-Angstenberger beim lange verletzten Moritz Karlitzek "stetig Fortschritte" erkennt.

Tobias Zug

 

 

Der Gegner

Der VfB Friedrichshafen ist deutscher Rekordmeister und Rekordpokalsieger mit jeweils 13 Titeln. Erwin Weißhaupt hatte Mitte der 1980 er Jahre als Abteilungsleiter den Verein professionalisiert, seit 1987 spielt der Klub vom Bodensee durchgehend in der ersten Bundesliga. Mit der Verpflichtung von Stelian Moculescu entwickelte sich der VfB zum Topklub der Liga.

 

Die Spieler

Aus der Meister-Formation sind nur zwei Spieler geblieben. Dennoch ist das Team gespickt mit internationalen Topspielern wie den Franzosen Baptiste Geiler. Einer davon hat den VfB aber schon wieder verlassen: Der kurz vor Saisonbeginn verpflichtete Zuspieler Arslan Eksi kehrt wieder in die Türkei zurück, nachdem der bis dahin verletzte Kapitän Simon Tischler wieder genesen ist.

Die Form

Nach dem Umbruch hatte der VfB seine Anlaufschwierigkeiten, kam nur schwer in Gang. Doch in den vergangenen Spielen wirkte das Team eingespielter, auch in der Champions League folgten nach einem Fehlstart die ersten Siege.

 

Der Trainer

Der VfB Friedrichshafen, das ist vor allem Stelian Moculescu. Trainer, Urgestein, Denkmal des Vereins. Seit 1998 trainiert der 65-jährige gebürtige Rumäne den Klub, wurde mit ihm 13 Mal Meister und Pokalsieger, gewann die Champions League. Und das als auch streitbarer Querdenker, der sich gerne mal mit dem Verband, gegnerischen Trainern oder sonstigen Funktionären anlegt, wenn es für ihn sein muss.


Veranstaltung(en) zu diesem Bericht

16.01.2016 : 19:30 Uhr

Der TVR zu Gast beim deutschen Meister

VFB Friedrichshafen - TV Rottenburg

Der TVR zu Gast beim deutschen Meister



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