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Beschreibung: Hoch, höher, Moritz Karlitzek: Der Rottenburger setzt sich gegen den Solinger Block durch.

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Fotograf: Markus Ulmer


Der TV Rottenburg gewinnt das erste Spiel der Playdown-Serie mit 3:1 (25:17, 23:25, 25:23, 25:18) gegen die Solingen Volleys. Ferdinand Schwarz

Der erste Schritt in Richtung Klassenverbleib ist getan - und das mit 3:1 dann doch recht deutlich. "Ich bin froh, dass wir den Abstiegskampf angenommen haben", sagte ein sichtlich erleichterter TVR-Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger.

Im ersten Satz sahen die 1000 Zuschauer in der Paul-Horn-Halle einen dominanten TVR - auch weil Solingen die Rottenburger Aufschläge oft zu schlecht annahm. Rottenburg dagegen spielte stark, vor allem Friederich Nagel schmetterte wuchtig und blockte gut. "Die Blocks waren heute entscheidend für den Sieg", resümierte Müller-Angstenberger. 13 Blockpunkte erspielten die Rottenburger - ein überdurchschnittlicher Wert für den TVR. Zum Vergleich: Die Solingen Volleys kamen lediglich auf vier Blockpunkte.

Unverständlich dann die Schwächephase zu Beginn des zweiten Satzes, als der TVR die Solinger schnell auf 8:3 davonziehen ließ. Einziger Lichtblick im zweiten Satz war der eingewechselte Tim Grozer, der gegen seinen Ex-Klub mächtig aufdrehte und sein Team nochmal ran brachte - die Solinger waren jedoch schon zu weit enteilt. "Ich war heute einfach hungrig auf Punkte und habe Top-Zuspiele bekommen", begründete der 18-jährige Grozer seine starke Vorstellung, die er auch im dritten Satz fortsetzte.

Da fand Rottenburg wieder ins Spiel, führte konstant - doch dann ließ Solingen den TVR nochmal zittern, ging völlig unerwartet mit 23:22 in Führung. Der TVR zeigte jedoch keine Nerven und holte sich den Satz mit 25:23. "Wir waren heute mental sehr stark", lobte Müller-Angstenberger.

Im entscheidenden vierten Satz leisteten sich die Rottenburger erneut eine Schwächephase, Solingen setzte sich mit 7:3 ab. Dann wechselte Müller-Angstenberger doppelt: Zuspieler Federico Cipollone ersetzte den im vierten Satz schwachen Philipp Jankowski, Moritz Karlitzek Tim Grozer. Angeführt von den beiden rissen die Rottenburger das Spiel wieder an sich, zogen ab dem 11:10 davon - vor allem Karlitzek brillierte ein ums andere Mal mit Schmetterschlägen und Blockpunkten. Doch auch Cipollone trug mit geschickten kurzen Zuspielen zu einigen Punkten bei.

"Die Einwechslungen haben heute alle funktioniert", sagte Müller-Angstenberger. Bei Solingen schlichen im vierten Satz zunehmend Fehler ein - für eine TVR-Bogenlampe von Sven Metzger aus der Bedrängnis fühlte sich beispielsweise kein Solinger verantwortlich. Durch solch einfache Rottenburger Punkte entschied der TVR den letzten Satz deutlich mit 25:18.

Ich war heute hungrig auf Punkte. Tim Grozer, Außenspieler TV Rottenburg

Solinger Trainer trotz Niederlage zuversichtlich

Am Mittwoch um 19.30 Uhr beginnt in Solingen das zweite Spiel der Abstiegsrunde - sollte Rottenburg dieses gewinnen, startet der TVR auch nächstes Jahr sicher in der Bundesliga. Wenn nicht, kommt es am Sonntag (17 Uhr) zum entscheidenden Duell in Tübingen. Solingens Trainer Justin Wolff zeigte sich nach der Niederlage noch zuversichtlich: "Wir haben heute auf Augenhöhe mit den Rottenburgern gespielt." Und auch Rottenburgs Zuspieler Philipp Jankowski warnt: "Ein Spiel bedeutet noch nichts."

Der TVR hat mehr verdient

Versteh' einer die Volleyball-Fans: Vor vier Wochen kamen zum Heimspiel des TV Rottenburg gegen die Solingen Volleys über 2000 Zuschauer in die Tübinger Paul-Horn-Halle. In einem Hauptrunden-Spiel, in dem es nur darum ging, ob der TVR Neunter, Achter oder Siebter wird - was außer für Statistik-Freaks nur für die Pre-Playoff-Spiele interessant ist, wo der besser Platzierte zuerst Heimrecht hat.

Jetzt kamen diese Pre-Playoff-Spiele; der TV Rottenburg verlor zwei von drei gegen KW-Bestensee und spielt daher gegen Solingen um den Klassenverbleib. Entscheidende Spiele - die lediglich 1000 Zuschauer sehen wollten. Dabei spielte an diesem Wochenende nicht mal die Konkurrenz von der Basketball-Bundesliga in der Halle, die Walter Tigers Tübingen.

TVR-Manager Philipp Vollmer hat eine eigene Erklärung für den Zuschauerschwund. Volleyball-Fans hätten nämlich eine gerne als urdeutsch verschriene Tugend: "Die planen ihre Spielbesuche gern." Hauptrundenspiele sind halt fix terminiert, Playoff-Spiele können erst kurzfristig angesetzt werden, da sie abhängig von den vorherigen Ergebnissen sind. Sollte Vollmers Erklärung stimmen, müssten sich die Rottenburger ja im Umkehrschluss für eine Abschaffung aller Playoff-Spiele einsetzen; da die definitiven Paarungen und Termine erst nach Ende der Hauptrunde feststehen und für die planenden Zuschauer daher zu kurzfristig.

Jedenfalls hätten die Mannschaft und der Klub mehr Unterstützung verdient gehabt in diesen Finalspielen - gerade in der finanziell so schwierigen Situation: Denn im Gegensatz zu vielen anderen Bundesligisten auch aus anderen Sportarten ist die Identifikation der Spieler mit Verein und Region außergewöhnlich hoch. Teilweise spielten sie wie Sven Metzger oder Phillip Trenkler schon in der eigenen Jugend, alle trainieren und spielen auf hohem Leistungsniveau trotz Studium oder Beruf, gehen nebenher auf Schulen, um Werbung für den Sport und den Verein zu machen. Aber wohl nicht genug.

Kostenfressende Finalspiele

Zukunftsplanungen TVR fehlen noch etwa 25000 Euro für den Bundesliga-Etat. Spieler und Trainer sollen bleiben.

Nach dem Spiel führte Rottenburgs Manager Philipp Vollmer lange Gespräche. Mit potenziellen Sponsoren, mit aktuellen Sponsoren. Wie fast jeden Tag zurzeit. Einen Schritt zum sportlichen Klassenverbleib haben die TVR-Volleyballer am Samstag gemacht. Bei der Finanzierung einer weiteren Bundesligasaison sind sie in den vergangenen Tagen weitere Schritte vorangekommen, nachdem der Ausstieg des größten Sponsors Kopp-Verlag eine große Lücke gerissen hat.

Ein Viertel des Betrags, den der Verlag beisteuerte, fehle noch, sagte Vollmer, was nach TAGBLATT-Information etwa 25000 Euro sein sollten. Bis 1. April muss der TVR die Unterlagen für die Lizenzvergabe eingereicht haben. Am 29. März ist beim TVR eine Sitzung des Gesamtbeirats des Vereins. Der sei jetzt nicht die entscheidende Instanz, ob der TVR die Bundesliga-Lizenz beantragt oder nicht, sagte Vollmer - das entscheidet letztlich die Volleyball-GmbH. "Aber ich nehme immer gerne den Beirat mit", sagte Vollmer, "anders als das früher vielleicht der Fall war."

Bis dahin und auch danach haben Vollmer und der TV Rottenburg allerdings einige andere Themen ebenfalls zu bearbeiten:

Kaderplanung: Einen Vertrag über die Saison hinaus haben nur der 18-jährige Tim Grozer und Phillip Trenkler. Alle anderen elf Spieler des Kaders haben die TVR-Verantwortlichen bereits kontaktiert, wollen mit ihnen weitermachen. Allerdings hat bisher weder ein Spieler zu- noch abgesagt. Auch, weil die sportliche Zukunft des TVR noch ungewiss ist. "Die sportliche Zukunft ist bei mir der Mittwoch", sagte Zuspieler Philipp Jankowski. Der zurzeit verletzte ungarische Diagonale Ferenc Németh sagte, er freue sich, dass der Verein mit ihm weiter arbeiten will: "Aber ich selbst weiß noch nicht, was ich machen werde."

Am schwierigsten dürften die Verhandlungen mit Moritz Karlitzek werden. Der TVR-Topscorer mit Nationalmannschafts-Einsatz ist auch bei anderen Bundesligisten begehrt. Bei Federico Cipollone dürfte viel für einen Verbleib sprechen, da er hier eine Arbeitsstelle hat.

Trainer: Vereins-Urgestein Hans Peter Müller-Angstenberger entscheidet selbst, ob er nach 15 Jahren weiter TVR-Coach bleibt. Manager Philipp Vollmer will es, und im ganzen Verein kann sich kaum einer vorstellen, dass der Klub mit einem anderen Trainer in die Runde geht. "Aber Hans ist auch einer, der sich immer selbst hinterfragt", sagte Vollmer. Entschieden ist noch nichts.

Zuschauerzahl: "Bei den Pre-Playoff- und Playdown-Spielen haben wir drauf gezahlt", sagte Philipp Vollmer. Jeweils nur 1000 Zuschauen kamen in die Tübinger Halle zu den entscheidenden Spielen, in denen es um den Klassenverbleib ging. Weil der Preis für die Saisonkarte nur für die Hauptrunde berechnet wurde, kamen die Dauerkarten-Besitzer praktisch umsonst rein. Dazu kamen und kommen die Kosten für zwei Busfahrten nach Berlin und eine nach Solingen plus jeweils Übernachtungen. "So unglücklich wie diese Saison lief es bei uns noch nie", sagte Vollmer, "das sind ja beides nicht gerade Nachbarstädte."

In der nächsten Saison dürften die Pre-Playoff-Spiele wohl wegfallen. An TVR-Manager Vollmer soll es jedenfalls nicht scheitern: "Das kann doch nicht sein, dass es bei einer Zehner-Liga noch einen Absteiger gibt, zumal von unten wohl wieder keiner hoch will. Wir sollten doch froh sein, dass es Aufsteiger wie Solingen gibt, die das stemmen. Wir brauchen eine Zwölfer-Liga und Teams wie Solingen!"

Angebaggert

Saison für Németh beendet

Ferenc Németh hatte es sich gemütlich gemacht. Teilweise saß der Diagonale des TVR auf dem Fan-Sofa eines Sponsors und verfolgte im Trainingsanzug das Spiel seiner Teamkollegen. Für den Ungarn ist die Bundesliga-Saison bereits beendet: Németh hat sich am Knie verletzt und muss operiert werden. "Es ist aber kein größerer Eingriff", sagte er.

Gewagter Beiratsvorsitzender

Man kann es gewagt nennen oder auch arrogant. In der Zehn-Minuten-Pause bedankte sich TVR-Beiratsvorsitzender Hermann Sambeth per Mikrofon bei Fans, ehrenamtlichen Helfern und Sponsoren, bis er dann versprach, dass die Mannschaft den Klassenverbleib schaffe - um dann fortzusetzen: "Und sollte es wider Erwarten am Mittwoch 1:1 stehen, treffen wir uns am Sonntag hier wieder." Wohlgemerkt: Bis dahin stand's 1:1 nach Sätzen - der TVR hatte sein Spiel gegen Solingen noch nicht gewonnen.

Live in Ungarn

Mit seinem guten Auftritt und seinen strammen Aufschlägen eiferte Tim Grozer seinen berühmten Vater und Bruder nach, den "Hammer-Schorschs". Vater Georg war an diesem Tag auf Heimatbesuch in Ungarn. "Aber er hat's im Internet angeschaut", sagte Tim Grozer.

 


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Veranstaltung(en) zu diesem Bericht

18.03.2017 : 19:30 Uhr

Playdowns Saison 2016/17

TV Rottenburg - Solingen Volleys

Playdowns Saison 2016/17



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