Homepage präsentiert von Tagblatt

News 1. Bundesliga Herren 1

0 Kommentare

TAGBLATT: Ohne Stars in der weiten Welt


Volleyball: Am Freitag jährt sich der erste Bundesliga-Aufstieg des TVR zum zehnten Mal

Der 25. März 2006 ist in der Geschichte des Volleyball beim TV Rottenburg ein historisches Datum. Morgen vor zehn Jahren machte der TVR den ersten Aufstieg in die Bundesliga perfekt. Damals schon dabei: Hans Peter Müller-Angstenberger (43), der vor zehn Jahren in Pink jubelte.

Rottenburg. So richtig, sagt Matthias Pompe, könne er sich gar nicht mehr erinnern. Die Anfänge der Partynacht wisse er noch - dann reißt der Faden nach jenem Spiel an diesem Samstag im März 2006. Die ersten beiden Sätze hatte der TV Rottenburg gegen den TuS Durmersheim schon gewonnen, führte auch im dritten Satz mit 8:4. Hallensprecher Julien Clin hatte mit seinem Kollegen Uwe Schröder schon ein Fläschchen Prosecco geleert. Und ließ die Hohenberghalle zu Beginn des dritten Satzes wissen: "Zur Meisterfeier gehen wir alle in den Hirsch!"

Dann kippte das Spiel. Statt in den Hirsch ging's erstmal in den vierten Satz - und sogar in den Tie-Break. Den holte sich Rottenburg dann aber mit 15:10. "So seh'n Sieger aus", grölten über 1000 Fans in der Halle. "Wir sind sogar nach der Dusche nochmal für eine Polonaise rausgekommen", erinnert sich Pompe. Die Hohenberghalle, ergänzt Mittelblocker Alexander Haas, sei "sensationell" gewesen. "Bei dem Spiel sowieso", sagt er, "man kannte so viele und die standen ja quasi direkt am Spielfeld, so viele Zuschauer wie bei diesem Spiel da waren." So eine Halle gebe es in der Bundesliga nicht mehr, sagt Pompe, der heute noch für Düren dort schmettert.

Das Gesicht des Rottenburger Volleyballs war 2006 schon Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger. Der sagt heute: "Damals wurde ein Traum war." Drei Jahre zuvor war der TVR erst in die zweite Liga aufgestiegen, "und auch das war schon nicht geplant." Im zweiten Zweitliga-Jahr erst Vizemeister, dann der Aufstieg. Wenn er heute daran zurückdenke, sagt der Trainer, würden ihm vor allem Spieler in den Sinn kommen: wie Willy Belizer, Gefängnis-Freigänger Stjepan Masic, der ehemalige Skispringer Matthias Klippel oder sein heutiger Co-Trainer Karsten Haug. Und die Gedanken an die Bundesliga: "Es war schon ein ganz abartiges Gefühl: Wir in der großen, weiten Welt, ohne zu wissen, was da auf uns zu kommt." Da kamen: Begegnungen mit Größen des Volleyballs - wie Stelian Moculescu, Friedrichshafens Trainer, der Müller-Angstenberger einst aufforderte, er solle doch ein Cheerleader-Röckchen anziehen und habe in der Bundesliga nichts zu suchen.

Doch Klub und Trainer nahmen die Herausforderung an und verschafften sich selbst einen Namen. Auch, weil Rottenburg schon zu Zweitliga-Zeiten den Umzug in die damalige Tü-Arena forciert und mit Jörg Papenheim einen hauptamtlichen Manager angestellt hatte. Der TVR stieg zwar gleich wieder ab, schaffte aber direkt den Wiederaufstieg. Mit Highlights: dem Fünf-Tages-Trip nach Sibirien bei der einzigen Europapokal-Teilnahme, der emotionalen 1:3-Pokal-Pleite im Halbfinale gegen Moers 2012 oder vielen packenden Bundesliga-Duellen (siehe Artikel rechts). Der größte TVR-Erfolg ist aber unbestritten: die Etablierung in der Bundesliga.

Weil der Klub seinem Credo immer treu blieb. Müller-Angstenberger sagte dem TAGBLATT am Abend des Aufstieges 2006 schon: "Wir kaufen keine Stars!" Alexander Haas, der 2006 den entscheidenden Ball machte, erinnert sich: "Wir waren eine No-Name-Truppe." Und Pompe ergänzt: "Der Zusammenhalt war enorm, wir waren Freunde. Und jeder hat sich dem Erfolg untergeordnet." Es erfülle ihn zu einem hohen Maße mit Stolz, so der Trainer, dass der TVR für Entwicklung und menschliche Werte stehe: "Wir sehen Spieler als ganze Menschen und nehmen nicht nur eine volleyballerische Leistung auf." Bis heute, bis hin zu Spielern wie Tom Strohbach oder Moritz Karlitzek, die "bei uns Verantwortung lernen und ihren dualen Weg gehen können", sagt der Coach.

So meisterte der TVR Situationen, die auf die Kasse und das Gemüt drückten: den Ausstieg von Hauptsponsor EnBW 2012 oder die sportliche Krise in der jüngsten Vergangenheit - denn eine größere gab es nie. Aber auch den Abstieg im Sommer 2007. Dennoch sagt P ompe: "Der Aufstieg 2006 kam zur richtigen Zeit." Nach einem Bundesliga-Lehrjahr wurde der TVR gleich wieder Zweitliga-Meister: bei der TuS Kriftel. "Da haben wir die Halle verwüstet", erinnert sich Pompe. Und die Feier? Spontan! "Die Nacht haben wir in irgend so 'nem Rockschuppen in Frankfurt verbracht", weiß Pompe. Immerhin kann er sich an diese Feier noch erinnern. Archivbild: Ulmer

Karsten Haug war 2008 noch Zuspieler beim TV Rottenburg. Heute ist er Co-Trainer von Hans Peter Müller-Angstenberger. Zwei Spiele vom Meisterteam 2006 sind sogar noch in der Bundesliga aktiv: Matthias Pompe und Jaromir Zachrich spielen beide für Düren. Willy Belizer jetzt nicht mehr, der Libero absolvierte am letzten Samstag das letzte Spiel seiner Laufbahn. Stefan Schmeckenbecher wurde 2013 zum Volleyball-Abteilungsleiter des TVR gewählt, zwischenzeitlich von Ingo Straten aber abgelöst. Kapitän der Meistermannschaft von 2006 war Thomas Welz, der mittlerweile bei den Tübinger Stadtwerken tätig ist. Kurze Zeit sprang Welz 2009 sogar als Ersatzmann beim Rekordmeister VfB Friedrichshafen ein. Stefan Schneider hat nach dem Karriereende 2011 sogar eine Sportmarketing-Firma gegründet, arbeitet mittlerweile aber bei einer Böblinger Firma. Sogar als "Marketing Supervisor" der Champions League im Handball ist Alexander Haas, der damals den Matchball gegen Durmersheim verwandelte, tätig. Stjepan Masic, der damals als Gefängnis-Freigänger für den TVR spielte, trainierte 2008 noch die Regionalliga-Volleyballer des VfB Ulm. Dann verliert sich seine Spur.

Alexander Haas war es 2006 vorbehalten, den entscheidenden Ball zum Aufstieg des TV Rottenburg zu verwandeln. Heute hat der 33-Jährige mit dem Volleyball nicht mehr viel zu tun. Obwohl er nach seinem TVR-Abgang die Regionalliga-Damen in Neuwied trainierte und als Spielertrainer in der zweiten Liga in der Schweiz tätig war. Beruflich ist er in der Finanzverwaltung des Vereins SG Stern Sindelfingen tätig. Das ist der Betriebssportklub von Daimler in Sindelfingen mit 9700 Mitgliedern. Und dann hat Haas ja noch diesen interessanten Nebenjob, zu dem er durch ein Praktikum beim Handball-Bundesligisten SG Flensburg-Handewitt gekommen ist. Denn Haas arbeitet als "Marketing Supervisor" für den europäischen Handballverband (EHF) in der Champions League. "Vier, fünf Mal im Jahr", sagt Haas, sei er bei Spielen. Erst vor 20 Tagen weilte er zum Spiel zwischen dem HC Brest und den Dänen von Skjern in Weißrussland. Haas kontrolliert dann Dinge wie Werbebanden oder Aufkleber auf dem Spielfeld. In Zukunft will Haas kürzertreten. Im Sommer wird er zum zweiten Mal Vater. Tochter Emma ist drei Jahre alt.

Karsten Haug war 2008 noch Zuspieler beim TV Rottenburg. Heute ist er Co-Trainer von Hans Peter Müller-Angstenberger. Zwei Spiele vom Meisterteam 2006 sind sogar noch in der Bundesliga aktiv: Matthias Pompe und Jaromir Zachrich spielen beide für Düren. Willy Belizer jetzt nicht mehr, der Libero absolvierte am letzten Samstag das letzte Spiel seiner Laufbahn. Stefan Schmeckenbecher wurde 2013 zum Volleyball-Abteilungsleiter des TVR gewählt, zwischenzeitlich von Ingo Straten aber abgelöst. Kapitän der Meistermannschaft von 2006 war Thomas Welz, der mittlerweile bei den Tübinger Stadtwerken tätig ist. Kurze Zeit sprang Welz 2009 sogar als Ersatzmann beim Rekordmeister VfB Friedrichshafen ein. Stefan Schneider hat nach dem Karriereende 2011 sogar eine Sportmarketing-Firma gegründet, arbeitet mittlerweile aber bei einer Böblinger Firma. Sogar als "Marketing Supervisor" der Champions League im Handball ist Alexander Haas, der damals den Matchball gegen Durmersheim verwandelte, tätig.

Moritz Hagemann

 

Fürs Geschichtsbuch

Volleyball:TVR-Highlights aus der Bundesliga
Aufstieg, Abstieg, Wiederaufstieg - und seit 2008 ist der TV Rottenburg fester Bestandteil der Volleyball-Bundesliga. Das TAGBLATT erinnert an Bundesliga-Meilensteine des Klubs.

1. 16. September 2006: Das erste Spiel der Rottenburger Bundesliga-Geschichte - bei dem der TVR gleich eine 2:1-Satzführung verspielte und beim Mitaufsteiger Königs Wusterhausen mit 2:3 verlor.

2. 5. Januar 2007: An einem Freitagabend sollte es passieren. Die Rottenburger Siegpremiere im Oberhaus. Ein klares 3:0 gegen Delitzsch. "Mein bestes Spiel für Rottenburg", sagte Matthias Pompe. Die Zuschauer hielten dem TVR schon damals die Treue: 2200 sahen den Sieg - nachdem der TVR mit neun Pleiten in die Saison startete.

3. 5. Oktober 2008: Der erste Sieg nach dem Wiederaufstieg, eine 3:1-Überraschung gegen Moers. "Der beste Einstand, den wir je haben konnten", urteilte TVR-Spieler Benny Stefanski.

4. 4. April 2009: Relativ chancenlos war der TVR beim 0:3 in Friedrichshafen. Historisch war's trotzdem. Denn es war das erste Playoff-Spiel in Rottenburgs Bundesliga-Historie. Elf weitere "richtige" Playoff-Spiele folgten - einen Sieg gab's für den TVR nie. Ausnahme: die Pre-Playoffs.

5. 11. Oktober 2009: "Sensation in der Schmeling-Halle", titelte das TAGBLATT. Der TVR hatte vor 4600 Zuschauern mit 3:2 beim SCC Berlin gewonnen, damals schon Titelkandidat, heute als Berlin Recycling Volleys unterwegs. "Historisch, emotional überbordend und einfach phänomenal", beschrieb der damalige TVR-Kapitän Pompe den Sieg. Erstmals hatte Rottenburg einen der großen Drei Deutschlands besiegt.

6. 27. Januar 2013: Der zweite Große fiel erst mehr als drei Jahre später. Und der TVR feierte wieder die Sensation in fremder Halle. Jetzt in Haching (3:1), wo der Coach in der Kabine sogar eine Bierdusche abbekam. Spektakulär wie Dirk Mehlberg den TVR-Satzball im vierten Satz verwandelte: "Den machst du vielleicht einmal im Leben", sagte Müller-Angstenberger.

7. 2. Februar 2013: Die Riesensensation: Rottenburg schlägt Rekordmeister VfB Friedrichshafen mit 3:2 - das erste Mal in der Vereinsgeschichte. "So muss es sich im Himmel und im Paradies anfühlen", grölt der Coach, nachdem ihn die Spieler auf den Händen durch die Horn-Arena schmissen. Das TAGBLATT gab Dirk Mehlberg, Michael Neumeister und Willy Belizer die Bestnote.

8. 13. März 2013: Die Verantwortlichen waren sich einig. "Das erste richtige Entscheidungsspiel der Vereinsgeschichte", sagte der damalige TVR-Manager Jörg Papenheim. Müller-Angstenberger legte nach: "So ein Alles-oder-nichts-Spiel habe ich noch nie erlebt." Und der TVR gewann es, mit 3:2 gegen KW-Bestensee. Playoffs statt Playdowns - Abstieg ade!

9. 26. Oktober 2014: Drei Spiele, drei Siege, 9:3-Sätze - der TVR ist nach dem 3:2-Erfolg bei den Netzhoppers: Tabellenführer! Müller-Angstenberger wollte das Tableau "fotografieren, einrahmen und übers Bett hängen". Zwar schaffte der TVR das zum Auftakt der Saison 2009/10 auch, da aber am ersten Spieltag, als noch gar nicht alle Teams aktiv waren.

10. 14. Februar 2016: 14 Spiele in Serie verlor der TVR, dessen denkwürdigste Negativ-Serie der Bundesliga-Geschichte. Dann kam Düren, ein 3:1. " "Ich liebe diese Mannschaft", sagte Müller-Angstenberger. Eine Liebe, die wohl nie endet. itz


Weiterführende Links



VBL Logo KSK Tübingen Volleyballdirekt