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TAGBLATT: Weiter Chancen auf emotionale Meisterschaft


Rottenburg schafft notwendigen Bundesliga-Sieg mit 3:0 vor 2150 Zuschauern gegen verunsicherte VSG Coburg/Grub

Der TV Rottenburg darf sich weiter Hoffnungen auf den Bundesliga-Verbleib machen. 2150 Zuschauer kamen zum Nach dem 2:0 (26:24, 25:20, 25:21) im "Endspiel" gegen die VSG Coburg/Grub waren die Rottenburger aber mehr erleichtert als enthusiastisch. Denn durch sind sie noch nicht.

Rottenburg. Sie wussten, wenn sie verlieren, dann war's das wohl mit der ersten Bundesliga. Nach acht Jahren ununterbrochener Zugehörigkeit. "Ich war auch angespannt vor diesem Spiel", sagte Rottenburgs Außenangreifer Tom Strohbach. "Was an so einem Spiel alles dran hängt.", sinnierte TVR-Manager Daniel Mey. Kaum freie Plätze gab es in der offiziell mit 2150 Zuschauern besetzten Paul-Horn-Halle. Und doch: Es schien, als ob der Gegner VSG Coburg/Grub sichtlich nervöser war als der akut abstiegsbedrohte TV Rottenburg.

Neun Spiele in Serie hatte die VSG verloren. Dazu erhielt sie noch unter der Woche von der Volleyball-Bundesliga die Nachricht, wegen Verstößen gegen die Lizenzierungsauflagen drei Punkte abgezogen werden (siehe Artikel unten). So brauchte der TV Rottenburg nicht einmal eine außergewöhnliche Leistung, um gegen die in der Annahme sehr wackeligen Coburger zu punkten. Dass Coburgs Lubos Kostolani der beste Scorer der Liga ist, dürfte für Laien in der Halle nur ein Gerücht gewesen sein - der Diagonalspieler erhielt zu Beginn überhaupt keine Zuspiele. "Coburg hat es uns leicht gemacht", sagte TVR-Mittelblocker Lars Wilmes. Sein Mitspieler Sven Metzger begründete, warum: "Die sind von uns genau gescoutet worden, wir wussten, wie wir spielen mussten." Der TVR führte jedenfalls immer mit teils bis zu vier Punkten Vorsprung. Als sich Kostolani langsam eingespielt hatte, wurde es wieder enger. Beim 22:21 ging erstmals die VSG in Führung, hatte beim 24:23 sogar Satzball. Doch der eingewechselte Tom Strohbach glich aus. Nachdem die VSG den Aufschlag von Friederich Nagel nicht unter Kontrolle gebracht hatte, setzte Strohbach im zweiten Versuch den Ball zum 1:0-Satzsieg ins gegnerische Feld. Danach war es um die VSG Coburg/Grub geschehen. Selbstsicher ging der TV Rottenburg in den zweiten Satz. Mit einer 8:3-Führung des TVR ging es in die erste technische Auszeit. Coburg/Grub kam nie mehr nennenswert an den TVR heran. Rottenburgs Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger fand, seine Spieler hätten "teilweise perfekt gespielt". Mit 25:20 beendeten die Rottenburger den zweiten Satz. "Die hatten Feuer", sagte Coburgs Trainer Itamar Stein.

Wenn der TVR wie nach der 11:5-Führung mal schwächelte, nahm Müller-Angstenberger eine Auszeit und kleinere Änderungen vor, die auch griffen. So die Einwechslung von Zuspieler Philipp Jankowski für Federico Cipollone, der mit seiner eher sachlicheren Spielweise Stabilität reinbrachte. "Das war eine richtige Teamleistung", sagte Sven Metzger, "gegen Düren hat vielleicht Moritz Karlitzek das Spiel rausgerissen, aber diesmal konnte sich jeder auf den anderen verlassen, wenn es bei einem mal nicht so lief."

Der TVR hat seine letzte Chance auf den Klassenverbleib genutzt. "Ich habe den Jungs gesagt, wenn sie das schaffen, dann ist das emotional wie eine Deutsche Meisterschaft", sagte Müller-Angstenberger. Kann halt nur sein, dass sie dafür im letzten Hauptrundenspiel noch den Rekordmeister VfB Friedrichshafen schlagen müssen. "Dann machen wir das eben.", sagte Müller-Angstenberger grinsend.

Nach dem Spiel lief Rottenburgs Tom Strohbach auf die Tribüne zu seinen Vermietern, die ihn herzlich umarmten. Der Nationalspieler hatte schwere Wochen hinter sich. Nach der verpassten Olympia-Qualifikation für Rio de Janeiro mit der Nationalmannschaft fiel er im Verein in ein Leistungsloch, spielte zuletzt auch nicht immer von Beginn an. Auch gegen die VSG Coburg/Grub kam der Außenangreifer erst gegen Ende des ersten Satz für Routinier Dirk Mehlberg. Dann flutschte ihm bei der Annahme der Ball über die Finger zum 21:22. Doch Strohbach raffte sich auf, punktete zum 24:24 und setzte gar den Satzball. "Nach diesen Punkten ist mir ein Stein vom Herzen gefallen", sagte Strohbach. Der 23-Jährige spielte vollends durch und gut. Strohbach lo bte dabei Zuspieler Federico Cipollone: "Ohne Fede hätte ich nicht so gut gespielt." Müller-Angstenberger warb um Verständnis für Strohbachs vergangenes Leistungstief: "Für ihn ist ja mit Rio ein Traum geplatzt", sagte der TVR-Trainer, "er war das Ziehkind des Nationaltrainers, er hätte dort gespielt. Er war deshalb über Wochen leer." Aber wohl gerade rechtzeitig "voll".

Tobias Zug

 

VSG rechnet nach Punktabzug mit Abstieg

Wegen Verstößen gegen die Lizenzauflagen droht Coburg/Grub das Aus in der Bundesliga

Ganz plötzlich hat der TV Rottenburg ohne eigenes Zutun gute Chancen, in der Bundesliga zu bleiben. Denn der VSG Coburg/Grub werden mindestens sechs Punkte abgezogen. Das gab die Liga kurz vor deren Spiel beim TVR bekannt.

Rottenburg. Eigentlich waren in der Bundesliga nur der TV Rottenburg, CV Mitteldeutschland und Netzhoppers KW-Bestensee im Kampf gegen den Abstiegsplatz verwickelt. Bis Freitag. Da erhielt die VSG Coburg/Grub Post von der Liga (VBL): Wegen Verstößen gegen die Auflagen im wirtschaftlichen Lizenzierungsverfahren werden der VSG in der Hauptrunde drei Punkte abgezogen. Unter anderem seien Unterlagen nicht vollständig und fristgerecht eingereicht worden. Sollte die VSG die Auflagen in der kommenden Woche nicht erfüllen, würde ihr ein weiterer Punkt abgezogen werden.

Nach der 0:3-Niederlage und den drei Punkten Abzug sind die Coburger, die sportlich 17 Punkten hätten, damit punktgleich mit dem Drittletzten TV Rottenburg, der wenige Siege als die VSG hat. Den Coburgern macht - wie dem TV Rottenburg auch - der neue Ligaplan schwer zu schaffen, sie müssen unter anderem zwei hauptamtliche Stellen in der Geschäftsleitung schaffen. "Wir müssen also mit einem deutlich höheren Etat planen", sagt VSG-Teammanager Michael Dehler auf der VSG-Internetseite, "unser Etat war in jeder Saison auf Kante genäht, und die Einsparungen bei Fahrt-, Werbe- und Spieltagskosten sind an ihre Grenzen gestoßen."

Coburgs Trainer Itamar Stein wollte und konnte nach dem Spiel in Rottenburg nicht viel zu der Situation und den Punktabzügen sagen: "Ich bin für das Sportliche verantwortlich" Während des Spiels zog Stein den Unmut der Zuschauer auf sich: Der Coburger hatte im zweiten Satz beim Stand von 21:16 eine Auszeit beantragt - allerdings bereits zum unerlaubt dritten Mal. Weshalb ihm Hauptschiedsrichter Harald Rieger die gelbe Karte zeigte.

Doch die Diskussionen gingen weiter. Minutenlang wurde das Spiel unterbrochen. Stein ging auf Schreiber Axel Schunack zu, der ganz nervös auf seinen Bildschirm stierte und mit den Armen ruderte. Der VSG-Coach war sich nicht mehr bewusst, schon eine zweite Auszeit genommen zu haben. Die Zuschauer pfiffen. Die Spieler warteten ungeduldig. Als Stein erneut eine Auszeit beantragte, erhielt er vom Schiedsrichter die rote Karte - und der TVR damit einen Punkt zum 22:16.

Später war Stein einsichtig: "Das war mein Fehler", sagte er, "ich hatte den Schiedsrichter nicht richtig verstanden, habe mich danach auch bei ihm entschuldigt." Bei der VSG Coburg/Grub herrscht derzeit Untergangsstimmung. "Wir spielen eigentlich eine gute Runde", sagt Stein, "aber am Ende steigen wir vielleicht ab." Die VSG Coburg/Grub muss bis 1. April die Unterlagen für eine Lizenz in der ersten oder zweiten Liga bei der VBL einreichen. Für den Fall, dass dies nicht möglich ist, droht der Gang in die dritte Liga oder gar ein kompletter Verzicht auf ein hochklassiges Spielrecht. "Vielleicht gibt es ja doch noch einen Retter, der nächste Woche oder spätestens bis Ende des Monats zu Gesprächen bereit ist", wird Dehler zitiert.

 

Der Volley-Check

Dirk Mehlberg: Spielte von Beginn an, ohne große Hoch- oder Tiefpunkte.

Philipp Jankowski: Kam in den letzten beiden Sätzen für Zuspieler Federico Cipollone, sorgte für Ruhe und Ordnung.

Federico Cipollone: Umsichtig, spielfreudig, brachte sicher sein Aufschlagsspiel durch. Gegen Ende wirkte der Zuspieler aber etwas müde.

Friederich Nagel:Der Mittelblocker war wie immer überaus engagiert, machte keine Fehler im Aufschlag.

Sven Metzger: Diesmal konstant gut in allen Sätzen, tauchte nie ab, war mit 18 Punkten bester Scorer des Teams.

Felix Isaak: Starker Auftritt des Mittelblockers mit zwei Blockpunkten und gar sechs Angriffspunkten.

Tom Strohbach: Kam von der Bank, fand nach ersten Annahmefehlern stark ins Spiel.

Moritz Karlitzek: Der erneut zum MVP gewählte Außen schlägt gnadenlos die Angriffe ins gegnerische Feld, nur die Annahme ist manchmal noch wackelig.

Willy Belizer: Der Libero war diesmal nicht so oft gefordert, hatte aber einige starke Abwehraktionen.

Zu wenig oder keine Einsatzzeiten, um in die Wertung zu kommen: Lars Wilmsen, Felix Orthmann, Johannes Elsäßer. tzu

 

Angebaggert

Konkurrenz punktet

Groß feiern wollten die Rottenburger trotz dieser "sauwichtigen drei Punkte" (Diagonalspieler Sven Metzger) nicht. "Wir wissen ja noch nicht, ob wir durch sind", erläuterte TVR-Außenangreifer Tom Strohbach. Die Ergebnisse der TVR-Abstiegskonkurrenten CV Mitteldeutschland (in Lüneburg) und Netzhoppers KW-Bestensee (in Bühl) verleiteten auch nicht zur großen Sause, beide holten jeweils einen Punkt. "Bei den Netzhoppers habe ich schon damit gerechnet, denn Bühl war nach der Pokalfinal-Niederlage vielleicht niedergeschlagen", sagte TVR-Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger. Alle Konkurrenten haben zudem noch je ein Spiel mehr als der TVR. tzu


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Veranstaltung(en) zu diesem Bericht

05.03.2016 : 19:30 Uhr

Heimspiel gegen Coburg

TV Rottenburg - VSG Coburg/Grub

Heimspiel gegen Coburg



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