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TAGBLATT: Den Stecker gezogen


TV Rottenburg gibt gegen Herrsching 2:1-Satzführung her - und verpasst das Entscheidungsspiel

Die Saison ist vorbei: Rottenburgs Volleyballer haben sich vor 1100 Zuschauern gegen den TSV Herrsching mit einem 2:3 (21:25, 28:26, 25:23, 18:25, 10:15) aus den Pre-Playoffs verabschiedet. Und boten eine Berg- und Talfahrt, die irgendwann an die komplette Saison erinnerte.

Tübingen.Der letzte Ball war dann nochmal symptomatisch für die ganze Saison. Tom Strohbach schmetterte seinen Angriffsschlag ins Aus. 10:15 musste der TVR den fünften Satz hergeben. Die Augen von Rottenburgs Zuspieler Federico Cipollone waren tränenrot. Weniger ob der Enttäuschung wegen des Ausscheidens in den Pre-Playoffs, sondern viel mehr ob dieser denkwürdigen Saison. Und dass die nun zu Ende ist.

Dabei waren die Rottenburger auf einem so guten Weg, in der kommenden Wochen dann doch nochmal nach Herrsching fahren zu dürfen. Denn: "Wir hatten den Gegner da, wo wir ihn haben wollten", sagte TVR-Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger. Rottenburg führte mit 2:1-Sätzen, Herrschings Trainer Max Hauser nahm sein "Herzstück" (Müller-Angstenberger) raus: Zuspieler Patrick Steuerwald. Der klagte über Schmerzen am Daumen, "und hat auch nicht so gut gespielt", sagte Hauser. Doch dann kippte das Spiel - ein zweites Mal.

Die Herrschinger starteten besser ins Spiel, gewannen den ersten Durchgang relativ problemlos. Der TVR hatte zwar seine Probleme in der Annahme von der klaren 0:3-Pleite in Spiel eins abgestellt, doch im Blockspiel haperte es nun. Mit Erfolg: Der TVR wurde stärker, aber der selbsternannte "Geilste Club der Welt" aus Bayern hielt dagegen. Einige strittige Schiedsrichterentscheidungen heizten die Stimmung auf. Beide waren im zweiten Satz lange gleichauf, bis Herrsching davon zog - und beim 24:21 drei Satzbälle hatte. "Wir hatten alles im Griff", sagte Daniel Malescha, der mit 27 Punkten bester Herrschinger war. Aber Herrsching vergab halt alle Satzbälle. Als dann Sven Metzger punktete und Daniel Malescha den Ball ins Aus hievte, tobte die Halle: Satzausgleich! "Rottenburg hatte plötzlich Oberwasser", sagte TSV-Coach Hauser.

Und der TVR ließ nicht nach. Spielte weiter mutig und wirkte weitaus weniger gehemmt als dies noch im ersten Satz der Fall war. Bei Rottenburgs 6:3-Führung im dritten Abschnitt nahm Hauser schon die Auszeit, der TVR spielte aber ungehindert weiter. "Und dann es ist schwer, gegen so eine Wand zu spielen", sagte Hauser. Die Anzeigetafel gab ihm recht. 12:6 führte Rottenburg, später noch 23:18. Müller-Angstenberger hatte rotiert, doch als Friederich Nagel zwei leichte Bälle verschlug und der TSV auf 21:23 herankam, ruderte Rottenburgs Trainer zurück. Lars Wilmsen und Federico Cipollone kamen zurück aufs Feld, der TVR brachte den Satz durch. Moritz Karlitzek nutzte gleich den ersten Satzball.

Im vierten Satz spielte Herrsching dann ohne Steuerwald. "Beide Teams sind da schlechter geworden", sagte Müller-Angstenberger, der seinem Team in den Sätzen zwei und drei "perfektes Volleyball" attestierte. Bis zum 14:14 war Satz vier ausgeglichen. Norbert Vollmer, der Geschäftsführer des TVR, hatte sogar schon einen 3:1-Sieg für Rottenburg in die vorgefertigte Pressemitteilung getippt. Dann hatte Felix Isaak den Punkt für den TVR schon gemacht, aber auch das Netz berührt. Statt 15:15 zog Herrsching auf 16:14 davon und legte dann richtig los. Von den letzten neun Ballwechseln gewann der TVR nur noch zwei.

Der Entscheidungssatz musste her. Einen solchen hatte Rottenburg in der gesamten Saison noch nicht gewonnen. Und diese Serie sollte halten. Lediglich mit 1:0 führte der TVR im Schlussabschnitt, blieb dann bis zum 5:5 dran - und wurde abgehängt. "Wir haben am Ende einfach mehr Fehler als der Gegner gemacht", sagte TVR-Mittelblocker Lars Wilmsen.

Das Aus kam für den TVR nicht überraschend. "Der Stecker war nach dem Friedrichshafen-Spiel irgendwie gezogen", sagte Müller-Angstenberger. So viel Spannung fiel mit dem Klassenerhalt ab. Und aller spätestens, als der letzte Ball von Strohbach außerhalb des Feldes wieder auftitschte.

Wir haben zwei Sätze perfektes Volleyball gespielt.1100 Zuschauer waren am Samstagabend in die Paul-Horn-Arena gekommen. Mehr als doppelt so wenige als noch beim letzten Hauptrundenspiel gegen den VfB Friedrichshafen. Die Verantwortlichen sahen darin mehrere Gründe: "Friedrichshafen war mit der Verabschiedung von Willy Belizer hoch emotional, irgendwie der Höhepunkt", sagte TVR-Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger. Der kommende Manager Philipp Vollmer erklärte sich das Fernbleiben einiger Anhänger auch mit den vielen Heimspielen in den vergangenen Wochen. Und: "Wir hatten jetzt auch wenig Zeit, das Spiel noch richtig zu vermarkten." Sei's drum. Der Trainer bedankte sich bei allen die da waren: "Ihr wart da und habt uns in dieser Saison immer geholfen."

Moritz Hagemann

 

 

Kein neuer Stammlibero

Vier Spieler haben beim TVR noch Vertrag: die Zukunftsplanung

Der neue TVR-Geschäftsführer Philipp Vollmer bastelt mit Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger ab sofort an der neuen Saison. Klar ist: Trotz der turbulenten Spielzeit forcieren die Verantwortlichen keinen Umbruch. Und vertrauen vor allem auf Libero Johannes Elsäßer.

Tübingen. Hans Peter Müller-Angstenberger machte es noch einmal deutlich: "Ich stehe hinter jedem einzelnen Spieler dieser Mannschaft!" Vier davon wird der TVR-Coach in der nächsten Saison sicher noch haben: Dirk Mehlberg, die beiden Mittelblocker Felix Isaak und Friederich Nagel sowie Libero Johannes Elsäßer. Der wird aufsteigen. Denn der Klub plant nicht, einen Ersatzmann für Willy Belizer zu holen, der seine Laufbahn beendet. "Vielleicht holen wir einen jungen Libero dazu", sagte Müller-Angstenberger. Aber Eläsßer habe die vergangenen beiden Jahre hart an sich gearbeitet, "er ist soweit", findet der Trainer.

Nachdem vor rund einer Woche der Klassenverbleib gesichert war, habe er sich nun "erste Signale" von den Spielern eingeholt, sagt Philipp Vollmer, der neue Manager. Einige davon wollten am Samstagabend eine Treuebekenntnis vermeiden. Lars Wilmsen beispielsweise, der seine wenige Spielzeit in dieser Saison meist effektiv nutzte. "Ich kann dazu noch gar nichts sagen", sagte er. "Jetzt ist der Kopf erstmal leer", ergänzte Philipp Jankowksi, Rottenburgs Kapitän. Dessen Vertrag läuft genauso aus wie der von Federico Cipollone. Der hatte zuletzt im Zuspieler-Duell gegen Jankowski meist den Vorzug erhalten.

Die Bestverdiener beim TVR, das verneinte Vollmer gar nicht, sind aber die Außenspieler Moritz Karlitzek und Nationalspieler Tom Strohbach. Letzterer hatte selbst eine durchwachsene Saison, auch Karlitzek verpasste viele Spiele wegen seiner Verbrühung. Deshalb, sagt Vollmer, "wäre ein weiteres Jahr bei uns für seine Entwicklung gut." Dass der TVR beide Spieler gerne behalten würde, das stehe außer Frage.

Setzen die Rottenburger auch im Diagonalangriff auf Kontinuität? Felix Orthmann könnte bleiben, er hat eine Option im Vertrag. Die hat auch Sven Metzger. Müller-Angstenberger betont, die Saison nochmals gründlich analysieren zu wollen, bevor grundlegende Entscheidungen zu treffen seien. Eine ist schon getroffen: Das Urgestein bleibt. "Der Hans wird auf jeden Fall unser Coach bleiben", sagte Vollmer. Einen anderen könnte der Klub in diesem Umfeld auch schlecht verkaufen.

Kein Wildern in Coburg

Von der VSG Coburg/Grub holte der TVR im vergangenen Sommer Moritz Karlitzek. Nun ist die VSG abgestiegen, plagt sich mit großen Finanzproblemen. Das könnte Klubs wie den TVR auf den Plan rufen. Aber: "Ich habe diesbezüglich noch nichts unternommen", sagte Phi-lipp Vollmer, der neue TVR-Manager. In Coburg spielten unter anderem der Ex-Rottenburger Timon Schippmann sowie Lubos Kostolani, einer der besten Scorer der Liga.

Moritz Hagemann

 

Angebaggert

Manager verabschiedet

Das Spiel gegen Herrsching war für Daniel Mey nach zwei Jahren der Abschluss beim TV Rottenburg. "Ich brauche noch ein bisschen, das zu realisieren", sagte der 41-Jährige. Beim TVR habe er eine schöne Zeit als Manager erlebt, auch "weil es mir von allen einfach gemacht wurde, hier zu arbeiten." Am Samstag habe er vor dem Spiel eine ganz andere Anspannung als sonst ausgemacht, sagte Mey. Aus persönlichen Gründen zieht es ihn zurück in die Heimat in den Kölner Raum. Dort, sagt Mey, "werde ich vielleicht nichts mit dem Volleyball und dem Sport zu tun haben. Mehr kann ich aber noch nicht sagen." Zum Abschluss sagte Mey noch zu TVR-Gesamtvereins-Geschäftsführer Norbert Vollmer ob seines Trikots zum Abschied: "Siehst du, für ein paar Aufschläge hätte ich immer rein können."

Gruß an Moculescu

Nie den TV Rottenburg werde er trainieren, sagte Stelian Moculescu, bei seiner Abschiedspressekonferenz. Der Trainer des VfB Friedrichshafen hatte vergangene Woche seinen Rücktritt zum Saisonende erklärt. Und war nie ein Freund von TVR-Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger gewesen. Der wünschte am Samstag den Herrschingern viel Glück. Die spielen im Playoff-Viertelfinale nun gegen Friedrichshafen. Müller-Angstenberger: "Da können sie dem Herrn Moculescu ja ein schönes Abschiedsgeschenk machen."

Für Herrsching teurer

Die wachsenden Anforderungen der Volleyball-Bundesliga gehen an keinem Klub spurlos vorbei. So müssen in der neuen Saison in den Bundesliga-Hallen spezielle Böden verlegt werden. Den TVR kostet diese Anschaffung 25 000 Euro. Da trifft es die Herrschinger noch härter. Deren Mediendirektor André Bugl sprach in der Paul-Horn-Arena von 65 000 Euro für den Boden in der Herrschinger Nikolaushalle. Problem: Dort kann der Boden, den der TVR beschafft, nicht zehn Stunden vor den Spielen ruhen. Deshalb benötigen die Herrschinger eine spezielle Steck-Konstruktion. Der Masterplan ist für alle eben eine Herausforderung. itz

 

Der Volley-Check

Dirk Mehlberg: In der Annahme stark, im Angriff mit Luft nach oben. Ab dem zweiten Satz nur noch draußen.

Federico Cipollone: Der Zuspieler rechtfertigte nochmal, warum er den Vorzug vor Kapitän Philipp Jankowski erhielt. Viel auch durch eine gelbe Karte und ein wortgewaltiges tête-à-tête mit Herrschings Libero Ferdinand Tille auf.

Friederich Nagel: Seine Fehler brachten Herrsching im dritten Satz nochmal ran.

Sven Metzger: Ordentliches Spiel. Die Angriffsquote (38%) ist nicht gut, dafür machte er aber 15 Punkte.

Felix Isaak: Vier Blocks, zehn Punkte. Der Mittelblocker spielte stark.

Lars Wilmsen: Wieder einmal nutzte er seine Einsatzzeit. Beste Angriffsquote (78%) aller Rottenburger, zwölf Punkte insgesamt, dazu vier Blocks.

Tom Strohbach:Startete ganz schwach, wurde aber stark. Am Ende waren mehr als die Hälfte der Angriffe erfolgreich. Makel: Fünf Aufschlagfehler bei 14 Versuchen.

Felix Orthmann: Rotierte immer wieder für Metzger ins Spiel. Er spielte wie in der gesamten Saison. Fiel nicht besonders auf, aber auch nicht ab.

Moritz Karlitzek: Mit Schwung aus dem Rückfeld sind seine Angriffsschläge nicht zu parieren. Mit 20 Punkten nicht nur TVR-Topscorer, sondern auch als bester Rottenburger gewählt - zurecht!

Willy Belizer: Das letzte Spiel seiner Laufbahn. Die Annahme (56% positiv) funktionierte zum Abschluss auch nochmal sehr gut.

Keine oder zu kurze Einsatzzeit, um in die Wertung zu kommen: Philipp Jankowski, Johannes Schief, Johannes Elsäßer.


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Veranstaltung(en) zu diesem Bericht

19.03.2016 : 19:30 Uhr

Pre-Playoffs Saison 15/16

TV Rottenburg - TSV Herrsching

Pre-Playoffs Saison 15/16



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