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"Wirtschaft im Profil": Trainingsanzug und Krawatte


AUSZUBILDENDER UND PROFI

Leistungssportler investieren ihre Zeit in Training und Wettkämpfe. Während Gleichaltrige durch Ausbildung, Studium und Praxiserfahrungen denGrundstein für ihren beruflichen Weg legen, können sich Top-Athleten meist erst amEnde der aktiven Karriere auf ihre berufliche Zukunft konzentrieren. Mit dem Modell der Kreissparkasse Tübingen geht beides: erste Bundesliga und Ausbildung.

Die Kreissparkasse Tübingen hat zusammen mit dem Volleyball-Erstligisten TV Rottenburg die Lösung für eine duale Karriere gefunden. Kein Entweder-oder, sondern ein Sowohl-als-auch. Mit ihrem Modell der Teilzeitausbildung ist beides gleichzeitig möglich: erste Bundesliga und Ausbildung zum Bankkaufmann oder Finanzassistenten. Das Modell ist inzwischen sogar eine hervorragende Vorlage und ist gut übertragbar, zum Beispiel auf junge Eltern, die ihre Ausbildung in Teilzeit machenwollen.

„Natürlich hatten wir zunächst einen Mehraufwand“, gibt der Ausbildungsleiter der Kreissparkasse Simon Beilard zu. „Mittlerweile ist es aber zu einem Erfolgsmodell geworden.“ Kein Wunder, denn die Erfahrungen könnten besser nicht sein. Mit dem Nachwuchsspieler des TV Rottenburg Federico Cipollone (23) hatte die Kreissparkasse 2013 den ersten Teilzeit-Azubi eingestellt. Johannes Elsäßer (21) und Tim Grozer (18) kamen später hinzu. Während Cipollone seine Ausbildungszeit inzwischen beendet hat und als Bankkaufmann halbtags arbeitet, sind Elsäßer und Grozer noch mitten drin in der Ausbildung zum Finanzassistenten beziehungsweise Bankkaufmann.

Eine riesige Herausforderung

„Es ist schon bemerkenswert, was sie leisten und wie viel Selbstorganisation sie mitbringen“, sagt Beilard. „In der einen Hand die Sporttasche und in der anderen Anzug und Krawatte. Bei jeweils zwei Stunden Training morgens und abends ist das eine riesige Herausforderung.“

Eine Herausforderung, die sie gut meistern. Für Leistungssportler nicht ungewöhnlich, wie wissenschaftliche Untersuchungen belegen. So zeigen Studienergebnisse der Universität für Wissenschaft und Recht Oestrich-Winkel, dass Leistungssportler überdurchschnittliche Werte hinsichtlich Disziplin (Planungsorientierung, Sorgfalt), Stabilität (Stress und Frustrationstoleranz) und Engagement (Leistungsanspruch) aufweisen. Personalchefs und Personalberater bestätigen die Hypothese, dass Spitzensportler besonders leistungsorientiert und diszipliniert seien. Logisch, dass sie auch gerne eingestellt werden.

Trotz allem, eine Extrawurst können die jungen Volleyball-Profis nicht erwarten. Auch sie mussten die Eignungstests bestehen. Tim Grozer war gewappnet „Nicht einfach, aber mit Vorbereitung ging das gut.“ Auch Johannes Elsäßer nahm die Hürde: „Anspruchsvoll, aber machbar.“ Für Beilard ist das positive Abschneiden im Auswahlverfahren und das Interesse am Berufsbild Voraussetzung für den Erfolg des Modells: „Wenn jemand nicht geeignet ist für diesen Beruf, dann würden wir ihm ja auch keinen Gefallen tun.“

Super glücklich, wie es läuft

Auch der Alltag am Schalter und in den Abteilungen ist der eines ganz normalen Azubis. Keine Sonderbehandlungen, aber sehr wohl genaue Absprachen. „Alle Beteiligten ziehen an einem Strang und kommunizieren bestens miteinander. Übrigens schon seit vielen Jahren, denn die Kreissparkasse ist von Beginn an einer unserer Sponsoren. Wir sind im ständigen Austausch, so dass dieses duale Modell ‚Beruf und Leistungssport‘ bestens funktioniert“, sagt Hans Peter Müller-Angstenberger, der Trainer des Bundesligisten.

Apropos Alltag: Sicher tauchen doch immer wieder Fans am Bankschalter auf und wollen Autogramme? „Naja, nicht direkt“, schmunzelt Grozer, „aber einige wollen explizit die Bankbelege von mir unterschrieben haben.“ Und Elsäßer kommt inzwischen am ersten Arbeitstag nach dem Spiel extra früher ins Büro. „Da brauch‘ ich schon mal zwanzig Minuten bis ich endlich an meinem Arbeitsplatz bin.“ Beide Jungprofis sind trotz Doppelbelastung mit ihrer Ausbildung un d mit den Kollegen „super glücklich, wie es läuft“. Eine Winwin-Situation für die Azubi-Sportler, für den Verein und für die Kreissparkasse Tübingen. Beilard: „Gerade für uns als regional orientierter Finanzdienstleister ist es wichtig, mit einem Bundesligaverein aus dem Kreis zusammenzuarbeiten und so auch die Region zu stärken. Das hat schon etwas Familiäres".

Erschienen am 23.06. in "Wirtschaft im Profil" das Businessmagazin des Verlags Schwäbisches Tagblatt GmbH


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