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TAGBLATT: Der Meister ist zu stark


TV Rottenburg unterliegt Berlin Volleys trotz guter Leistung mit 0:3

Spitzenreiter gegen Vorletzter stand drauf. Und laut Ergebnis war's auch drin. Doch der TV Rottenburg spielte gegen die Berlin Volleys nicht so schlecht wie es das 0:3 aussagt. Vor 2000 Zuschauern spielte der Meister besonders stark, wenn der TVR ihn herausgefordert hatte.

Rottenburg.Sie hüpften durch die Halle. Sie scherzten. Friederich Nagel schritt mit einem Grinsen im Gesicht zur Ehrung der wertvollsten Spieler. Nichts erweckte den Eindruck, als habe der TV Rottenburg gerade ein Heimspiel in der Volleyball-Bundesliga mit 0:3 verloren. Dem war aber so. Und dennoch hatten die Rottenburger keinen Grund, griesgrämig dreinzublicken.

Es war schließlich nicht irgendein Gegner, der sich die Ehre gab: nämlich Meister Berlin, im Vorjahr auch Dritter der Champions League. Und oben drauf war's nicht irgendeine Leistung, die der TVR zeigte. Sondern eine, die viel besser war als in vielen Heimspielen zuvor. "Wir haben in jedem Satz tolles Volleyball aufgezogen", lobte auch Rottenburgs Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger. Und Berlin wackelte schon.

Im ersten Satz, als der TVR bis zum 15:15 ein völlig ebenbürtiger Gegner war. "Es ist sehr gefährlich hier zu spielen", sagte Berlins Nationalspieler Robert Kromm hinterher. Und das habe sich bemerkbar gemacht. Rottenburg war immer wieder dran - und musste die Hauptstadt-Volleys zum Satzende immer wieder ziehen lassen. Rottenburgs Diagonalangreifer Felix Orthmann fand dafür Worte: "Man merkt halt schon, dass die in entscheidenden Situationen eine andere Qualität als wir haben."

Dem 20:25 im ersten Durchgang folgte ein 18:25 in Satz zwei, bei dem der TVR bis zum 9:9 dran war. Und sich trotz des 0:2-Satzrückstandes nicht aufgab. "Jeder hat gemerkt, dass da was drin ist", sagte Müller-Angstenberger. Der wechselte zum dritten Satz durch, brachte Philipp Jankowski, Sven Metzger und Tom Strohbach. Eine Achse, die so im Training oft zusammenspielt. Eine Maßnahme, die fruchtete. 4:1 führte der TVR im dritten Satz, lag erst beim 14:15 erstmals in Rückstand. Die Zuschauer quittierten das, "das Publikum war voll da", fand Müller-Angstenberger.

Am Ende musste sich der TVR trotzdem klar geschlagen geben. Trotz guter Leistung. Und vielen langen Ballwechseln, bei denen Berlin kräftig ranglotzen musste. "Schade", sagte Müller-Angstenberger. Denn er sah einen Gegner, der besser gespielt habe, als in den Spielen zuvor. Und: Hätte sich Berlin nicht gesteigert, "dann wäre das ein ganz heißes Ding geworden", sagte der TVR-Trainer.

Nach dem Düren-Erfolg, der erste Sieg nach 14 Pleiten, hat der TVR also gleich wieder verloren. Doch diese Niederlage fühlt sich nicht wie eine an. Sondern eher, wie ein weiterer Schritt in die richtige Richtung. Sonst wären die Spieler ja auch frustriert gewesen.

"Robert Kromm hat den Unterschied gemacht"

Fast 200 Länderspiele für die deutsche Nationalmannschaft hat Berlins Außenangreifer Robert Kromm absolviert. Und am Samstag nahm der 31-Jährige die Auszeichnung zum besten Spieler des Spiels mit. "Er hat den Unterschied gemacht", sagte TVR-Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger. 15 Punkte erzielte Kromm, darunter zwei Asse und zwei Blocks. Kromm sprach davon, dass sein Team nach der 0:3-Pleite in der Champions League unter der Woche "einen Wachrüttler vom Manager" kassiert habe. Der Schlüssel gegen den TVR lag für Kromm in den Aufschlägen. "Dadurch konnte Rottenburg sein Spiel nicht immer aufbauen", sagte er. Und lobte den TVR durch seinen Kommentar zum klaren 0:3-Endstand: "Der Schein trügt."

 

Die Suche nach der Form

In der letzten Saison war Tom Strohbach der Erfolgsgarant des TV Rottenburg. Zuletzt lief es beim 23-Jährigen aber nicht, auch seinen Platz in der Startformation des TVR hat der Außenangreifer inzwischen verloren. Eine Ursachensuche.

Rottenburg. Es ist noch gar nicht lange her, da war Tom Strohbach noch der gefeierte Held. Vergangene Saison nämlich, als er 292 Punkte erzielte und der fünftbeste Scorer der ganzen Bundesliga war. Als sich die Gegner fragen mussten, wie denn dieser Strohbach auszuschalten sei, wollten sie Punkte aus der Paul-Horn-Arena entführen. Da war Tom Strohbach der Kopf des TVR, der Leistungsträger.

Zu sagen, Strohbach wäre nun das Sorgenkind ist auch übertrieben. Aber der 23-Jährige ist eben nicht der, der er schon war. "Ich hab' die letzte Zeit einfach nicht reingefunden", gab Strohbach am Samstagabend zu. Das gipfelte sogar darin, dass ein Fan im Internet zum Besten gab, der TVR habe bei der 0:3-Niederlage in Herrsching nur zu fünft gespielt. Da zeigte Strohbach ohne Zweifel seine schwächste Partie im Rottenburger Trikot. Nur 22 Prozent seiner Angriffe führten zu Punkten.

Nicht für jedes Formtief gibt es eine Erklärung. Doch im Falle von Tom Strohbach gibt es zumindest Gründe, die schwache Leistungen erklärbar machen. "Ich war lange krank", sagte der 23-Jährige selbst. Schon den Saisonauftakt hatte Strohbach verpasst, weil er sich im Training am Finger verletzte. "Momentan habe ich nicht die Form, die ich selbst haben will", fügte Strohbach noch an. Das Spiel gegen Berlin war aber bereits eine Steigerung.

Strohbachs Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger vermutet hinter dem Tief seines Nationalspielers andere Gründe: eine mentale Sache. Alles geschuldet dem 10. Januar dieses Jahres. Da nämlich verlor die Nationalmannschaft mit 2:3 gegen Polen - und der Traum von den Olympischen Spielen in Rio platzte. "Tom hat die Nationalmannschaft nicht gut getan", sagte Müller-Angstenberger. Es sei für seinen Schützling so schwer, sich im Kopf auf die verschiedenen Gegebenheiten einzustellen: "Olympia in Rio und dann Abstiegskampf in der Bundesliga - das muss man sich mal vorstellen", sagte der TVR-Trainer. "Der Sprung ist riesig." Und Strohbach müsse das eine Ereignis erst komplett hinter sich lassen.

Müller-Angstenberger sprach aber nicht nur von Strohbach. "Wir", sagte er, "wir alle müssen ihm da raushelfen. Wir stehen zusammen und gehen gemeinsam." Denn Strohbach ist nach wie vor der Mann, auf den sich der Gegner fokussiert. Herrschings Trainer Max Hauser hatte noch vor der Partie am vorletzten Donnerstag gesagt, dass der Schlüssel darin liege Strohbach auszuschalten. Der 23-Jährige selbst sieht seine eigene Situation erstaunlich gelassen. Dirk Mehlberg und Moritz Karlitzek haben ihn zuletzt aus der Startformation verdrängt. Nur draußen zu sein, sagte Strohbach, das kenne er von früher und vom Nationalteam. "Aber in Rottenburg ist das neu für mich." Will er sich nicht dran gewöhnen, muss er seine Leistung wieder bringen. Diese Aufgabe geht er positiv an: "Es kommen ja auch wieder bessere Tage", sagte Strohbach, der 2013 mit Haching den Pokal gewann. Und wie will er die Form zurückholen? "Training, Training, Training..."

Robert Kromm und Tom Strohbach kennen sich aus der deutschen Nationalmannschaft. Der erfahrene Berliner sagte: "Ich bin schon überrascht, welche Rolle Tom momentan bei Rottenburg hat." Strohbach habe bei der Nationalmannschaft sehr gut gearbeitet. Kromm glaubt, dass Strohbachs Leistungsschwankungen auch mit dessen parallel laufenden Psychologie-Studium zusammenhängen. "Es ist schade, dass sich solche Spieler nicht voll professionell dem Volleyball zuwenden können", sagte Kromm. Und fügte aber gleichzeitig an, dass ein zweites Standbein für die Zukunft eine gute Investition sei. Und so stecke Strohbach gewissermaßen in einer Zwickmühle. Aber: Strohbach studierte auch schon während der vergangenen Saison - und spielte trotzdem überragend.

 

Angebaggert

Einsamer Berliner

Als die Berliner Volleys ihren Sieg eingetütet hatten, gingen sie alle erstmal zu Ronny Manzke. Der 31-Jährige saß auf der Tribüne, Fan-Shirt, Mütze und Schal seines Lieblingsklubs hatte er auch dabei. Und Manzke war ganz alleine. Er war der einzige Berliner Fan unter 2000 Zuschauern. "Ich kenn' das", sagte Manzke, der dem Berliner Fanklub "Der siebte Mann" angehört. Der 31-Jährige ist in Berlin geboren und lebt seit 1989 in Bad Saulgau. Zusammen mit "zwei, drei anderen aus dem Süden" tourt er dann meist durch die Republik um die Spiele seiner Volleys zu sehen. Am Samstagabend waren seine Mitstreiter aber verhindert und Manzke zog alleine los. Doch selbst dann kommt er sich nicht einsam vor. "Man redet ja auch mit den anderen Fans und trinkt ein Bierchen zusammen", sagte er. Rivalitäten unter den Volleyball-Anhängern gibt es unter den Vereinen kaum. Und als die Mannschaft den 31-Jährigen abgeklatscht hatte, kletterte der kurzerhand über die Barriere und ließ sich auf dem Spielfeld nieder. Er quatschte mit Berliner Spielern - Manzke gehört fast zum Team dazu. itz

 

Der Volley-Check

Dirk Mehlberg: "Der Dirk hat seine Sache gut gemacht", lobte Trainer Müller-Angstenberger. In der Annahme stimmt das auch. Da gibt der Routinier dem TVR den notwendigen Halt. In seinen Angriffsschlägen ist bei 29 prozentiger Erfolgsquote noch Luft nach oben.

Philipp Jankowski: Auch seine beiden Zuspieler hob Müller-Angstenberger explizit hervor. Kapitän Jankowski schaffte es, die Mitspieler mehrmals stark zu bedienen.

Federico Cipollone: Schöne Finte zum 15:14 im ersten Satz und sogar mit einem Ass. Aber auch ein Missverständnis mit Moritz Karlitzek, der unter dem Ball durchsegelte.

Friederich Nagel: Wahrscheinlich die beste Saisonleistung des Mittelblockers. Wurde zum besten Rottenburger gewählt und war nicht nur präsent am Netz (drei Blocks), sondern höchst effektiv im Angriff. Highlight: Einzelblock gegen Robert Kromm im zweiten Satz.

Sven Metzger: Kam im dritten Satz, doch die Angriffsquote von 20 Prozent ist nicht berauschend.

Felix Isaak: Nicht so stark wie Nagel, aber auch nicht schlecht. Zwei Blocks, drei weitere Punkte.

Tom Strohbach: Ein Schritt in die richtige Richtung. Wirkte besser als zuletzt, manche Angriffe erinnerten an beste Zeiten.

Felix Orthmann: Brachte nur 27 Prozent seiner Angriffe durch. Er zeigt oft sein Potenzial, machte aber auch einige Fehler - es sei der Unerfahrenheit geschuldet.

Moritz Karlitzek: Starke Angriffsquote (59 Prozent), aber nicht mit dem Offensivdrang wie gegen Düren. In der Annahme mit einigen guten Reaktionen.

Willy Belizer: Solide Leistung. Die Annahmequote (31 Prozent positiv) könnte besser sein, aber es stand halt auch der Meister auf der anderen Seite.

Zu kurze oder keine Einssatzzeit, um in die Wertung zu kommen: Johannes Schief, Johannes Elsäßer. itz

 

TVR jetzt wieder Tabellenletzter

Rottenburg/Leuna. Einige Blicke waren am Samstagabend schon auf den Liveticker der Volleyball-Bundesliga gerichtet. Im sächsischen Leuna trafen schließlich der Drittletzte CV Mitteldeutschland und der Vorletzte KW-Bestensee aufeinander. "Sich da etwas zu wünschen bringt ja eh nichts", kommentierte TVR-Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger das Spiel, welches die Rottenburger wieder auf den letzten Tabellenplatz gebracht hat. Bestensee gewann nämlich mit 3:2, durch ein 18:16 im entscheidenden Tie-Break. Weil in der Tabelle der Bundesliga bei Punktgleichheit zunächst die Anzahl der Siege zählt, muss der TVR ein weiteres Spiel gewinnen - oder zumindest zwei Mal einen fünften Satz erreichen. Denn der CVM und Bestensee haben jeweils einen Punkt mehr auf dem Konto. Und beide in der laufenden Saison schon vier Spiele gewonnen. Der TVR dagegen nur zwei. Der Abstiegskampf könnte kaum spannender sein. itz


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20.02.2016 : 19:30 Uhr

Der TVR empfängt den Vizemeister

TV Rottenburg - Berlin Recycling Volleys

Der TVR empfängt den Vizemeister



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