Homepage präsentiert von Tagblatt

News 1. Bundesliga Herren 1

0 Kommentare

TAGBLATT: Ernsthafte Abstiegsgefahr


Volleyball: 2:3 - TV Rottenburg ist jetzt Tabellenletzter in der Bundesliga


Nach acht Jahren ununterbrochener Zugehörigkeit zur Volleyball-Bundesliga müssen sich die Anhänger des TV Rottenburg ernsthaft Sorgen um den Klassenverbleib machen. Denn seit gestern Abend ist der TVR Letzter, nachdem er mit 2:3 (21:25, 25:20, 25:22, 19:25, 14:16) gegen CV Mitteldeutschland verloren hat.

Tübingen. Redselig war nach dem Spiel beim TV Rottenburg nur der Trainer, Hans Peter Müller-Angstenberger. Dem Rundfunkreporter des SWR erzählte er fast alles über den Klub, seinen Stolz auf die Mannschaft mit nur jungen, deutschen Spielern, über seine Position, dass andere über seinen Verbleib entscheiden, er nicht zweifle und an die Mannschaft glaube. Obwohl ihn der SWR-Mann danach gar nichts gefragt hatte.

Seit gestern Abend ist die Abstiegsgefahr der Rottenburger von bisher "hoch" auf "ernsthaft" einzustufen. Denn selbst im Heimspiel gegen den bisherigen Tabellenletzten schafften sie es nicht, trotz 2:1-Führung zu gewinnen. Nicht mal ansatzweise freuten sie sich, wenigstens einen Punkt geholt zu haben. Das 2:3 ist die 13. Niederlage in Serie. Fast schon verständlich, dass die TVR-Spieler zu Spielbeginn verunsichert waren. Abstiegskampf ist Nervensache. Alle waren sie angespannt beim TV Rottenburg vor dieser Partie. "Vom Caterer bis zu den Vorstandsmitglieder", sagte Pressesprecher Philipp Vollmer, "ich spüre es bei mir auch."

Nach 2:1-Führung planlos und verunsichert

Der TVR lag denn auch gleich 1:5 zurück. Bis zum 5:8 erspielte er sich keinen Angriffspunkt, nur drei Aufschlagfehler des CVM und ein Netzroller-Aufschlags-Ass von Sven Metzger hatte ihm die Punkte beschert. Danach löste sich bei den Rottenburgern etwas die Verunsicherung, dank eines Blocks von Felix Isaak schafften sie beim 11:11 erstmals den Ausgleich. Nach dem 16:16 häuften sich wieder die Fehler beim TVR: Annahmepatzer, Missverständnisse. So dass Mitteldeutschland sich den Satz sicherte.

Als ob Unsicherheit und Nervosität etwas ist, dass man auch einfach wegwerfen kann, wenn es unnütz ist, spielte Rottenburg im zweiten Satz unbeschwert und konzentrierter auf. Die Blöcke waren geschlossener und getimter. 7:1 führte Rottenburg. Erst nach der 9:5-Führung kam CVM wieder heran, wurde die Partie spannend. Nach dem 17:17 nahm TVR-Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger eine Auszeit. Die half: Rottenburg zog davon. Vor allem Moritz Karlitzek war kaum abzuwehren. 1:1.

Und auch im dritten Satz dominierte der TVR das Spiel. 18:13 lag er vorne, als CVM-Trainer Ulf Quell zur Auszeit bat. Nach dem 15:20 kam seine Mannschaft etwas besser ins Spiel. Den zweiten Satzball nutzte dann Karlitzek zum 2:1. Geballte Fäuste, Jubel und Trommelwirbel bei den 1800 Zuschauern. "Ich war mir sicher, dass wir den vierten Satz gewinnen", sagte TVR-Mittelblocker Friederich Nagel. Doch beim TV Rottenburg ist diese Saison nichts mehr sicher. Die Mannschaft spielte planlos und holte wieder die Unsicherheit zu sich her. "Das war ein sehr wechselhaftes Spiel von beiden Seiten", urteilte CVM-Coach Ulf Quell.

Jedenfalls hatte sein Team keine sonderliche Mühe, den vierten Satz zu gewinnen und das Tie-Break zu erreichen. Dort lag der TVR 1:4 hinten, als Friederich Nagel kam. Der drehte mal kurz auf, punktete durch die Mitte zum 6:6. Kein Team zog davon. Manch TVR-Fan verzweifelte schier, einige bissen in ihre rot-weißen Schals. Unter tosendem Jubel blockte Isaak den Angriff von Jaroslaw Lech zum 14:14. Zwei Matchbälle hatte der TVR abgewehrt. Doch als Karlitzek, den Quell zum besten TVR-Spieler wählte, den Ball ins Aus schlug, feierte Mitteldeutschland. "Ich weiß nicht, woran es liegt", sagte Nagel, "wir arbeiten hart, es gibt kein Training, an dem ich rausgekommen bin und gesagt habe, wir haben nicht alles gegeben." Aber: "Die Ergebnisse sprechen eben für sich." Und nicht für Rottenburg.

Lichter ausgegangen, Spiel unterbrochen

Kann man auch sprichwörtlich nennen: Beim TV Rottenburg gingen gestern Abend die Lichter aus. Zumindest teilweise: Beim Stand von 11:13 aus Rottenburger Sicht fielen mehrere Leuchten in der Tübinger Paul Horn-Arena aus. Kurze Verwirrung, der ehe malige Abteilungsleiter Peter Knobelspieß gab Zeichen, dass in zehn Minuten weitergespielt werden könne. "Ich weiß nicht, woran es lag", sagte Knobelspieß, "der Hausmeister sagte nur, dass es zehn Minuten braucht, bis die Leuchten wieder hochfahren." Das taten sie dann auch. Profitiert hat der TVR von der Unterbrechung aber nicht.

Tobias Zug

 

Der Volley-Check

 

Dirk Mehlberg: Kam Mitte des zweiten Satzes beim Stand von 12:12 für Tom Strohbach für längere Zeit rein. Half dabei mit stabiler Annahme und einigen klugen Zuspielen dem Team zum Satzsieg.

Philipp Jankowski: Im vierten Satz für Federico Cipollone im Spiel, schaffte es der Zuspieler auch nicht, für Stabilität zu sorgen.

Federico Cipollone: Starker Beginn mit variantenreichen Zuspielen. Glücklos bei seinen wenigen Angriffen.

Friederich Nagel: Hatte kurze Einsatzzeiten, dafür starke im Tie-Break mit zwei Angriffspunkten.

Sven Metzger:Bester Rottenburger im ersten Satz. Tauchte danach etwas ab. Auch weil die Mitspieler vermehrt Moritz Karlitzek und Tom Strohbach einsetzten.

Felix Isaak: Hatte starke Phasen am Block, brachte sicher sein Aufschlagsspiel durch. Fiel aber wie die gesamte Mannschaft im vierten Satz ab.

Lars Wilmsen: Kam nicht so recht ins Spiel, schwache Angriffsquote (38%).

Tom Strohbach: Bis zum zweiten Satz unglücklich spielend. Blieb dann länger draußen. Danach wirkte er frischer.

Moritz Karlitzek: Bester TVR-Scorer (19 Punkte), kleine Annahmefehler trüben die Bilanz.

Felix Orthmann: Brachte im vierten Satz kurz nochmal Schwung.

Willy Belizer: Solide Partie des Liberos.

Keine oder zu wenig Einsatzzeiten, um in die Wertung zu kommen: Johannes Elsäßer, Johannes Schief.

 

Angebaggert

Neuer Mittelblocker

Am Freitag hat der CV Mitteldeutschland noch einen Mittelblocker verpflichtet. Matthew Leske heißt der Mann, ist US-Amerikaner, und kam gegen den TV Rottenburg zu seinem Einsatz. TVR-Pressesprecher Philipp Vollmer hatte zuvor noch gemutmaßt, Leske habe noch keine Spielberechtigung. "Da ist alles normal gelaufen", sagte dagegen CVM-Trainer Ulf Quell.

Tröstende Kinder

Im Abstiegskampf oder sonstigen sportlichen Krisen reagieren betroffene Trainer und Verantwortliche gerne dünnhäutig und gereizt. Nicht so Rottenburgs Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger: Der war zwar enttäuscht, verteilte danach aber den vielen Schulkindern freundlich lächelnd Autogramme, bedankte sich, dass diese gekommen seien und hoffentlich wieder kämen trotz der Niederlage. "Für uns seid ihr die Besten!", sagte ein Mädchen. Müller-Angstenberger schmunzelte: "Na, immerhin für euch."

Konkurrenz Handball

Passend zur Situation bei den Volleyballern des TV Rottenburg war auch die Turnerfasnet des Vereins tags zuvor nicht mehr so dolle besucht wie in den Jahren zuvor. Trotz der Brisanz des Spiels kamen gestern auch keine 2000 Zuschauer in die Halle. Wie am Mittwoch gegen Bühl lief auch parallel das Handball-EM-Spiel der Deutschen. Als Hallensprecher Uwe Schröder den EM-Sieg verkündete, gab's Applaus. tzu


Bildergalerie zu diesem Bericht




Veranstaltung(en) zu diesem Bericht

31.01.2016 : 17:00 Uhr

Heimspiel in der Paul-Horn-Arena

TV Rottenburg - CV Mitteldeutschland

Heimspiel in der Paul-Horn-Arena



Weiterführende Links



VBL Logo KSK Tübingen Volleyballdirekt