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Tagblatt: Bestens gelaunt nach Bestensee


Mit dem 3:0 (25:22, 25:21, 25:11) vor 1000 Zuschauern holt der TV Rottenburg Selbstvertrauen für das letzte Pre-Playoff-Spiel bei den Netzhoppers.

Nach dem 9:17 im dritten Satz war es Netzhoppers-Trainer Mirko Culic wohl zu dumm. Er nahm seine letzte Auszeit, sprach in dieser aber keinen Ton zu seinen Spielern und schaute nur grimmig drein. Mittelblocker Paul Sprung redete dafür, einen großen Wert hatten dessen Worte aber nicht. Zwei Pünktchen holten die Netzhoppers KW-Bestensee in dem für sie deprimierenden Satz noch. Am Ende düpierte sie noch der eingewechselte 19-jährige Rottenburger Johannes Schief mit zwei Aufschlägen, die Theo Timmermann bei der Annahme verrutschten. "Ich kann nicht erklären, warum wir so schlecht waren", sagte Culic, "wir haben nie unsere Leistung gebracht, waren in der Annahme schwach, in der Abwehr schlecht." Ein Grund könnte das Fehlen des Topstars Björn Andrae gewesen sein, den die Netzhoppers zwecks Schonung zuhause ließen.

Am Mittwoch wird er bestimmt wieder spielen. Nach dem Rottenburger Sieg gibt es dort in Bestensee ein Entscheidungsspiel um den Einzug in die Playoff- oder die Playdown-Spiele gegen den Abstieg. "KW wird dort besser spielen", sagte TVR-Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger, "das ist so klar wie das Amen in der Kirche." Aber die Rottenburger kommen nach dem deutlichen Sieg in Tübingen "mit definitiv neuem Selbstbewusstsein", wie TVR-Außenangreifer Phillip Trenkler sagte.

Wie gelöst nach Aussprache

Nach etwas unsicherem Beginn, zu dem bei den Netzhoppers Daniel Heinecke stark aufspielte, steigerten sich die Rottenburger und spielten ab dem 10:10 stets eine komfortable Führung heraus. Der gut aufgelegte Zuspieler Federico Cipollone setzte immer wieder geschickt und variabel seine Mitspieler ein, von denen vor allem Moritz Karlitzek und Ferenc Németh die Angriffe oft mit Wucht und Präzision ins Netzhoppers-Feld hauten. Dazu erzielten die Rottenburger zehn Blockpunkte - so viele wie seit dem 3:0-Heimsieg gegen Bühl nicht mehr vor fünf Wochen.

Nach jenem Bühl-Spiel lief es beim TVR nicht mehr, intern gab es eine Aussprache (siehe "Der Saison nochmal eine Wendung gegeben"). "Seither stellen wir wieder die Mannschaft in den Vordergrund", sagte Trenkler, "vorher hatte es sich so langsam eingeschlichen, dass jeder zu viel von seinen Mitspielern erwartet hatte." Wie gelöst spielten die Rottenburger, "weil wir geschlossen spielten, das waren mehr als nur die sechs, die auf dem Feld standen", sagte Lars Wilmsen.

"Jeder gönnt mittlerweile dem Anderen das Beste und schaut nicht nach deren Fehlern", sagte TVR-Trainer Müller-Angstenberger, "aber das ist für uns auch Voraussetzung, dass wir gute Leistung bringen." Und jetzt wieder ins 700 Kilometer entfernte Bestensee dürfen. Zum dritten Mal innerhalb von 18 Tagen. "KW hält immer noch alle Trümpfe in der Hand", sagte der TVR-Coach, "aber die Wahrscheinlichkeit auf einen Sieg für uns ist gestiegen."

"Das ist doch total Banane!"

Deutscher Meister kann der TV Rottenburg immer noch werden - aber auch in die zweite Liga absteigen. Sollte der TVR nämlich das dritte Pre-Playoff-Spiel am Mittwoch (19 Uhr)in Bestensee verlieren, spielt er gegen Solingen (verlor gestern auch das zweite Pre-Playof-Spiel gegen Bühl) um den Klassenverbleib. "Das mit dem Abstieg ist doch total Banane!", sagte TVR-Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger. Er äußerte Unverständnis, dass in den Pre-Playoffs theoretisch der Tabellensiebte der Hauptrunde absteigen und der Zehnte drin bleiben könnte. "Am Anfang waren wir auch Verfechter der Spiele", sagte der TVR-Coach, "aber man muss sich schon fragen, was die Vereine, die dafür stimmten sich da gedacht haben." Immerhin: Nächste Saison werden diese Pre-Playoff-Spiele abgeschafft.

Angebaggert

Mediale Präsenz wie selten

Der TV Rottenburg sorgt derzeit für mediales Interesse: Am Freitag-Nachmittag war TVR-Manager Philipp Vollmer im Reutlinger Radio-Studio von "Neckaralb Live" - zum zweiten Mal nach seinem ersten Besuch zum Amtsantritt vor ziemlich genau einem Jahr. "Das Radio ist neben der Presse ein wichtiges Medium", sagte Vollmer, "ich weise auch unsere Sponsoren immer wieder darauf hin, dass wir medial vertreten sind." Und lobte dabei auch das TAGBLATT, das "sehr facettenreich über den TVR" berichte: "Das ist ein echter Mehrwert für den Leser", sagt Vollmer.

Experten für Zeitvertreib

Schon vor dem Spiel witzelte TVR-Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger, dass ein Pre-Playoff-Entscheidungsspiel in Bestensee "fast schon ein Heimspiel für uns ist". Denn am Mittwoch spielen die Rottenburger zum dritten Mal in 18 Tagen im 700 Kilometer entfernten Bestensee. "Da wird man im Bus langsam zum Experten, wie man sich die Zeit vertreibt", sagte Außenangreifer Phillip Trenkler.

Vorteil Heim-Mannschaft

Die kleine Halle in Bestensee ist mit Sicherheit ein Vorteil für das Heimteam der Netzhoppers - vor allem bei Aufschlägen, wie TVR-Kapitän Dirk Mehlberg erläutert: "Ein Fußballer schaut immer in den freien Himmel, wir auf mehrere Fixpunkte mit Lampen und unterschiedlichen Höhen an der Hallendecke." Wegen dieser unterschiedlichen und spezifischen Orientierungspunkte beim Aufschlag sei es auch nicht egal, in welcher Halle man spiele. Daher würden die Teams bei Heimspielen in gewohnter Halle auch meist besser aufschlagen als auswärts. Beleg: die 13 Aufschlagfehler von Bestensee am Samstag in Tübingen.

Der Saison nochmal eine Wendung gegeben

Vor acht Tagen sprachen sich die TVR-Spieler intern aus - was wohl half.

Nach jedem Heimspiel trifft sich das Rottenburger Volleyball-Team im VIP-Bereich der Paul-Horn-Arena. Wenn dann ein bis zwei Stunden nach Spielende die letzten Sponsoren gegangen sind, wird dort gemeinsam über das zurückliegende Spiel diskutiert. Das war auch vor acht Tagen nach dem letzten Spiel in der Hauptrunde gegen Lüneburg (0:3) so. Und doch war die Aussprache nach dem Lüneburg-Spiel anders als sonst. Denn einerseits ging sie deutlich länger als gewöhnlich. Und andererseits redeten nicht die üblichen Verdächtigen: Statt Trainer und Manager diskutierten vor allem die Spieler selbst. "Es kam viel vom Team, das war gut!", so Manager Philipp Vollmer.

Vor allem drei Spieler meldeten sich zu Wort: Kapitän Dirk Mehlberg natürlich, dazu noch Friederich Nagel und Ferenc Németh. Nagel verwies zum Beispiel darauf, dass das Zueinanderstehen immer eine Rottenburger Stärke gewesen sei - er diese zuletzt aber nicht mehr habe erkennen können. "Wir haben uns gegenseitig klar gemacht, dass wir wieder zu mannschaftlicher Geschlossenheit finden müssen", sagte Vollmer, "so abgedroschen das auch klingt: Wir sind nur als Team stark."

Ein weiteres wichtiges Thema der Aussprache: das Lösen von externen Faktoren. Vor allem mit einigen Schiedsrichter-Entscheidungen hatte der TVR zuletzt immer wieder gehadert. Das Lamentieren habe dem Team aber mehr geschadet als geholfen, sagte Mehlberg: "Ich habe in dieser Besprechung gesagt, dass wir in unserem Auftreten wieder souveräner werden müssen. Wir können nicht schlecht spielen und uns dann nur über andere aufregen."

Diskussion zeigt Wirkung

Auch Németh forderte, den Fokus wieder ausschließlich auf das eigene Spiel zu legen. Der Ungar tat das auf Englisch, "weil mein Deutsch dafür noch nicht ausreicht." Seine Wortmeldung in der Aussprache war ihm aber dennoch sehr wichtig: "Bei so vielen jungen Spielern wie in unserer Mannschaft dachte ich, ich muss auch was sagen, wenn mir was auffällt."

Und die Aussprache scheint ihre Wirkung nicht verfehlt zu haben. Erster Indikator: ein Aufwärtstrend auf dem Feld. Nach einem Satzgewinn im Bestensee gab's am Samstag im Heimspiel einen klaren und nie gefährdeten 3:0-Sieg gegen die in der Hauptrunden-Tabelle vor dem TVR liegenden Brandenburger. Die Wirkung lasse sich aber nicht alleine auf die Leistung auf dem Feld beschränken, sagte Vollmer: "Ich hatte das Gefühl, dass danach unter der Woche auch wieder eine gewisse Lockerheit ins Team zurückgekehrt ist. Die Jungs haben auch mal wieder einen Witz gemacht." Zuvor, gibt Vollmer offen zu, sei die Stimmung im Team schlecht gewesen. Das bestätigt auch Kapitän Mehlberg: "Unter der Woche war oft mehr die finanzielle Zukunft als das Training im Fokus."

Das sei jetzt anders. "Wir haben uns alle zusammen vorgenommen, dass nach dem Ende der Hauptrunde ein neues Kapitel beginnt", sagt Vollmer. Bis Februar sei die Saison nämlich eine gute gewesen. "Danach hatten wir einige wirklich schlechte Spiele dabei, für die wir auch zurecht kritisiert worden sind", sagte der TVR-Manager. Das alles habe man mit der gemeinsamen Diskussion nun aber abgehakt und hinter sich gelassen. "Das Team hat der Saison damit nochmal eine Wendung gegeben", sagt Vollmer. Den Eindruck des Managers bestätigt auch Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger: "Unsere Aussprache hat sich ausgezahlt." Deshalb fahre die Mannschaft nun auch mit Selbstvertrauen zum entscheidenden dritten Spiel nach Bestensee. "Wir wollen dort unbedingt gewinnen und ein Abstiegsendspiel vermeiden", sagte Vollmer.

Sponsorensuche bleibt "heiß auf allen Ebenen"

Neuer Zwischenstand bei der Sponsorensuche des TV Rottenburg: 125000 Euro muss Manager Philipp Vollmer zusammenbringen, um die Finanzierungslücke nach dem Ausstieg des Kopp-Verlags als Großsponsor zu schließen. Etwas mehr als die Hälfte dieser Summe hat er aktuell nach eigenen Angaben schon zusammen. "Wir haben schon was hinbekommen in der letzten Zeit. Aber das kann natürlich auch alles noch brechen", sagte der TVR-Manager: "Die Gespräche laufen, wir müssen noch drei Wochen richtig Vollgas geben! Es bleibt heiß auf allen Ebenen." Dabei sei es von Vorteil, dass der Spielbetrieb aktuell noch laufe, sagt Vollmer: "Viele potenzielle neue Sponsoren kommen gerade zu unseren Heimspielen und erleben die Atmosphäre in der Halle. Das ist natürlich ein gutes Argument."


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Veranstaltung(en) zu diesem Bericht

11.03.2017 : 19:30 Uhr

Pre-Playoffs Volleyball Bundesliga

TV Rottenburg - Netzhoppers SolWo Königspark KW

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