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TAGBLATT: Am Tiefpunkt


Volleyball: TV Rottenburg verliert Kellerduell in Bestensee glatt mit 0:3

Es sollte der Anfang zum Aufschwung werden. Es blieb eine weitere Ernüchterung. Der TV Rottenburg hat in der Volleyball-Bundesliga beim Drittletzten Netzhoppers KW-Bestensee mit 0:3 (25:27, 22:25, 18:25) verloren. Vor 423 Zuschauern kassierte der TVR die elfte Pleite in Serie.

Bestensee.Das Gute vorneweg: Dem TV Rottenburg bleibt nicht viel Zeit über den Samstagabend nachzudenken. Schon am Mittwoch kommt der TV Bühl zum Derby. Der TVR muss sich allerdings mit einer herben Enttäuschung in den Köpfen auf das Lokalduell vorbereiten.

Immerhin: Auf die Fans können die Rottenburger zählen. Ein paar reisten ja sogar nach Bestensee, das bei der Hauptstadt Berlin liegt. In der kleinen Halle waren oftmals die "TVR, TVR"-Rufe zu hören. Auch, als die Niederlage der Rottenburger längst Form angenommen hatte. Zunächst sah es danach allerdings gar nicht aus. Der TVR hatte die Ansätze vom Friedrichshafen-Spiel kompensieren können und führte im ersten Satz schon mit 20:17. "Aufwachen", schrie ein Netzhoppers-Fan lautstark durch die Halle.

Doch dann segelte ein Aufschlag von Moritz Karlitzek ins Aus, Sven Metzger wurde zwei Mal geblockt und Königs-Wusterhausen lag mit 22:21 vorne. Beim 24:23 wieder der TVR. Ein Satzball, doch Tom Strohbachs Aufschlag blieb im Netz hängen. Karlitzek holte den nächsten Satzball heraus, Daniel Heinecke konterte für die Netzhoppers. Dann unterlief TVR-Libero Willy Belizer ein Patzer. Der 30-Jährige hatte einen Aufschlag von Manuel Rieke falsch eingeschätzt. Der segelte nicht ins Aus, sondern auf die Linie. Theo Timmermann, später als bester Spieler der Partie ausgezeichnet, verwandelte den ersten Netzhoppers-Satzball gleich zum Satzgewinn. "Dadurch ist bei ihnen die Sicherheit gekommen und bei uns gegangen", sagte TVR-Geschäftsführer Daniel Mey.

Aber auch im zweiten Durchgang hielt Rottenburg dagegen. Erst Karlitzek, dann Felix Orthmann und Blocks durch Strohbach und Felix Isaak. 4:1 führte der TVR, später sogar 9:5. Doch dann wieder der Bruch. Und auch ein bisschen Pech: Orthmann bekam den Ball nach einem Block der Netzhoppers noch an den Kopf, der Punkt gehörte KW-Bestensee. Beim 12:13 lag der TVR erstmals im Satz hinten. Und kam nie mehr zurück. Auch, weil der Block der Netzhoppers funktionierte. Fünf Blockpunkte in Satz zwei beweisen das. Generell war diese Kategorie mitentscheidend. Rottenburg blockte den Gegner nur drei Mal, der wiederum schaffte zehn Blocks.

Der dritte Satz verlief anders. Weil Rottenburg nicht mehr mithalten konnte. 1:5 lag der TVR schnell zurück, später 6:11 und 14:19. Die Netzhoppers hatten jetzt alles im Griff. Besonders in der Annahme baute der TVR stark ab. Ex-Nationalspieler Sebastian Krause war es vorbehalten, den Ball zum Endstand zu schmettern.

"Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll", suchte Geschäftsführer Mey nach Worten. Natürlich habe man sich etwas ganz anderes vorgenommen, bilanzierte Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger: "Wir haben es aber zwei Mal nicht geschafft, eine Führung nach Hause zu bringen. Die Netzhoppers haben ihr Spiel durchgebracht und - wie befürchtet - sich vor heimischer Kulisse in einen Rausch gespielt." Und die Perspektiven im Abstiegskampf? "Es geht jetzt darum, kleine Schritte nach voren zu machen und nicht alles in Frage zu stellen."

Geschäftsführer Daniel Mey: keine Trainerdiskussion

Bei elf Niederlagen in Serie steht im Sport schnell der Trainer zur Diskussion. Nicht so beim TVR. Geschäftsführer Daniel Mey gibt Coach Hans Peter Müller-Angstenberger eine Jobgarantie: "An eine Trainerdiskussion ist bei uns überhaupt nicht zu denken." Gerade für die Niederlagen in der Hinrunde könne Müller-Angstenberger wenig. "Da haben wir uns im Außenangriff ja von alleine aufgestellt", sagt Mey. Die Niederlage in Bestensee jedenfalls sei ernüchternd. Mey hörbar niedergeschlagen: "Wir brauchen erstmal Zeit darüber nachzudenken, was eigentlich passiert ist." Nämlich, dass der TVR schon nach zwölf Spieltagen gegen alle Teams in der Liga ver loren hat.

Moritz Hagemann

 

 

Der Volley-Check

Philipp Jankowski: Der TVR-Kapitän wurde zum besten Rottenburger gekürt. Er erlaubte sich bei zehn Aufschlägen aber auch vier Fehler.

Federico Cipollone: Spielte einige Minuten für Jankowski und erledigte seine Aufgabe solide. Schöne Finte zum 21:23 aus TVR-Sicht in Satz zwei.

Friederich Nagel: Drei Asse sind gut. Ein Block dagegen zu wenig für den Mittelblocker.

Sven Metzger: Nur ein mageres Pünktchen durch einen Block, bei fünf Angriffsversuchen ohne Zählbares. Wurde zum Ende des ersten Satzes zwei Mal hintereinander geblockt. Und verbrachte den Rest des Abends auf der Bank.

Felix Isaak: Seine Aufschläge machten dem Gegner zwar wieder Probleme, doch auch der zweite TVR-Mittelblocker kommt nur auf einen geblockten Angriff. Er muss mehr Präsenz ausstrahlen.

Tom Strohbach: Mit neun Punkten zwar TVR-Topscorer, aber mit viel Luft nach oben. Erlaubte sich einige Fehler, die er sonst nicht zeigt.

Felix Orthmann: Ersetzte nach Satz eins Sven Metzger, doch der Wechsel blieb ohne Wirkung. Schwache Angriffsquote (38 Prozent).

Moritz Karlitzek: Offenbarte erneut Schwächen in der Annahme und erlaubte sich die ein oder andere Ungenauigkeit. Dazu aber im Angriff mit acht Punkten.

Willy Belizer: Schlimmer Patzer zum 25:26 im ersten Satz. Die Annahmequote (44 Prozent positiv) ist in Ordnung. Hatte aber sicherlich schon deutlich bessere Tage.

Zu kurze oder keine Einsatzzeit, um in die Wertung zu kommen: Dirk Mehlberg, Lars Wilmsen, Johannes Schief, Johannes Elsäßer

 

Kommentar: Charakterfrage


Ja, den TV Rottenburg plagen in dieser Saison große Verletzungsprobleme. Und ja, die Konkurrenz um die Playoff-Plätze ist durch finanzstarke Teams größer geworden. Aber nein, das alles rechtfertigt nicht, wenn ein Klub mit Playoff-Ambitionen elf Bundesliga-Spiele in Folge verliert. Am Samstagabend in Bestensee hat der TVR nicht nur das Kellerduell, sondern jegliches Selbstvertrauen wieder verloren, welches er sich in der Winterpause wieder aufgebaut hatte. Die guten Ansätze, die Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger in Friedrichshafen sah - sie waren verflogen. Das erste gemeinsame Ligaspiel von Moritz Karlitzek und Tom Strohbach wurde zum Alptraum. Aber: Auch durch die erneute Niederlage ist die Lage des TVR noch nicht existenziell bedrohlich. Aus der Bundesliga steigt nur eine Mannschaft ab. Und jenes Team, das es im Moment treffen würde, kommt am kommenden Sonntag in die Paul-Horn-Arena: der CV Mitteldeutschland. Der TVR hatte die Spiele gegen Bestensee, Bühl (am Mittwoch) und den CVM als "Woche der Wahrheit" tituliert. Teil eins ist schonmal gründlich schief gegangen. Noch bleiben Chancen zu zeigen, was wirklich in diesem Team steckt. Klar ist aber auch, dass es jetzt nicht nur um Sieg oder Niederlage geht. Für die Spieler ist es auch eine Charakterfrage geworden.

Moritz Hagemann


Veranstaltung(en) zu diesem Bericht

23.01.2016 : 18:30 Uhr

Der TV Rottenburg zu Gast bei den Netzhoppers

Netzhoppers KW Bestensee - TV Rottenburg

Der TV Rottenburg zu Gast bei den Netzhoppers



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