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Tagblatt: Viel Aufregung, wenig Ertrag


Der TV Rottenburg verliert das letzte Hauptrunden-Spiel gegen die SVG Lüneburg in Tübingen mit 0:3 (17:25, 14:25, 21:25).

Aufregung gab gestern Nachmittag einige in der Tübinger Paul-Horn-Arena. Und das, obwohl das Spiel sportlich recht einseitig war. Da echauffierte sich beispielsweise der frühere Nationalspieler Georg Grozer senior, Vater von Rottenburgs Tim Grozer. Der regte sich furchtbar über die Schiedsrichter auf: "Er hat keine Ahnung", schimpfte Grozer nach dem Spiel von der Tribüne herab in Richtung Nils Weickert. "Das ist einfach lächerlich, wie er da oben sitzt. Das ist eine Riesensauerei." Vier Fehlentscheidungen im dritten Satz kreidete Grozer dem Referee an. Rottenburgs Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger drückte seine Kritik diplomatischer aus: "Die Frage ist immer, diene ich dem Spiel oder stelle ich mich über das Spiel", sagte er. "Ich habe den Eindruck gehabt, er hat dem Spiel da nicht gedient."?

Zu Beginn des ersten Satzes hielt Rottenburg vor offiziell 1750 Zuschauern in der Tübinger Paul-Horn-Arena bis zu Lars Wilmsens erfolgreichem Angriff durch die Mitte zum 7:7 gut mit. Doch dann zog Lüneburg mit einer Aufschlagserie von Michel Schlien davon. Bemerkenswert die Art des Mittelblockers, seine Aufschläge zu zelebrieren: Aus der Hocke warf er den Ball in die Luft, sprang hinterher und schlug einen Flatterball übers Netz. Beim 7:11 nahm Rottenburg eine Auszeit. Doch es half nichts.

Jeder mit sich selbst beschäftigt

Beim 9:15 versuchte Trainer Müller-Angstenberger noch mal den Lüneburger Rhythmus zu unterbrechen - ohne Erfolg. Wilmsen durch die Mitte auf Zuspiel von Jankowski zum 16:22 zeigte, wie es gehen könnte. Doch das blieb Stückwerk. Ein Aufschlag von Tim Grozer ins Netz beendete den Satz beim Stand von 17:25. Von TVR-Trainer Müller-Angstenberger gab's ein Lob für den Gegner: "Lüneburg spielt's super." Und mahnende Worte ans eigene Team: "Ich mache keinem Einzelnen einen Vorwurf", sagte er. "Aber jeder Einzelne war mit sich selbst beschäftigt und hat für sich gespielt. Deshalb sind wir nicht als Mannschaft aufgetreten."

Aufregung gab's zuletzt übrigens auch bei Lüneburgs Trainer Stefan Hübner zu Hause: Der wurde am Freitag zum zweiten Mal Vater - Sohn Benjamin kam zur Welt. Deshalb vertrat ihn Co-Trainer Bernd Schlesinger gegen Rottenburg an der Seitenlinie - mit Erfolg: "Wir waren in den ersten beiden Sätzen sehr, sehr dominant", analysierte er.

Auch im zweiten Durchgang nahm der TVR beim Stand von 0:3 schnell eine Auszeit - und arbeitete sich dann ran auf 7:9. Eine Auszeit von Lüneburg sowie eine Aufschlagserie von Cody Kessel folgten - und Lüneburg war auf 13:8 weggezogen. Beim 9:15 wieder eine Auszeit des TVR. Müller-Angstenberger stand jetzt immer häufiger etwas hilflos wirkend am Spielfeldrand und kratzte sich am Kopf.

Lüneburgs körperlich überlegene Angreifer - der Verein nennt seine Spieler selbst marketinggerecht "Lüne-Hünen" - schlugen den Rottenburgern die Bälle teilweise nur so um die Ohren und stellte die Block- Feldabwehr vor große Probleme. Die SVG dagegen stand stabil im Block, was auch die zwölf direkten Blockpunkte zeigen (zum Vergleich: Rottenburg kam auf drei Blockpunkte). Beim 11:18 gab's bei Rottenburg einen Zuspieler-Wechsel: Federico Cipollone kam für Philipp Jankowsik. Schlien beendete den Satz mit seinem Punkt zum 25:14 für Lüneburg. Damit war klar, dass Rotteburg nicht mehr auf Rang acht vorrutschen konnte.

Nachdem Rottenburg schon zuvor kräftig durchgewechselt hatte, kam im sportlich bedeutungslosen dritten Satz auch Diagonal-Angreifer Ferenc Németh für Sven Metzger. Und dank Némeths Angriffsspiel war's bis zum Stand von 12:13 auch eng. Doch dann zog Lüneburg wieder davon. Aufregung gab's dann noch mal, als Cipollone die rote Karte sah, weil er mit einer Schiedsrichter-Entscheidung nicht einverstanden war und das Publikum mit Handbewegungen zum Protest animierte. "Das war einfach dumm", sagte Cipollone später selbstkritisch. Grozers einfacher Dankeball ins Aus beendete das Spiel. Doch dann regte sich der Senior erst so richtig auf.

Wenn einem 107 Kilogramm in die Beine rauschen

Wenn's mal nicht läuft: Beim Einspielen zwischen Satz eins und zwei rutschte Rottenburgs 107-Kilogramm-Diagonalangreifer Ferenc Németh beim Versuch, einen Ball noch zu erhechten versehentlich Zuspieler Federico Cipollone in die Beine. Der sackte daraufhin zusammen und blieb kurze Zeit liegen. Nachdem er wieder aufgestanden und Richtung Spielfeldrad gelaufen war, gab's einen wütenden Tritt gegen einen Stuhl. Németh entschuldigte sich und Cipollone legte Eis auf das erst im August operierte Knie. Der Zuspieler kam anschließend zwar ins Spiel. Ob im Knie was passiert ist, konnte er aber nicht sagen: "Das wird man morgen sehen", sagte er nur.

Angebaggert

1400 Kilometer für ein Spiel

?Es ist eine der weiteren Reisen innerhalb der Volleyball-Bundesliga - dennoch machten sich auch eine Handvoll Fans aus Lüneburg auf den 700 Kilometer langen Weg nach Tübingen. Los ging's für die fünf Anhänger am Sonntagmorgen um vier Uhr mit dem Auto. "Es wollten noch mehr mit, aber leider geht gerade die Grippewelle um", sagte Norbert Glapa vom Fanclub "Lüne-Block". Und war angetan von der Stimmung: "Die Atmosphäre hier ist wirklich toll."

Noch Sympathien für den TVR

Sechs Jahre lang spielte Matthias Pompe von 2005 bis 2011 im TVR-Trikot. Und er kam wie gewohnt gerne zurück: "Es ist für mich immer speziell hier", sagte der 33-jährige Lüneburger Außenspieler gestern: "Ich hatte eine schöne Zeit und habe auch nach meinem Ende als Spieler noch lange hier gewohnt. Leider gibt es an Spieltagen viel zu wenig Zeit, um mit allen zu reden." Natürlich liege ihm der TVR weiter am Herzen: "Es würde mich echt freuen, wenn das hier mit Bundesliga-Volleyball weitergehen würde", sagte Pompe mit Blick auf die Sponsorensuche.

Mehr Möglichkeiten in Hamburg

Für die Playoffs muss Lüneburg umziehen: Da die eigene Halle wegen ihrer Größe nicht zugelassen ist, geht's in die 2200 Zuschauer fassende CU-Arena nach Hamburg. Für Matthias Pompe Vor- und Nachteil zugleich: "Natürlich hätten wir gerne in unserer Halle gespielt. Aber in der Hamburger Halle kann man auch ganz anderen Volleyball spielen", sagt der Ex-TVR-Spieler: "Vor allem die Höhe und größere Weite bieten mehr Optionen." Deshalb werden die Lüneburger vor den Playoffs gegen Düren auch drei Mal in der CU-Arena trainieren.

Auf dem richtigen Weg, aber noch nicht am Ziel

Fahrplan für die Restsaison Zur Lage des TV Rottenburg nach dem Ende der Hauptrunde in der Bundesliga.

Bewegte Tage für den TV Rottenburg. Nach dem Ende der Hauptrunde laufen die Planungen für die Pre-Playoffs und natürlich die Sponsorensuche auf Hochtouren. Das TAGBLATT hat mit dem TVR-Manager über den aktuellen Stand gesprochen. Philipp Vollmer über.

.die finanzielle Lage: "Es hat sich was entwickelt, aber wir sind noch nicht über den Berg", sagt Vollmer, der die Lücke im Etat nach eigenen Angaben schon verkleinern konnte: "Sie ist nicht mehr sechsstellig." Mehrere Zusagen von Sponsoren würden vorliegen. "Aber jetzt geht es halt in den nächsten beiden Wochen in den Gesprächen um den genauen Betrag", sagt der Diplom-Kaufmann. Der ganz große Geldgeber sei bisher nicht dabei, aber es könne auch so funktionieren. Morgen tagt der Beirat - normalerweise einmal monatlich, aktuell aus gegebenem Anlass öfter. Zum 1. April muss Vollmer dann die Willenserklärung abgeben, in der kommenden Saison in der Bundesliga zu spielen. "Da muss die Finanzierungslücke noch nicht bei null sein, aber auf jeden Fall kleiner als jetzt", sagt der 34-Jährige. Am 15. April ist dann ein wirtschaftlicher Plan mit genauer Summe fällig. Eines steht laut Vollmer in jedem Fall jetzt schon fest: "Wir werden uns nicht verschulden. Damit wäre das Problem nämlich nur verschoben und nicht gelöst."

.Gespräche mit Spielern: "Es ist klar, dass andere Vereine unsere Spieler ansprechen. Unsere Situation ist ja bekannt", sagt Vollmer. Zum jetzigen Zeitpunkt stehe aber noch kein einziger Abgang fest. "Bisher ist noch kein Spieler mit einem konkreten Wechselwunsch auf mich zugekommen. Wir sind in regelmäßigem Austausch", sagt der TVR-Manager. Verträge zur neuen Saison werde er aber erst unterzeichnen lassen, wenn die finanzielle Situation geklärt sei: "So ehrlich bin ich, das sage ich den Spielern auch."

.den kommenden Gegner: Fast wäre es in den Pre-Playoffs zum Derby gegen Bühl gekommen. Der TVB unterlag nämlich Düren mit 0:3 und hätte so fast mit den Netzhoppers KW die Plätze getauscht, die aber 2:3 bei den United Volleys Rhein-Main unterlagen. So geht's für den TVR in den Pre-Playoffs in maximal drei Spielen nun gegen die Netzhoppers - am Mittwoch auswärts, am Samstag (19.30 Uhr) zuhause und dann eventuell in neun Tagen zum entscheidenden Spiel wieder auswärts. Der Sieger zieht ins Viertelfinale der besten acht Teams ein, der Verlierer spielt gegen den Abstieg. "Mir wäre Bühl fast ein bisschen lieber gewesen", sagt Vollmer. Und nennt die Gründe: "Gegen Bühl wäre für das Auswärtsspiel keine Übernachtung im Hotel nötig gewesen." Und das hätte Zeit, Geld und Kraft gespart. Stattdessen geht's jetzt morgen am Vormittag mit dem Bus nach Brandenburg und in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag wieder zurück. "Dann können wir am Donnerstag auch nicht vernünftig trainieren, was die Spielvorbereitung auf Samstag erschwert", sagt Vollmer. Zudem sei der Gegner gerade richtig gut drauf, schlug in diesem Jahr unter anderem Bühl und Düren. "Das wird eine richtig schwierige Aufgabe", sagt der 34-Jährige, will aber dennoch unbedingt ins Viertelfinale: "Das ist ganz klar das Ziel. Ich möchte nicht gegen den Abstieg spielen."

.das Heimspiel am Samstag: Als Tabellenneunter würde Rottenburg gegen die achtplatzierten Netzhoppers zwei Mal auswärts spielen müssen, wenn die Serie über die vollen drei Spiele geht. Schon ein Nachteil - vor allem wenn man bedenkt, dass es in beiden Hauptrunden-Spielen eng zuging und jeweils das Heimteam mit 3:2 gewann. Manager Vollmer sieht aber auch Vorteile: "Zunächst mal müssen wir nur einmal die Halle mieten." Und dass das Rottenburger Heimspiel am Samstag stattfinde und nicht unter der Woche, sei günstiger für die vielen ehrenamtlichen Helfer und auch für die Fans. "Im Idealfall kommen an einem Samstag fast so viele Zuschauer wie an zwei Mittwoch-Abenden zusammen", sagt Vollmer. Und hofft darauf, dass den TVR am Samstag noch mehr Fans unterstützen als gegen Lüneburg. "Gestern gab es einige ungünstige Faktoren, die in fünf Tagen wegfallen", sagt Vollmer - etwa die ungewohnte Zeit am Sonntagnachmittag sowie das letzte Ferienwochenende.

TVR: Dauerkarten als Solidaritätsbekundung

Obwohl noch gar nicht sicher ist, wie es sportlich weitergeht, verkauft der TV Rottenburg bereits Dauerkarten für die kommende Bundesliga-Saison. "Wir waren letztes Jahr sehr spät dran und wollten den Verkauf dieses Jahr ohnehin früher starten, solange wir noch sportlich präsent sind", sagt TVR-Manager Philipp Vollmer. Und ergänzt: "Wir sehen das auch als Möglichkeit zur Solidaritätsbekundung." Eine mögliche Rückerstattung sei ohnehin kein Problem, da das Geld erst eingezogen werde, wenn die Bundesliga-Zugehörigkeit zur neuen Saison definitiv feststehe, sagt Vollmer.

 


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Veranstaltung(en) zu diesem Bericht

05.03.2017 : 14:30 Uhr

TV Rottenburg - SVG Lüneburg



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