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Tagblatt: Viel Lob, mehr Enttäuschung


Wohl auch wegen des Handball-Europameisterschaftsspiels der Deutschen, so sinnierte Pressewart Philipp Vollmer, waren gestern Abend nur 1400 Zuschauer in die Paul-Horn-Halle. Die sahen einen frustrierten TV Rottenburg nach der 1:3 (17:25, 25:22, 20:25, 24:26)-Niederlage des Bundesligisten gegen den TV Bühl.

Tübingen. Am Ende bemühten sich die Bühler fast schon rührselig, den Rottenburgern Mut zuzusprechen. Libero David Molnar redete noch lange mit seinem Rottenburger Positionskollegen Johannes Elsäßer, um mit den Worten abzuschließen: "Ihr schafft das schon." TVB-Trainer Ruben Wolochin erwähnte auch, "dem Hans" schon gesagt zu haben, er hoffe und sei sich sicher, dass dessen TVR-Team da unten herauskomme: "Rottenburg hat heute nämlich auch sehr gut gespielt."

"Der Hans", TVR-Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger, stand einige Sekunden nach dem Spiel konsterniert da. Um dann seine ebenfalls enttäuschten und niedergeschlagenen Spieler zu einem Kreis zu versammeln und irgendwas Aufmunterndes zu sagen.

Der erste Satz wird da wohl nicht groß erwähnt worden sein. Außenangreifer Dirk Mehlberg ballte nach diesem zwar die Faust und jubelte wie auch alle Rottenburger Zuschauer - doch das halt, nachdem Hallensprecher Ingo Pufke den Sieg von der deutschen Handball-Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft verkündet hatte. Davor gab's für verunsicherte Rottenburger nicht viel zu bejubeln. Ein Blockspiel war so gut wie nicht vorhanden, Zuspiele kamen selten gut an. Noch seltener wurden die Angriffsschläge durch Jens Sandmeier oder Magloire Mayaula Nzeza abgewehrt.

Doch danach "haben wir eine gute Reaktion gezeigt", sagte Johannes Elsäßer. Das Blockspiel, die Feldabwehr, die Zuspiele - was vorher nicht passte, wurde passend gemacht. Elsäßers Erklärung: "Wir haben uns gesagt, wir müssen einfach raus und drauf sch.en, was ist und war." Nach dem 19:19 trumpfte beim TVR vor allem Sven Metzger auf. Rottenburg gewann den Satz. Wohl auch, weil Bühls Trainer Wolochin den starken Kongolesen Mayaula Nzeze lange draußen ließ.

Auch in den nächsten Sätzen. So blieben diese immer spannend. Durfte der TVR immer hoffen. Diese junge "Sechs", die gestern die meiste Zeit ein Durchschnittsalter von 22,3 Jahren hatte. 18:16 führte Rottenburg im dritten Satz. Dann blockten die Bühler den TVR drei Mal aus, gingen mit 21:18 in Führung. Rottenburger Aufschlagfehler und Missverständnisse wie zwischen Moritz Karlitzek und Elsäßer folgten, der TVB gewann diesen Durchgang.

Noch dramatischer und frustrierender für die Rottenburger war der vierte Satz. Gar mit vier Punkten vorne lag der TVR da beim 16:12 oder 19:15. "Ich habe zwischendrin die Körpersprache der Bühler gesehen", sagte Elsäßer, "wir hatten die im Sack, wir kriegen den Sandmeier vom Feld. Doch dann passiert immer irgend was." Im Fall des vierten Satzes Annahmefehler von Moritz Karlitzek und Tom Strohbach, "wie wir sie im ganzen Spiel nicht hatten" (Müller-Angstenberger). Weshalb Rottenburg trotz eines Satzballs beim 24:23 verlor. Zum zwölften Mal in Serie. "Ich finde, wir spielen gut", sagte Elsäßer, "aber was letzte Saison geklappt hat, gelingt uns zurzeit nicht; dass wir die Dinger durchbringen." Ruben Wolochin und anscheinend auch halb Bühl wünschen sich, dass sich das wieder ändert.

Libero Johannes Elsäßer: "Wir hatten die im Sack. Doch dann passiert immer irgend was."

Bewusst habe er Stamm-Libero Willy Belizer zu Beginn rausgelassen, "damit er später Sicherheit reinbringt, falls die Mannschaft diese braucht", sagte Rottenburgs Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger. Für Belizer spielte der 21-jährige Johannes Elsäßer, wie auch schon in Friedrichshafen. Belizer kam aber gar nicht mehr rein, Elsäßer spielte durch. "Willy hat von außen viel geholfen und da einen guten Job gemacht", sagte Müller-Angstenberger. Und Eläsßers "Lehrzeit" scheint mittlerweile vorbei zu sein. "Sein Lehrmeister, der Willy, hat ihn ja gut ausgebildet", sagte Müller-Angstenberger.

 

Frustrierter Rückkehrer: Moritz Karlitzek - gut gespielt, am Ende gepatzt

Ende Oktober bestritt Moritz Karlitzek sein letztes Heimspiel für den TV Rottenburg. Bis gestern Abend. Da wurde der 19-Jährige zum besten TVR-Spieler gekürt. Und war dennoch tief gefrustet. In der Endphase wurde er zum tragischen Helden.

Tübingen.Er sank auf dem Boden. Das Trikot über den Kopf gezogen. Und dachte nach. Einige Sekunden später bewegte sich Moritz Karlitzek zur Ehrung der besten Spieler. Mit leerem Blick, immer wieder den Kopf schüttelnd. Der 19-Jährige hatte sich im Herbst während mit kochend heißem Wasser verbrüht und dem TVR lange gefehlt. Nach der Winterpause kam er zurück. Doch seine beste Leistung nach der Zwangspause fand ein Ende, welches bitterer nicht sein konnte.

Vierter Satz, Karlitzek hatte bis dahin 15 Punkte gesammelt. Der TVR führte 22:20, war kurz vor dem 2:2-Satzausgleich - und dem Punktgewinn. Dann segelte ein Karlitzek-Aufschlag ins Aus, und gleich zwei Mal verpatzte der Außenangreifer die Annahme. Minuten nach dem Spiel saß Karlitzek noch mit dem Trikot über dem Kopf auf der Bank.

Und war frustiert. "Schauen Sie doch auf die Tabelle, dann wissen Sie warum!", fauchte er. Und angesprochen auf die beiden Annahmefehler: "Gehen Sie mir mit Ihren Fragen bitte nicht auf den Sack!" Karlitzek entschuldigte sich umgehend. Nachvollziehbar ist sein Ärger, seine Frust. Es sei schön, dass bei ihm nach seiner Verletzung alles wieder funktioniere. Das brachte er immerhin auch noch heraus.

Bühls Trainer Ruben Wolochin, der in Karlitzek den besten Rottenburger sah, nahm den 19-Jährigen in Schutz: "Ich habe auch viele junge Spieler", sagte der Argentinier, "die machen einfach Fehler in engen Situationen." Doch der Aufschlag und das Angriffsspiel von Karlitzek überzeugen den 45-Jährigen. Auch TVR-Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger entgegnete: "Er war ziemlich platt" - ob des straffen Programms nach der Verletzungspause. Dabei habe Müller-Angstenberger durchaus gesehen, dass Karlitzek gegen den TV Bühl eine Phase hatte, "in der er bei hundert Prozent war." Karlitzek sei gemeinsam mit Tom Strohbach "das Prunkstück, um das uns viele beneiden", doch beide zusammen waren durch Verletzungen oder die Nationalmannschaft erst zum zweiten Mal gemeinsam in der Bundesliga aktiv.

Die Wut von Karlitzek sei gar kein schlechtes Zeichen. "Enttäuschung ist das falsche Motiv", sagte Müller-Angstenberger. "Aus Wut und Zorn gewinnt man Energie." Dann müsste Karlitzek jetzt jede Menge davon haben. Teamkollege Sven Metzger fordert: "Wir dürfen dem Spiel nicht lange nachtrauern, dafür haben wir keine Zeit." Und Karlitzek selbst? "Was mir Mut macht?", fragte der. "Wir müssen jetzt einfach!"

 

Federico Cipollone: Der Zuspieler bekam den Vorzug vor Kapitän Philipp Jankowski. Und schaffte es, nach einer schwachen Phase sich selbst und sein Team mit guten Anspielen zu befreien. Immerhin auch selbst mit drei Punkten.

Friederich Nagel: Die Kombination mit Cipollone und ihm funktionierte nicht immer. Insgesamt zu fehlerhaft und ab Ende des zweiten Satzes dann auch zumeist auf der Bank.

Sven Metzger: Pendelt zu sehr zwischen Kreis- und Weltklasse. Ersteres zu Beginn, als er gar nicht ins Spiel fand und ausgewechselt wurde. Dann aber im zweiten Satz der entscheidende Mann mit vier Punkten in der Schlussphase.

Felix Isaak: Zwölf Punkte, darunter vier Blocks - eine der besten Saisonleistungen des Mittelblockers. Die Angriffsquote (67 Prozent) ist ebenfalls stark.

Lars Wilmsen: Nutzte seine Chance. Fünf Punkte aus sieben Angriffsversuchen, dazu ein starker Block zum 18:16 im dritten Satz.

Tom Strohbach: Machte zwar zwölf Punkte, aber seine Angriffsquote hat bei 40 Prozent noch Luft nach oben. Beim Matchball mit missglückter Annahme, einige Schläge ins Netz.

Felix Orthmann: Kam für Metzger - und musste wieder raus. Wurde zwei Mal in kurzer Zeit geblockt, blieb ohne Punkt.

Moritz Karlitzek: Die Formkurve zeigt nach oben. Allerdings eben mit den groben Schnitzern am Ende.

Johannes Elsäßer:Solide. Zwar mit Fehlern, aber dass er durchspielen durfte, zeigt: Er hat gebracht, was erwartet wurde.

Zu kurze oder gar keine Einsatzzeit, um in die Wertung zu kommen: Philipp Jankowski, Dirk Mehlberg, Willy Belizer, Johannes Schief. itz


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Veranstaltung(en) zu diesem Bericht

27.01.2016 : 19:30 Uhr

Baden Württemberg Derby in der Paul-Horn-Arena

TV Rottenburg - TV Ingersoll Bühl

Baden Württemberg Derby in der Paul-Horn-Arena



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