Homepage präsentiert von Tagblatt

News 1. Bundesliga Herren 1

0 Kommentare

TAGBLATT: Coburg spielt Schicksal


Volleyball:TVR muss Außergewöhnliches schaffen für sportlichen Bundesligaverbleib

Es wäre eine kleine Sensation, wenn der TV Rottenburg sportlich den Bundesliga-Verbleib schaffen würde. Denn dafür müsste er am letzten Hauptrundenspieltag am Samstag (19.30 Uhr) in der Tübinger Paul-Horn-Halle den Rekordmeister VfB Friedrichshafen schlagen. Doch da ist ja auch noch der Fall VSG Coburg/Grub.

Rottenburg. Am Samstag jubelten Rottenburger Spieler und Fans noch, nach dem 3:0-Sieg im Abstiegs- "Endspiel" gegen die VSG Coburg/Grub. So dürfen die Volleyballer des TV Rottenburg am letzten Spieltag wenigstens hoffen, den Klassenverbleib sportlich zu schaffen. Das Schicksal des VSG Coburg/Grub wird aber wohl über den Bundesligaverbleib des TVR entscheiden, das ist spätestens seit den Ergebnissen am Mittwoch klar. Denn nach den Siegen der TVR-Abstiegskonkurrenten VC Mitteldeutschland (3:2 gegen den TV Bühl) und Netzhoppers KW-Bestensee (3:1 gegen den TSV Herrsching) müssten die Rottenburger schon mit 3:1 oder 3:0 gewinnen und gleichzeitig auf Patzer einer der beiden Teams hoffen, um den letzten Tabellenplatz, der den Abstieg bedeutet, zu verlassen. Wäre ja alles nicht so hypothetisch, wenn der TVR-Gegner nicht der VfB Friedrichshafen wäre; ausgerechnet der deutsche Rekordmeister, gegen den Rottenburg in neun Jahren Bundesliga erst ein einziges Mal gewonnen hat.

Zwar geben sich die Rottenburger zuversichtlich, auch diese kleine Volleyball-Sensation schaffen zu können: "Wir wollen Friedrichshafen schlagen", sagte Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger nach dem Coburg-Spiel. Allerdings wird wohl eher das Schicksal der VSG Coburg/Grub über die sportliche Zukunft des TVR entscheiden. Den Coburgern hat die Liga (VBL) kurz vor dem Rottenburger Spiel drei Punkte abgezogen, weil sie gegen das wirtschaftliche Lizenzierungsverfahren verstoßen und Fristen nicht eingehalten haben. "Wir haben das vor dem Spiel gar nicht mitbekommen, nur ein paar von uns, die mit den Coburger Spielern beim Aufwärmen gesprochen haben", sagte der nach 15 Jahren beim TVR scheidende Libero Willy Belizer.

Coburg tendiert zur zweiten Liga

Mit diesem Abzug und der Niederlage beim TVR waren die Coburger wieder mittendrin im Abstiegskampf. Punktgleich mit dem TVR (14), aber besser platziert wegen der höheren Zahl der Siege (sechs gegenüber drei des TVR). Damit müsste der TVR immer noch mindestens einen Punkt gegen Friedrichshafen holen, um an der VSG vorbeizuziehen, die beim Tabellenführer Berlin Volleys im Normalfall leer ausgehen werden. Doch der VSG droht ein weiterer Punktabzug, sollte der Verein nämlich bis heute nicht die erforderlichen Unterlagen bei der VBL vorlegen, welche die wirtschaftliche Leistungsfähigkeiten nachweisen. Der VSG fehlen nach TAGBLATT-Informationen etwa 150000 Euro, um den Spielbetrieb in der Bundesliga aufrecht zu erhalten.

Große Hoffnungen hatten die VSG-Verantwortlichen dabei in den Automobilzulieferer Brose gesetzt, der vor Wochen auch schon mal ein Heimspiel der VSG-Volleyballer gekauft hatte mit 1700 Eintrittskarten. Doch die Gespräche seien negativ verlaufen: Brose setzt lieber auf Basketball, wo die Firma beim Spitzenklub Bamberg auch Hauptsponsor und Namensgeber ist. Allerdings ist der Firmeninhaber dafür bekannt, kurzfristig doch noch irgendwo als Geldgeber einzuspringen - ganz auszuschließen ist es daher nicht, dass er dies auch bei der VSG macht.

Offiziell hoffen die VSG-Verantwortlichen noch auf die Rettung. VSG-Teammanager Michael Dehler sprach von guten Gesprächen mit dem Oberbürgermeister, Vertretern des Sportamtes und des Sportverbandes. Doch wie das TAGBLATT erfuhr, sprechen hinter vorgehaltener Hand alle vom Rückzug in die zweite Liga. Ehrenamtliche Mitarbeiter wollen den Aufwand und Kraftakt nicht mehr stemmen. Das 0:3 am Mittwoch vor 900 Zuschauern gegen die Rhein-Main-Volleys glich denn auch einer Abschiedsvorstellung.

Sollte der TVR die Hauptrunde nicht als Tabellenletzter abschließen, würde er die Pre-Playoffs spielen dürfen (erstes Spiel am 16. März). Teilnahmeberechtigt sind dort die Teams von Platz 7 bis 10. Die Sieger in diesen Spielen qualifizieren sich für das Playoff-Viertelfinale. Die "unglücklichste Konstel lation", wie Liga-Pressesprecher Frank Bleydorn sagt, ergebe sich, wenn der TVR die Hauptrunde als Tabellenletzter abschließen würde. Und die VSG Coburg/Grub noch darum ringt, die wirtschaftlichen Voraussetzungen für den Ligaverbleib zu schaffen. Bleydorn: "Wir werden aber alles daran setzen, dass am Samstag Klarheit herrscht."

Mit Deutschlands erfolgreichstem Trainer

Rottenburg stellt sich jedenfalls darauf ein, mindestens diesen einen Punkt gegen den Tabellenzweiten Friedrichshafen holen zu müssen, um nicht abzusteigen. "Friedrichshafen hatte eine Saison mit Höhen und Tiefen", sagt TVR-Mittelblocker Lars Wilmsen, "sie scheinen aber immer besser in Form zu kommen." Insgesamt schätzt Wilmsen den VfB-Kader etwas schwächer ein als in der Vorsaison, "aber dennoch durchweg hochkarätig besetzt." Und im 65-jährigen Stelian Moculescu hat der VfB den erfolgreichsten Volleyball-Trainer Deutschlands. Schöner als mit einem Erfolg gegen diesen VfB könnte der TV Rottenburg diese verkorkste Hauptrunden-Saison also kaum abschließen.

Jubeln mit Willy, Abschied nehmen von Belizer

Verabschiedet wird am Samstag in der Tübinger Paul-Horn-Halle so oder so TVR-Libero Willy Belizer. Nach 15 Jahren im Klub hört der 30-Jährige nach der Saison auf (wir berichteten). Die Ehrung bei seinem "Abschiedsspiel" wird nach Spielende vom TVR-Vorsitzenden Klaus Maier vorgenommen. Direkt vor dem Spiel fordert der Klub alle Fans auf, Willy Belizer gemeinsam "auf Wiedersehen" zu sagen. Zudem veranstaltet die AOK-Krankenkasse einen Fotowettbewerb unter dem Motto "Jubeln mit Willy". Gesucht werden Fans mit der besten Jubelpose. Dabei gibt es Preise zu gewinnen. Die Fotos werden ab Hallenöffnung aufgenommen. Die Gewinner des Wettbewerbs werden in der Zehn-Minuten-Pause bekanntgegeben, und die fünf besten Bilder werden auf der Videoleinwand zu sehen sein.

Tobias Zug


Bildergalerie zu diesem Bericht




Veranstaltung(en) zu diesem Bericht

12.03.2016 : 19:30 Uhr

Letztes Saisonspiel gegen den deutschen Meister

TV Rottenburg - VFB Friedrichshafen

Letztes Saisonspiel gegen den deutschen Meister



Weiterführende Links



VBL Logo KSK Tübingen Volleyballdirekt